Die Sonntagspredigten der vergangenen Wochen zum Nachlesen


Predigt am 20.06.2010 in Großenaspe zum Stille-Projekt Teil 5: In der Stille ausharren
 

In Jesu Namen, Amen.

Mann und Frau sitzen im Auto, das gerade vor der Ampel hält. Der Mann auf dem Beifahrersitz sagt: „Schatz, die Ampel ist grün!“ Und sie antwortet: „Fährst du oder fahr ich?“

Mit dieser Szene beginnt der Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun seine Erklärungen zum sogenannten Vier-Ohren-Modell. Dies berühmte Modell macht deutlich wie schwierig es ist, wenn wir kommunizieren.

Der Mann sagt ganz sachlich: „Schatz, die Ampel ist grün!“ Würde sie auf dem sachlichen Ohr hören, könnte sie antworten: „Ja, Schatzi, ich sehe auch, dass die Ampel grün ist.“ Stattdessen hört sie aber auf dem Beziehungsohr, fühlt sich angegriffen und reagiert entsprechend giftig: „Fährst du oder fahr ich?“ Was soviel heißt wie: „Ich lass mich nicht bevormunden wie ein Fahranfänger. Ich kann auch ohne dich Autofahren.“

Kommunikation kann ganz schön schwierig sein, je nachdem mit welchem Ohr wir hören und wie wir auch unsere Botschaften verpacken.

 

Gott sei Dank, dass die Kommunikation mit Gott einfacher ist. Er hört auf allen Ohren gleich gut. Ja, er versteht, was wir reden und wie wir es wirklich meinen. Ein Problem in der Kommunikation mit Gott tritt dann auf, wenn wir mit ihm reden und beim Hören nichts zu hören ist. Wenn die Stille still bleibt. Das ist das Thema für die jetzt anbrechende Woche.

 

Wenn Gott nicht mehr redet, hat er sich dann zurückgezogen?

Ist er bockig? Will er uns eins auswischen? Oder gibt er Antworten auf einer anderen Ebene?

 

Um auf diese wichtige Frage eine Antwort zu finden, wollen wir uns heute mit der Geschichte einer weiteren Frau beschäftigen. Einer wunderhübschen Frau zumal, mit Namen Esther. Einige erinnern sich vermutlich noch: Vor vier Jahren hatten wir uns in einem FOR-YOU-Gottesdienst mit Esther beschäftigt und hatten hier auf der Bühne eine schicke orientalische Dekoration.

 

Esther lebte vor 2500 Jahren in dem riesigen persischen Weltreich, das sich von Äthiopien in Ostafrika bis nach Indien erstreckte. D.h. die heutigen Länder Äthiopien, Sudan, Ägypten, Israel, Syrien, Türkei, Irak, Iran, Afghanistan und Pakistan waren ein Reich mit der Hauptstadt Susa im heutigen Südiran. Mächtiger König dieses Riesenreiches war Ahasveros, auch unter dem Namen Xerxes bekannt. Seine erste Frau Waschti verweigerte ihm öffentlich ihren Gehorsam und wurde daraufhin verstoßen. So kam es, dass sich Xerxes eine neue Königin suchte, die auf alle Fälle jung und schön sein sollte.

 

Esther, eine jüdische Waise, die von ihrem älteren Vetter Mordechai betreut wurde, kam in die nähere Auswahl der Königinanwärterinnen und lebte fortan mit zig anderen jungen Frauen am Königshof. Dort wurde sie ein Jahr lang einer intensiven Schönheitsbehandlung unterzogen. Wie viele andere hübsche junge Frauen wurde Esther schließlich dem König gebracht. Und sie muss sehr überzeugend gewesen sein! Sie hatte das große Glück, dass er sie nach der gemeinsamen Nacht nicht für immer in seinen großen Harem als eine unter vielen einschloss, sondern sie zu seiner Ehefrau machte.

Damit wurde Esther Königin des damals mächtigsten Reichs auf Erden. Und niemand wusste, dass sie Jüdin war. Bis auf ihren Vetter Mordechai, der in der Nähe lebte und mit ihr unauffällig in Kontakt blieb.

 

Und jetzt erst entwickelt sich der spannende Teil der Geschichte. Mordechai wurde eines Tages unfreiwillig Zeuge einer Verschwörung gegen den König. Als er Esther davon erzählte, konnte der Plan der Attentäter vereitelt und das Leben des Königs gerettet werden. Dieser spektakuläre Fall wurde dann in die königlichen Chroniken aufgenommen.

Wenig später ernannte Xerxes einen Mann namens Hamann zum höchsten Regierungsbeamten am Hofe des Königs. Dem stieg seine neugewonnene Macht so zu Kopf, dass er von den Menschen erwartete, dass sie sich vor ihm verbeugten und auf die Knie gingen, wenn sie ihm begegneten.

Mordechai - ein antiker Protestant - beugte seine Knie nicht vor Haman. Diese Ehre wollte er nur Gott erweisen. Haman ärgerte das so sehr, dass er einen teuflischen Plan austüftelte wie er gleich alle Juden ausrotten konnte. Mit anderen Worten: Er plante einen Vernichtungsschlag gegen das jüdische Volk, einen Holocaust. In den 127 Provinzen des Königreichs, von Indien bis Äthiopien, sollten an einem einzigen Tag alle Juden getötet werden. Hamann erreichte es, dass Xerxes diesem Vorhaben zustimmte und eine rechtsgültige Anordnung erließ.

Gleichzeitig passierte Folgendes: Der König konnte des Nachts nicht schlafen und ließ sich aus den Büchern der Chronik vorlesen. Dabei stieß er auf die Stelle, an der von der Vereitelung eines Attentats gegen ihn die Rede war. Er fragte, ob der Mann, der von dem Komplott berichtet und ihm damit das Leben gerettet hatte, schon belohnt worden sei. In dem Moment kam Haman zum König und der bat ihn um Rat: „Was soll man dem Mann Gutes tun, den der König in besonderer Weise ehren will?“ Oho! Was für ein schöner Tag, dachte sich Haman! Er ging davon aus, dass er selbst gemeint war und schlug vor, was ihm selbst gefallen würde: Der Mann, den der König ehren würde, sollte ein Gewand des Königs tragen, auf einem Pferd des Königs reiten und von einem hohen Beamten über den Hauptplatz geführt werden, der dann ausruft: „So ehrt der König einen Mann, der sich besondere Verdienste erworben hat!“ Aber es kam anders als Haman es sich erträumt hatte. Mordechai war gemeint und Haman hatte die zweifelhafte Ehre, ausgerechnet das Objekt seines Hasses öffentlich auf dem Pferd durch die Stadt zu führen.

 

Weiterhin gab es aber immer noch den Befehl, die Juden zu vernichten. Esther erfuhr davon und musste reagieren. Aber sie saß jetzt in der Zwickmühle: Würde sie passiv bleiben, würde ihr jüdisches Volk vernichtet werden. Würde sie aktiv auf den König zugehen, riskierte sie ihr Leben, denn sie durfte nur nach Aufforderung vor ihren Mann treten. Vor diese schwerwiegende Entscheidung gestellt, bat sie alle Juden der Hauptstadt Susa drei Tage für sie zu fasten. Dann wurde sie aktiv, brachte ihr Leben in Gefahr und trat ungerufen vor Xerxes. Dieser war ihr gut gesonnen und hörte ihr zu. Esther lud den König, und Haman zum Essen ein. Zweimal. Und beim zweiten Mal erzählte sie ihrem Mann davon, wie es dazu kam, dass Haman diesen teuflischen Plan ausgeheckt hatte und dass er ihr Volk vernichten wollte. Der König war entsetzt und ließ daraufhin Haman hinrichten an genau dem Balken, den Haman für Mordechai hatte aufstellen lassen.

 

Eine Geschichte mit einem glücklichen Ende. Deshalb feiern die Juden bis heute ein großes Fest, um an die Verhinderung dieses ersten Holocaust zu denken. Das Purim-Fest.

 

Mach einer von ihnen fragt sie vielleicht schon: Und was hat Esthers Geschichte mit uns zu tun? Mit unserem Stille-Thema?

 

An der Geschichte von Esther können wir lernen, wie Gott auch im Schweigen reden kann. Und damit anders als wir uns das wünschen. Da war keine Schrift an der Wand, Gott sprach nicht aus einer Wolke heraus und er hat auch keinen Propheten zu Esther gesandt. Gott hat schlicht durch das Leben Esthers geredet. Und das sehr deutlich. Ihre Präsenz am Palast des Königs war Teil von Gottes gigantischer Rettungsaktion. Welch strategische Rolle Gott ihr dabei zugedacht hatte, das hat Esther selbst gar nicht begriffen. Das musste ihr erst jemand anderes sagen.

Mordechai ließ Ester folgende Antwort überbringen: »Glaub nicht, dass du als Einzige von allen Juden mit dem Leben davonkommst, weil du im königlichen Palast wohnst. … Und wer weiß, ob du nicht für eine Situation wie diese zur Königin wurdest?« (Est 4,13+14)

Dieser letzte Satz war der Schlüsselsatz für Esther. Tagelang hat er sie nicht losgelassen, ist in ihrem Kopf rotiert. Und dann hat es bei ihr „klick“ gemacht. „Ja, jetzt kapier ich: Mordechai hat Recht. Dafür also hat Gott mich zur persischen Königin werden lassen!“

 

Auch wir stehen oftmals vor Entscheidungen in unserem Leben und warten auf Antworten von Gott, die nicht zu kommen scheinen. Wir lesen in der Bibel, wir beten, wir fragen andere Menschen, aber all das bringt uns nicht weiter. Kennen sie das? Dann kann man leicht den Eindruck gewinnen: Ich verstehe Gott nicht mehr.

Interessant ist bei Esther: Gott bleibt auf für uns irritierende Weise gerade dann stumm, wenn alles nach seinem Plan läuft. Ich vermute, das ist der Fall, wenn er uns auf etwas vorbereitet, von dem wir noch gar keine Ahnung haben. Gott führt und „redet“ dann durch die äußeren Umstände.

 

Als Esther dann begriff, was Gott mit ihrem Leben tun möchte, da ist sie sofort aktiv geworden.

Darauf ließ Ester Mordechai antworten: »Geh, sammle alle Juden, die sich in Susa befinden, und fastet für mich. Drei Tage und Nächte sollt ihr nichts essen und trinken. Meine Dienerinnen und ich werden dasselbe tun. Nach dieser Vorbereitung werde ich dann, obwohl es gegen das Gesetz verstößt, zum König gehen. Wenn ich umkomme – dann komme ich um.« (Est 4,15+16)

 

Die Juden zogen sich nach Esters Aufforderung zurück in die Stille und begannen damit, zu fasten und zu beten. Sie brachten ihre Sorgen und Ängste vor Gott. Und sie müssen entsetzliche Angst gehabt haben. Immerhin sollten sie Opfer eines Massenmordes werden. Und Gott erhörte ihre Gebete. Auf seine Art. - Und auf seine Art reagiert Gott auch heute noch.

 

Matthias Schultz aus der Paulus Gemeinde in Bremen, zu der auch Klaus-Günter Pache gehört, der Mitautor unseres Stille-Andachtsbuches, der erzählt folgendes:

„Als ich vor zweieinhalb Jahren bei einem schweren Verkehrsunfall mit meiner Familie fast ausgelöscht wurde, war es entsetzlich still. Gefangen im Auto unter Wasser, um mich herum nichts als das bedrohliche Gluckern unentrinnbaren Wassers. Ich war wütend auf mich selbst, dass ich meine Familie zu diesem überflüssigen Ausflug überredet habe. Ich wollte alles rückgängig machen. Ich wollte auf mich schimpfen. Aber nicht einmal Schimpfen konnte ich. Da war keine Luft zum Schimpfen. Nur das gluckernde Wasser. Als ich meine Frau und die beiden Töchter aus dem Wrack gezogen habe, waren zwei von ihnen bereits ertrunken. Stille! Kein „Ich liebe Dich!“ mehr. Kein „Matthias, machst Du bitte den Abwasch?“ Nichts! Stille! Wasser in den Lungen. Gott hat auch nicht geredet. Stille. Aber nicht ohne Hoffnung. Nach verzweifelter Wiederbelebung kamen sie zurück ins Leben. Meine Geliebten. Und dann Tage des Bangens. Der zweite Tod durch Lungenentzündung wegen des Dreckwassers in ihren Lungen. Nach all dem? Das durfte jetzt nicht wahr sein! Erst jetzt hatte ich angefangen, Gott zu bestürmen. Und es war entsetzlich still. Kein Reden Gottes. Totales Trauma. Warten. Wenn die Stille bleibt, kommen die Grenzerfahrungen. Dann stellen wir unseren Gott in Frage. Oder vielleicht doch nicht? Meine Frau und Töchter haben überlebt. Hätte ich meinen Glauben an den Nagel hängen sollen, wenn ich mit meiner großen Tochter allein überlebt hätte, wie es die nackte Wahrheit zu sein schien? Niemals! Als mein Bruder binnen 24 Stunden nach unserem Unfall in der Türkei eingeflogen kam, waren das natürlich Fragen, die mich beschäftigt haben. Wissen sie, was er gesagt hat? Tobias sagte: „Gott hat uns keinen Rosengarten versprochen. Christen erleben Leid, Unfall, Krankheit und Tod genauso wie Menschen, die nicht mit Gott leben.“ Das saß! Und er hatte Recht! Ich war meinem Bruder unendlich dankbar für dieses Wort. Für mich war das der beste Trost, den ich kriegen konnte! Knallharte Wahrheit! Gott war still. Er hat nicht geredet. Das konnte und wollte ich respektieren. Weil ich meinen Gott respektiere und ehre.“ Soweit Matthias Schultz.

Fazit aus dieser unter die Haut gehenden Begebenheit: Wenn die Stille bleibt, ist Gott nicht weg. Er ist da. Und er hat einen Plan.

Esther hat verantwortungsvoll gehandelt, ohne einen spektakulären Auftrag Gottes. Als Königin von Persien hätte sich es sich gemütlich machen können im Königspalast und als unentdeckte Jüdin fröhlich bis ans Lebensende ihren Status genießen. Aber sie tat es nicht. Sie riskierte alles.

Ihre tiefe Beziehung zu Gott und die Liebe zu ihrem Volk waren auch ohne ausdrückliches Reden Gottes Anlass genug für Esther, aktiv zu werden und alles auf eine Karte zu setzen!

Ich wünsche uns, dass wir lernen, Gott rückhaltlos zu vertrauen. Ich wünsche uns, dass wir uns trauen aktiv zu werden, wenn Gottes Führung in unserem Leben sichtbar wird.

Und ich wünsche uns, dass wir Gott ehren, indem wir die stille Stille aushalten, bis sein Plan greift.

Ein halbes Jahr nachdem ich Christ wurde, erhielt ich die Diagnose Krebs. Was sollte das bitteschön? Keine Ahnung.

Tief getröstet hat mich damals ein Gedicht, das ich jetzt im Internet wiederfand und das ich euch allen mit auf den Weg geben möchte:

 

Erscheinen meines Gottes Wege

mir seltsam, rätselhaft und schwer

und gehen die Wünsche, die ich hege,

still unter in der Sorgen Meer;

will trüb und schwer der Tag verrinnen,

der mir nur Schmerz und Qual gebracht,

dann darf ich mich auf eins besinnen,

dass Gott nie einen Fehler macht.

 

Wenn über ungelöste Fragen

mein Herz verzweiflungsvoll erbebt;

an Gottes Liebe will verzagen,

weil sich der Unverstand erhebt:

Dann darf ich all mein müdes Sehnen

in Gottes Hände legen sacht

und leise sprechen unter Tränen,

dass Gott nie einen Fehler macht.


Drum still mein Herz und lass vergehen,

was irdisch und vergänglich heißt.

Im Lichte droben wirst du sehen,

dass gut die Wege, die er weist.

Und müsstest du dein Liebstes missen,

ja, ging es durch kalte, finstre Nacht:

Halt fest an diesem starken Wissen,

dass Gott nie einen Fehler macht.

Verfasser unbekannt

 

AMEN.

 

In Jesu Namen, Amen.

Wer kennt Lena Meyer-Landrut? Klar, alle kennen sie, unsere Eurovison Song Contest – Gewinnerin.

Kurze Nachfrage: Wer kannte sie schon zu Jahresbeginn? – Niemand. Vor ihrer Auswahl in der Raab-Show „Unser Star für Oslo“ war sie ein nobody. Ein Mensch wie du und ich, der nicht europaweit bekannt ist.

Wer möchte denn gerne auch einmal so auserwählt sein wie Lena Meyer-Landrut? – Danke.

 

Bei uns geht es heute um eine andere Frau, die noch viel berühmter ist als Lena. Und die auch niemand kannte, bevor sie erwählt wurde. Aber als sie erwählt wurde, hat sie vor lauter Dank ein Lied gesungen. Und das schauen wir uns mal an.

Maria singt: »Gelobt sei der Herr! Wie freue ich mich an Gott, meinem Retter! Er hat seiner unbedeutenden Magd Beachtung geschenkt, darum werden mich die Menschen in alle Ewigkeit glücklich preisen. Denn er, der Mächtige, ist heilig, und er hat Großes an mir getan. Seine Barmherzigkeit gilt von Generation zu Generation allen, die ihn ehren. Sein mächtiger Arm vollbringt Wunder! Wie er die Stolzen und Hochmütigen zerstreut! Er hat Fürsten vom Thron gestürzt und niedrig Stehende erhöht. Die Hungrigen hat er mit Gutem gesättigt und die Reichen mit leeren Händen fortgeschickt. Und nun hat er seinem Diener, Israel, geholfen! Er hat seine Verheißung nicht vergessen, barmherzig zu sein, wie er es unseren Vorfahren - Abraham und seinen Kindern - immer verheißen hat.« (Lk 1,46-55)

 

Ich entdecke, dass Maria drei richtig gute Gründe hat ihr Lied zu singen. Und diese Gründe können auch uns helfen, Gottes Größe in unserem Leben zu erspüren.


Erster Grund: Maria ist von Gott erwählt. – Und Gott erwählt auch mich.

Ein Engel überrascht Maria mit der Ankündigung, dass sie schwanger werden und Gottes Sohn gebären wird, den sie Jesus nennen soll. Und das obwohl sie mit keinem Mann geschlafen hat. Wie soll das angehen? Der Engel sagt: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Macht des Allerhöchsten wird dich überschatten. Deshalb wird das Kind, das du gebären wirst, heilig und Sohn Gottes genannt werden.“ Für Gott, der das gesamte Universum in seiner Hand hält ist nichts unmöglich. Dann folgt die Weihnachtsgeschichte, in der die schwangere Maria und ihr Verlobter Josef wegen der Volkszählung von Nazareth nach Bethlehem reisen. Und dort sind Josef und Maria bekanntlich auf Herbergssuche. Leicht genervt klopft Josef an der 12. Tür. Der Wirt öffnet und Josef fragt: „Habt ihr Quartier für mich und meine Frau?“ „Nein, alles ausgebucht!“ erwidert der Wirt. Josef lässt nicht locker: „Aber ihr seht doch. Meine Frau ist hochschwanger!“ Wirt: „Da kann ich doch nichts dafür!“ Josef: „Ich auch nicht!“

 

Versetzen wir uns kurz in die Lage von Maria: Nach dem Besuch des Engels zählt sie die Tage und plötzlich ist es soweit: Die Monatsblutung setzt aus. Sie ist tatsächlich schwanger geworden, und das nicht durch einen Mann, sondern durch Gott. Und dabei ist sie noch nicht mal 18.

Was mag Maria wohl gedacht haben? War sie sauer auf Gott, der ihr das Ganze eingebrockt hat? Oder brach sie sofort völlig unbedarft in Jubelgesang aus: „Ach ja, richtig, der Engel. Super! Wie schön, dass ich den Sohn Gottes unterm Herzen trage!“

 

Klar ist, dass Maria als unverheiratete Schwangere von allen Bekannten und Nachbarn verachtet und gemobbt werden würde. So etwas gehörte sich einfach nicht. Um dem Geläster zu entgehen floh Maria zu ihrer Verwandten Elisabeth und blieb dort drei Monate. Elisabeth war die einzige, die sagte: „Du bist etwas Besonderes, Maria!“

Dort in der Stille, mit großem Abstand zu den lästernden Stimmen, kommt Maria zur Ruhe. Und sie beginnt zu staunen über das Wunder Gottes, das sich an und in ihr vollzieht. Näher kann man Gott vermutlich nicht erleben. Und so antwortet sie auf die Begrüßung durch Elisabeth mit ihrem Lied:

Gott hat seiner unbedeutenden Magd Beachtung geschenkt, darum werden mich die Menschen in alle Ewigkeit glücklich preisen. Denn er, der Mächtige, ist heilig, und er hat Großes an mir getan. (Lk 1,48+49)

Gott hat Maria nobody auserwählt und sie spürt: Es gibt kein größeres Geschenk, als auserwählt zu sein.

Der christliche Autor John Ortberg zitiert in einem seiner Bücher die Geschichte von Mary Ann Bird. Darin sagt sie:

„Ich wuchs in dem Wissen auf, dass ich anders war, und ich hasste es. Ich wurde mit einer Hasenscharte (medizinisch korrekt: Kiefer-Lippen-Gaumenspalte) geboren, und als ich in die Schule kam, machten meine Klassenkameraden mir klar, wie ich auf andere wirkte: ein kleines Mädchen mit einer missgestalteten Lippe und einer entstellten Sprache. Ich war überzeugt, dass niemand außer meiner Familie mich lieben konnte. Im zweiten Schuljahr gab es jedoch eine Lehrerin, die wir alle liebten. Die kleine, rundliche und fröhliche Dame hieß Mrs. Leonard. Einmal im Jahr machten wir einen Hörtest, und schließlich war ich an der Reihe. Ich wusste aus dem vergangenen Jahr, dass die Lehrerin dabei am Pult saß, irgendetwas flüsterte, während wir an der Tür standen und uns ein Ohr zuhielten – Sätze wie: „Der Himmel ist blau“, oder: „Hast du neue Schuhe?“, die wir dann wiederholen mussten. Da stand ich dann und wartete auf die Worte, die ihr Gott in den Mund gelegt haben musste, jene sieben Worte, die mein Leben veränderten. Mrs. Leonard flüsterte: „Ich wünschte, du wärst meine kleine Tochter.“

Können sie sich vorstellen wie das Mary Ann Bird durch und durch gegangen ist? „Ich wünschte, du wärst meine kleine Tochter.“ Der Hammer oder?

 

Maria begreift: Ich bin auserwählt. Ausgerechnet ich! Und auserwählt sein bedeutet: Ich bin geliebt! Ich muss es mir nicht verdienen! Es passiert. Einfach so.

 

Auch wir, du und ich, wir dürfen, ja wir müssen das wissen: Gott hat dich erwählt und liebt dich mit einer atemberaubenden Liebe. Ihm war schon klar, was aus dir einmal wird, das hat ihn aber nicht davon abgehalten, dich zu erwählen. Und immer noch wirbt Gott um dich und lässt nicht locker bist du endlich „Ja“ sagst zu deiner Erwählung.

 

Ich denke, dass es allen so geht wie mir: Wenn ich auserwählt bin, empfinde ich mich als etwas Besonderes. Ich kann etwas tun, was kein anderer tun kann. Wenn man mich wählt, dann weiß ich, dass mich jemand haben will. Ich bin erwünscht. Man legt Wert darauf, dass ich dabei bin.

 

Ich vermute, viele von uns kennen das hoch unangenehme Gefühl, wenn man beim Sportunterricht auf der Bank sitzt und Mannschaften gewählt werden. In meiner Klasse gab es eine Reihe von sportlich sehr talentierten Mitschülern. Wenn wir Fußball spielen sollten, wurden immer von ihnen welche bestimmt, sich Mannschaften zu wählen. Und dann sitzt man da und die Bank um einen herum wird immer leerer und leerer bis man am Ende übrig bleibt. Und wenn es ganz hart kommt, sagt die Mannschaft, die mit Wählen gerade an der Reihe ist: „Ach, nehmt ihr ihn man.“ Das ist ganz schön bitter nicht ausgewählt zu werden.

Wie komplett anders ist hingegen das Gefühl beim Auswählen gleich als erster gewählt zu werden. „Ha, ich gehöre dazu. Ich darf mit im Team sein. Die anderen wollen mich.“ Das tut richtig gut.

 

Gott hat ein Auge auf uns geworfen. Er erwählt uns. Durch den Propheten Jesaja sagt Gott:


Hab keine Angst, ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du gehörst mir. (Jes 43,1)

 

Weil sie ihr Glück kaum fassen kann singt Maria ein Lied zur Ehre Gottes. Gelobt sei der Herr! Wie freue ich mich an Gott, meinem Retter! Der allmächtige Gott liebt sie und hat sie auserwählt.

 

Der zweite Grund für Maria ihr Lied zu singen kommt durchs Staunen.

Zweiter Grund: Maria staunt über Gottes Taten. – Auch ich darf staunen über das, was Gott in meinem Leben tut.

 

Wie lernen wir staunen? Wie kommen wir dazu „Boah“ zu sagen? Eine Antwort liegt vermutlich in der Frage: Worauf singen wir Loblieder? Was erfüllt uns mit Ehrfurcht? Wovor verbeugen wir uns?

 

Frage: Wer guckt heute Abend Deutschland gegen Australien?

Wenn Deutschland gewinnt, dann ist wieder Zeit für unser Loblied: „Eins und zwei und drei und vierundfünfzig, vierundsiebzig, neunzig, zweitausendzehn…“

Beim Fußball und gerade bei besonders spannenden Partien kommen viele Menschen ganz leicht ins Staunen, Jubeln und ehrfürchtige „Boah“-Rufen.

Im Alltag sieht das etwas anders aus. Staunen im Alltag bedeutet für uns hinschauen und achtsam sein, wo Gott wirkt. Gott entdecken im Gewusel der Arbeit oder der Schule. Und genau in diesem Alltag damit rechnen, dass Gott Unglaubliches geschehen lassen kann. Wie z.B. dass aus einem Chemiker der Pastor der Kirchengemeinde Großenaspe-Heidmühlen wird.

 

Maria erlebt ihre Schwangerschaft und später ihren Sohn Jesus, der so ganz anders war, auf der einen Seite als wunderbare Führung Gottes, auf der anderen Seite aber auch als sehr herausfordernd. Maria folgt ihrem Sohn nach Golgatha, unter das Kreuz, bis an sein Grab. Ihr bleibt nichts erspart. Aber in allem staunt Maria über Gottes Wirken. Und sie geht mit dem Gefühl von Gott erwählt und gesegnet zu sein durch alle Täler ihres Lebens. Gut, dass sie das Staunen gelernt hat.


 

Dritter Grund: Maria entdeckt Gottes Plan. – Auch ich kann diesen Plan entdecken.

Maria sieht nicht nur ihr eigenes Glück, sie hat einen Blick für die Not in der Welt.

Wenn wir in den nächsten Wochen viel nach Südafrika schauen, gibt es in diesem wunderschönen Land nicht nur das riesige Soccer-City-Stadion in Johannesburg oder das Moses-Mabidha-Stadium in Durban, wo es heute Abend für Deutschland losgeht. Sondern Südafrika hat auch eine Menge Armmut und Elend zu bieten.

 

Maria nennt die Not beim Namen. Es gibt ungerechte Machthaber, es gibt Hunger, es gibt Elend. In ihrem Jubel ist Maria nicht blind geworden für die Nöte um sie herum. „Hat denn solch eine Einsicht überhaupt Platz mitten in einem Lobgesang?“, mögen wir fragen. Ja, und da gehört sie in Gottes Sicht auch hin. Maria zeigt uns, dass beides zusammengehört: der Jubel und die realistische Einschätzung der ungerechten Verhältnisse in dieser Welt. Wer aus vollem Herzen Gott preist, der kommt an der Not der Welt nicht vorbei. Denn diese Not bewegt auch Gottes Herz. Maria drückt es so aus:

Sein mächtiger Arm vollbringt Wunder! Wie er die Stolzen und Hochmütigen zerstreut! Er hat Fürsten vom Thron gestürzt und niedrig Stehende erhöht. Die Hungrigen hat er mit Gutem gesättigt und die Reichen mit leeren Händen fortgeschickt. Und nun hat er seinem Diener, Israel, geholfen! (Lk 1,51-54)

 

Gott räumt auf. Seine Gerechtigkeit und seine Liebe treiben ihn an, sich für die Menschen einzusetzen, besonders für die Benachteiligten. Und Maria sieht voraus, was Gott tun wird. In uns, in dieser Welt und auch durch uns. Er ist dabei, Gerechtigkeit wiederherzustellen. Und seine Barmherzigkeit und seine väterliche Zuwendung gelten allen Menschen.

 

Wer besitzt einen Fernseher? Wer besitzt ein Handy? Wer einen Computer? - Danke.

Wer einen Fernseher, ein Handy und einen Computer besitzt, der gehört zu den wirklich reichen Menschen auf unserer Erde. Über diesen Reichtum dürfen wir uns freuen. „Wie die Jungfrau zum Kinde“, sagt der Volksmund und meint damit, dass jemand großes Glück gehabt oder unverdient etwas erlebt hat. Dazu gehört neben unserem Reichtum auch, dass wir nicht in Haiti geboren sind, mitten im Erdbebengebiet oder neben einem Vulkan. Beim näheren Hinsehen merken wir: So vieles ist Geschenk in meinem Leben. So vieles habe ich einfach bekommen wie die Jungfrau das Kind.

 

In der kommenden vierten Woche unseres Stille-Projektes soll es darum gehen, die Größe Gottes in der Stille zu erleben. Maria zeigt uns, wie das geht. In ihrem Lobgesang hat sie wunderschön ausgedrückt, was uns zu sagen oft schwerfällt: Dass Gott, der Schöpfer des Universums, jede und jeden von uns dazu erwählt, ihn ganz persönlich kennen zu lernen: Als seine Tochter oder seinen Sohn.

Dass wir staunen können über das, was Gott in unserem Leben bewirkt.

Und dass Gott einen Plan für diese Erde hat, der nicht nur uns einzelne, sondern alle Menschen betrifft.

 

Ja, wir dürfen uns mit Maria freuen an Gott und ihm zujubeln. Er hat seine Verheißung nicht vergessen, barmherzig zu sein, wie er es unseren Vorfahren - Abraham und seinen Kindern - immer verheißen hat. Das bedeutet: Es gilt bis in unsere Zeit. Auch heute und in dieser Woche können wir uns öffnen und Gottes Barmherzigkeit erleben. AMEN.

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In Jesu Namen, Amen.

Ein älteres Ehepaar streitet sich. Er meint, sie hört schlecht, aber sie meint, er hört schlecht. Er will ihr beweisen, wer recht hat, und in einem Test zeigen, dass sie dringend ein Hörgerät braucht. So bittet er sie, sich etwa zehn Meter entfernt hinzustellen. Dann dreht er ihr den Rücken zu und ruft ihr eine Rechenaufgabe zu: „Wie viel ist 4 x 30?“

Sie antwortet nicht. Er winkt ihr, damit sie einige Schritte näher auf ihn zukommt. Er stellt wieder die Aufgabe, und wieder bekommt er keine Antwort. Erneut winkt er sie näher. Mittlerweile steht sie schon sehr nah vor ihm. Er stellt die Frage und sie antwortet: „Jetzt habe ich schon dreimal 120 gesagt, aber du hörst ja nichts!“

Der gute Mann hält seine Frau für schwerhörig, aber in Wirklichkeit ist er es, der dringend ein Hörgerät braucht.

 

Ähnlich wie in diesem einfachen Beispiel kann es auch uns mit Gott gehen. Wir reden mit ihm, bekommen aber scheinbar keine Antwort und denken: Gott hört nicht. Tatsächlich aber liegt das Problem bei uns. Und ich glaube, es liegt daran, dass wir uns schwer damit tun, richtig hinzuhören. Den ganzen Tag hören wir Lärm und Geräusche, die uns ablenken und Gottes Reden zu uns überlagern.

 

Auf Gott hören – das muss man trainieren. Und ich habe die Erfahrung gemacht: Das geht weder von heute auf morgen noch auf übermorgen, sondern braucht etliche Jahre. Aber das Wunderbare ist: Gott er redet mit uns, immer wieder. Und auch in diesem Gottesdienst will er mit uns reden.

 

Um das Hören auf Gottes Stimme geht es auch in unserem Predigttext, der über diesem dritten Sonntag in den 40 Tagen steht:

In der Zwischenzeit diente der junge Samuel dem Herrn, indem er Eli half. Damals waren Botschaften vom Herrn selten und Visionen kamen nicht häufig vor. Eines Nachts hatte sich der inzwischen fast blinde Eli gerade an seinem Platz schlafen gelegt. Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen, und Samuel schlief im Heiligtum des Herrn, wo die Lade Gottes stand. Plötzlich rief der Herr: »Samuel!«»Hier bin ich!«, antwortete Samuel. Er sprang auf und lief zu Eli. »Hier bin ich. Du hast mich gerufen.«»Ich habe dich nicht gerufen«, antwortete Eli. »Leg dich wieder hin.« Und Samuel ging und legte sich wieder hin. Da rief der Herr noch einmal: »Samuel!«Wieder sprang Samuel auf und lief zu Eli. »Hier bin ich«, sagte er. »Du hast mich gerufen.«»Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn«, sagte Eli. »Leg dich wieder hin.« Samuel erkannte den Herrn noch nicht, denn er hatte noch nie eine Botschaft vom Herrn erhalten. Deshalb rief der Herr ihn ein drittes Mal, und wieder sprang Samuel auf und lief zu Eli. »Hier bin ich«, sagte er. »Du hast mich gerufen.«Da merkte Eli, dass es der Herr war, der den Jungen rief. Er sagte zu Samuel: »Geh und leg dich wieder hin, und wenn du wieder gerufen wirst, dann antworte: ›Sprich, Herr, dein Diener hört.‹« Also legte Samuel sich wieder an seinen Platz. Und der Herr trat zu ihm und rief wie zuvor: »Samuel! Samuel!«Samuel antwortete: »Sprich, dein Diener hört.« (1. Sam 3,1-10)

 

Samuel macht hier seine erste Erfahrung mit dem Reden Gottes. Und wir können aus dieser Begebenheit lernen, warum wir manchmal Gottes Stimme nicht hören. Wenn es um das Hören auf Gott geht, gibt es drei Ursachen, die es verhindern. Für uns heißt das: Kommen wir diesen Ursachen auf die Spur, können wir sie beheben und Gottes Reden wir deutlicher. Die erste Ursache:

1. Ursache: Wir hören Gott nicht, weil uns unsere Schuld von ihm trennt.

 

Die Geschichte von Samuels erster Begegnung mit Gott ist schnell erzählt, aber es ist hoch interessant, wie sie eingeleitet wird:

In der Zwischenzeit diente der junge Samuel dem Herrn, indem er Eli half. Damals waren Botschaften vom Herrn selten und Visionen kamen nicht häufig vor. (1. Sam 3,1)

 

Es war eine Zeit, in der Gott nicht mehr oft geredet hat. Eine vollmachtslose Zeit. Eine Zeit, in der auch der leitende Priester Eli nur noch von alter Geschichte lebte, aber nicht mehr vom aktuellen Reden Gottes. Können sie sich vorstellen, wie schrecklich es für eine Kirche ist, wenn nur noch alte Geschichten erzählt werden?

Ich traf mal den Leiter einer kleinen Gemeinschaft hier in Schleswig-Holstein. Und der erzählte, dass bei ihnen in den letzten 5-10 Jahren niemand neues mehr zum Glauben an Jesus gefunden hat. Ist das nicht traurig? Da kann man sich nur wehmütig an die guten alten Zeiten erinnern: „Weißt du noch, damals, als es normal war, dass Menschen zum Glauben an Jesus fanden! Und welch mutige Schritte die Gemeindeglieder gingen!“ – Es ist schrecklich, wenn Gott nicht mehr redet.

 

Gott spricht, aber nicht zu Eli, und schon gar nicht zu seinen Söhnen. Wenn die, die es eigentlich wissen sollten, nicht mehr richtig hinhören oder das Hören ganz verlernt haben, dann erwählt sich Gott andere Menschen.

Gott spricht zu Samuel, einem Teenager. Der macht so etwas wie ein Freiwilliges Soziales Jahr im Tempel – nur deutlich länger. Seine Eltern hatten ihm diesen Platz aus Dankbarkeit verschafft, weil er ihr Wunschkind war und seine Mutter Hanna mit ihm schwanger wurde, als niemand es mehr erwartet hatte. Samuel war ein besonderes Kind, ein von Gott erbetenes Kind. Von klein auf diente er Gott im Tempel und sollte später ein großer Prophet werden. Der Prophet und Priester Eli lehrte ihn alles über Gott.

Doch Samuel wurde in eine Zeit hineingeboren, in der es im Hause Gottes drunter und drüber ging. Die Söhne von Eli hörten nicht mehr auf ihren Vater und schon gar nicht auf Gott. Sie stahlen im Tempel das Opferfleisch, betrogen die Gläubigen und schliefen mit Frauen, die im Tempelbezirk arbeiteten. Kein Wunder also, dass Gott zornig wurde. Deshalb kündigt er dem Hause Eli das bevorstehende Gericht an. Und das wird zuerst daran deutlich, dass sie Gott nicht mehr hören können. Die unbereinigte Schuld von Elis Söhnen und auch Elis Schuld, weil er seine Söhne nicht zurechtgewiesen hat, diese Schuld unterbricht die Verbindung zu Gott.

 

Unbereinigte Schuld lässt auch in unserem Leben Gottes Stimme verstummen. Dann leben wir ohne Offenbarung und uns bleiben nur geistliche Konserven. „Weiß du noch, damals?“ Das macht die Nachfolge unendlich mühsam.

 

Eine weitere Ursache die uns hindert, Gottes Stimme zu hören, liegt hierin:

2. Ursache: Wir hören Gott nicht, weil wir seine Stimme nicht mehr oder noch nicht kennen.

 

Eli liegt noch wach in seinem Zimmer, Samuel ist schon eingeschlafen. Doch dann hört Samuel eine Stimme, die ihn aufschrecken lässt. Er denkt, Eli habe nach ihm gerufen, und rennt ihn das Zimmer des alten Mannes: „Hier bin ich! Du hast mich gerufen.“ Aber Eli sagt: „Ich habe dich nicht gerufen, leg dich wieder schlafen.“ Samuel legt sich wieder hin und wenig später hört er wieder die Stimme: „Samuel!“ Wieder springt er auf und rennt zu Eli. Wieder das Gleiche. Der Priester bestreitet, Samuel gerufen zu haben, und schickt ihn wieder ins Bett. Ein drittes Mal wiederholt sich das und Samuel weiß nicht, wer ihn da ruft. Er hört etwas, aber er kann das, was er hört, nicht zuordnen. In unserem Text steht:

Samuel erkannte den Herrn noch nicht, denn er hatte noch nie eine Botschaft vom Herrn erhalten. (1. Sam 3,7)

Hören will gelernt sein! Stille mit Gott, sein Wort lesen, darüber nachdenken, beten und dann hören – all das verlangt Übung, am besten tägliche Übung. Erst mit der Zeit bekommen wir ein feines Gespür für das Reden Gottes. Dann können wir besser unterscheiden, was er uns sagt, was andere uns sagen und was die Stimme unserer Gedanken uns sagt. Aber zugegeben: Auch mit jahrelanger Übung ist und bleibt das Heraushören von Gottes Stimme schwierig. Nicht zuletzt in unser turbulenten Zeit, die unsere Sinne so gefangen nimmt.

 

Wie können wir nun unter all den Stimmen, in all dem Lärm, Gottes Stimme ausmachen?

Sven lebt in Berlin Kreuzberg, arbeitet am Potsdamer Platz und fährt jeden Tag mit der U-Bahn dorthin. Eines Tages bekommt er Besuch von seinem Freund. Der lebt in einem kleinen Dorf in Mecklenburg-Vorpommern, direkt an der Müritz. Der Freund ist sichtlich beeindruckt von der großen Stadt und lässt sich in den gemeinsamen Tagen alles zeigen. Als die beiden auf dem Kurfürstendamm bummeln, hält der Freund plötzlich inne. „Hörst du das?“, fragt er Sven. Der strengt sich an, fragt aber irritiert zurück: „Was denn?“ „Na, die Amsel. Da zwitschert in all dem Lärm eine Amsel und niemand bemerkt es.“ Sven ist das ziemlich egal, aber sein Freund gibt keine Ruhe. Er fragt: „Hast du mal einen Euro für mich?“ Natürlich. Sein Freund nimmt den Euro und lässt ihn fallen. Sofort drehen sich drei Passanten um und suchen nach dem Geldstück. Sein Kommentar: „Was seid ihr für verrückte Leute. Den Gesang einer Amsel hört ihr nicht mehr, aber beim Klang eines Geldstücks seid ihr alle hellwach.“

Fazit für uns: Wir können schon die leisen Töne hören, sind aber auf bestimmte Geräusche geeicht.

Hören auf Gott hören will gelernt sein. In der Regel ist seine Stimme sehr leise, sehr zart und fordert unsere ganze Aufmerksamkeit. Das musste auch der Prophet Elia lernen. In einer ganz schwierigen Zeit seines Lebens redete Gott zu Elia auf folgende Weise:

Der Herr sprach zu Elia: »Geh hinaus und stell dich auf den Berg vor den Herrn, denn der Herr wird vorübergehen.« Zuerst kam ein heftiger Sturm, der die Berge teilte und die Felsen zerschlug, vor dem Herrn her. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm bebte die Erde, doch der Herr war nicht im Erdbeben. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer, doch der Herr war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer ertönte ein leises Säuseln. Als Elia es hörte, zog er seinen Mantel vors Gesicht, ging nach draußen und stellte sich in den Eingang der Höhle. Eine Stimme sprach: »Was tust du hier, Elia?« (1. Könige 19,11-13)

 

Gott redet nicht im Sturm, nicht im Erdbeben, er redet im ganz leisen Wehen des Windes. Gott redet zu uns in der Regel nicht spektakulär, nicht mit viel Getöse, sondern ganz sanft und deshalb so leicht zu überhören.

 

Aber es gibt noch eine dritte Ursache, die es uns schwer macht, auf Gott zu hören:

3. Ursache: Wir hören Gott nicht, weil wir nicht damit rechnen.

Bei Samuel war es ja nicht der Lärm, nicht die laute Umgebung. Im Gegenteil, bis auf Eli waren alle schon im Bett. Dennoch konnte er nicht einschätzen, wer da seinen Namen ruft. Als Samuel zum dritten Mal zu Eli kommt, wird der alte Mann endlich stutzig: Hier stimmt was nicht. Das bildet sich der Junge doch nicht ein. Eli merkt: Gott ruft den Jungen, und der hat keine Ahnung, weil er damit einfach nicht gerechnet hat. Also sagt er zu Samuel:

»Geh und leg dich wieder hin, und wenn du wieder gerufen wirst, dann antworte: ›Sprich, Herr, dein Diener hört.‹«

(1. Sam 3,9)

Samuel tut genau das und macht zum ersten Mal in seinem Leben die Erfahrung: Gott redet zu mir!

 

Wie ist das mit uns? Rechnen wir mit Gottes Reden in unserem Leben?

Unbenommen ist es eine wunderbare Sache, sich Urlaub zu nehmen und die Stille vor Gott in einem Schweigekloster oder in einem Einkehrzentrum wie dem Dünenhof zu suchen. Das sind wertvolle Zeiten in Gottes Gegenwart. Aber rechnen wir auch mit Gottes Reden in unserem Alltag? So selbstverständlich, wie wir mit einem guten Freund reden? David bekennt:

Herr, sei mir gnädig; denn ich rufe täglich zu dir. Erfreue die Seele deines Knechts; denn nach dir, Herr, verlangt mich. (Ps 86,3+4)

Auf Gott zu hören, ist nicht einer besonderen Zeit vorbehalten. Gott spricht auch im Alltag zu uns.

 

Wer kennt die Bücher oder die Filme mit Don Camillo und Peppone? – Danke.

Das besondere an dem Priester Don Camillo ist, dass er mit dem gekreuzigten Jesus in seiner Kirche redet wie mit einem Freund. Genau so, wie wir uns das auch wünschen würden.

Wie so ein Gespräch mit Gott im Alltag aussehen kann, dazu hören wir jetzt eine Geschichte aus diesem Buch

von Albrecht Gralle mit dem Titel „Ich bin es nur – Gott!“

 

Mit Gott im Gespräch zu sein wie dieser Mensch in der Bahn – das ist der Traum oder? In den letzten Jahren habe ich die Erfahrung gemacht, dass das kein Traum blieben muss, sondern real werden kann. In meiner Stillewoche am Jahresanfang, aber auch ab und an im Alltag erlebe ich mich mit Gott in einem meist kurzen Gespräch.

Vor ein paar Monaten hatte ich es gerade mal wieder eilig und wollte in Neumünster mehrere Dinge erledigen. Und ich wusste, dass das erste Geschäft, in das ich wollte, in wenigen Minuten schließen würde. Also bete ich auf der Autofahrt nach Neumünster: „Herr, ich möchte gerne dahin, dorthin und dann noch eine dritte Sache. Aber ich bin super knapp in der Zeit.“ Da hörte ich eine leise Stimme in meinen Gedanken sagen: „Relax. Komm runter vom Stresspotential. Es wird klappen.“ Und ich sagte: „Du hast gut reden. Wen ich jetzt noch einen Schnarcher vor mir habe oder wenn die Bahnschranke unten ist, denn war es das.“ „Es klappt schon. Entspann dich.“

Und was soll ich sagen: Eine Minute vor Ladenschluss kam ich an und habe alles bekommen, was ich haben wollte. Und die anschließenden Erledigungen passten sich nahtlos an, so dass ich nur noch „Danke“ sagen konnte.

 

Lassen sie uns alle zusammen in den 40 Tagen wie selbstverständlich damit rechnen, dass Gott zu uns redet, und unser Möglichstes dazu tun, um richtig hinzuhören.

 

Als Samuel beim vierten Mal antwortet: »Sprich, dein Diener hört!«, veränderte das sein Leben, nachhaltig! Genau das wünsche ich uns. AMEN.

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Predigt am 30.05.2010 in Großenaspe zum Stille-Projekt Teil 2: Gott in der Stille begegnen

 

Heute feiern wir den zweiten Gottesdienst in diesen besonderen Stille-Wochen, die uns helfen sollen, Gott zu begegnen. Und zwar mitten in unserem Alltag.

Das führt zu der ganz praktischen Frage: Wie sieht unser Alltag mit Gott aus? Konnten wir Gott in irgendeiner Weise erleben oder war er gefühlt eher weit weg? Wie war die letzte Woche?

Im November 2005 hab ich eine Woche erlebt, die hatte es wirklich in sich. Im Rahmen einer Fortbildung flog ich nach Schottland, wo ich sonst nicht so ohne weiteres hingekommen wäre. Zusammen mit anderen Teilnehmern bestieg ich an der schottischen Westküste eines der beiden Schlauchboote, in die ein dutzend Leute passten und die mit 400 PS dezent übermotorisiert waren. Mit diesen Speedbooten fuhren, besser flogen wir übers Wasser hin zur kleinen Insel Cumbrae. Die hat nur einen Ort mit 1200 Einwohnern, dazu aber die kleinste Kathedrale Europas:

An die Kathedrale angebaut ist ein ehemaliges Kloster, das jetzt als Seminarhaus der Schottischen Kirche dient. In dieser besonderen Unterkunft wurden wir einquartiert. Viele nette Christen aus anderen Gemeinden und Bundesländern habe ich dort kennengelernt. Das war eine tolle Bereicherung. Mit Frieder, einem Gemeinschaftsprediger aus Buzbach bei Frankfurt bin ich noch in losem Kontakt. Unser Thema auf der Fortbildung war das geistliche Leben eines Leiters. Dazu haben wir uns mit dem Abenteuer Alltag-Kurs von John Ortberg beschäftigt, den wir hier in der Gemeinde auch schon mal durchgeführt haben. Am Mittwochnachmittag in dieser Woche ging es um das Thema „Stille“ in Verbindung mit dem Hören auf Gott. Wir saßen dazu in der Kathedrale und meditierten, beteten den Psalm 23 Vers für Vers durch. Gerade als ich damit fertig war, hatte ich den Eindruck ganz leise Gottes Stimme zu hören. Was er sagte, dazu nachher mehr.

 

Ich erzähle das, weil diese Woche so voller besonderer Eindrücke war, dass ich heute noch davon zehre. Es war eine wirklich gute Woche! - Aber sie liegt eben schon ziemlich lange zurück. Und die meisten Wochen verlaufen ja im Vergleich dazu viel schlichter. Nicht selten überwiegt die alltägliche Routine, die schon mal nerven kann und doch getan werden muss.

Was zählt nun unterm Strich? Was hält uns auf der langen Strecke und begleitet uns auch in den normalen Wochen, sprich in Zeiten, die wir schnell wieder vergessen haben werden?

 

Vom Stille-Andachtsbuch her wird uns in dieser Woche ein Mann beschäftigen, der Gott auf der langen Strecke erlebt hat. Gott hat mit ihm wie mit einem Freund geredet und doch kannte dieser Mann auch abgrundtiefe Verzweiflung, Versagen, Zorn und Bitterkeit. Es ist niemand anderes als Mose. Einer der sogenannten Erzväter Israels, ein Patriarch des Alten Testaments. Das Besondere an ihm ist: Er hat einen posthumen, einen lange nach seinem Tode liegenden Auftritt im Neuen Testament. Und dieser Auftritt trägt dazu bei, dass drei Jünger von Jesus eine Lektion vermittelt bekommen, die auch für unseren Alltag mit Gott Wichtiges enthält.

Unser Predigttext steht in Matthäus 17, die Verse 1-8:

Sechs Tage später nahm Jesus Petrus und die beiden Brüder Jakobus und Johannes mit auf einen hohen Berg. Plötzlich veränderte sich sein Aussehen. Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleidung wurde strahlend weiß. Auf einmal erschienen Mose und Elia und begannen mit Jesus zu sprechen. Petrus rief aus: »Herr, wie wunderbar ist das! Wenn du willst, baue ich drei Hütten, eine für dich, eine für Mose und eine für Elia.« Doch noch während er das sagte, glitt eine helle Wolke über sie, aus der eine Stimme zu ihnen sprach: »Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich meine Freude habe. Hört auf ihn.« Die Jünger erschraken zu Tode und fielen mit dem Gesicht voran auf die Erde. Da trat Jesus zu ihnen und berührte sie. »Steht auf«, sagte er, »ihr braucht keine Angst zu haben«. Und als sie aufblickten, sahen sie niemand als Jesus allein. (Mt 17,1-8)

Versweise möchte ich diesen besonderen Text mit ihnen durchgehen.

Sechs Tage später nahm Jesus Petrus und die beiden Brüder Jakobus und Johannes mit auf einen hohen Berg. (Mt 17,1)

Nach sechs Tagen, also nach einer arbeitsreichen Woche, nach dem Einerlei des Alltags, gehen Petrus, Jakobus und Johannes mit dem Sohn Gottes auf einen hohen Berg! Davon haben sie doch geträumt! Mal ganz allein mit Jesus ohne die anderen neun. Das versprach doch ein echtes Highlight zu werden! Den drei Jüngern muss die Ähnlichkeit zur Bergbesteigung des Mose tausend Jahre zuvor aufgefallen sein.

Als ich in der Kathedrale saß, hatte ich den Eindruck, dass Gott zu mir sagte: „Geh an den Strand.“ Um rauszukriegen, ob ich mich gerade verhört habe oder nicht, dachte ich: „Ich mach das jetzt einfach. Bis zum Abendessen hab ich noch eine Stunde Zeit.“ Und als ich an diesem späten Novembernachmittag im Dämmerlicht der Uferpromenadebeleuchtung am Strand kurz vor der Wasserlinie stand, war es mir, als ob Gott wieder sprach: „Was hörst du?“ Ich schloss die Augen und hörte das, was man immer hört, wenn man an der See steht: Das immer wiederkehrende Anbranden der Wellen. Und in dem Moment schossen mir die Anfangsworte des Refrains von dem Lied „Every move I make“ durch den Kopf: Waves of grace and waves of mercy. Wellen der Gnade und Wellen der Barmherzigkeit. Daran schlossen sich die Gedanken an: So wie immer neue Wellen den Küstenverlauf ganzer Kontinente formen, so formen Wellen von Christen, die Gottes Gnade und Barmherzigkeit zu ihren Landsleuten bringen ganze Gesellschaften. Dieses Bild lässt mich bis heute nicht los. Und es gehört zum Umwerfensten, was ich mit Gott erlebt habe.

 

Die drei Jünger erlebten mit Jesus auf dem Berg eines ihrer größten Highlights.

Plötzlich veränderte sich sein Aussehen. Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleidung wurde strahlend weiß. Auf einmal erschienen Mose und Elia und begannen mit Jesus zu sprechen. (Mt 17,2-3)

Hier geschieht etwas Unglaubliches. Der Himmel berührt die Erde. Mose erscheint: Er verkörpert den Alten Bund mit Gottes guten Geboten. Wie kein anderer hat er Gottes Herrlichkeit erleben dürfen. Davon in den kommenden Tagen mehr – beim Lesen des Andachtsbuches.

Und Elia ist da. Er steht für die Propheten in Israel und ist zugleich ein Vorläufer des kommenden Messias. Die beiden sind längst in der Ewigkeit – und hier sprechen sie, losgelöst von Zeit und Raum, mit Jesus. Das alles bekommen die drei Jünger mit, die Jesus auf den Berg begleitet haben.

 

Ich weiß nicht, wie es ihnen geht: Ich wäre auch gerne dabei gewesen! Solch intensive Augenblicke in der Gegenwart Gottes will man am liebsten festhalten. So empfanden es auch die Jünger und deshalb kommt dieser etwas sonderlich anmutende Vorschlag – natürlich von Petrus:

Petrus rief aus: »Herr, wie wunderbar ist das! Wenn du willst, baue ich drei Hütten, eine für dich, eine für Mose und eine für Elia.« (Matthäus 17,4)

Diese Situation entbehrt nicht einer gewissen Komik und es ist so typisch, was Petrus hier einfällt. Er will den Augenblick unter allen Umständen festhalten. Petrus will die Situation konservieren. Für immer auf dem Berg bleiben. Bloß nicht wieder ins Tal zurück.

Ich denke viele von uns kennen das. Es ist das typische Freizeit- und Konferenzsyndrom. Die jungen Leute waren auf einer richtig schönen Norwegenfreizeit. Doch dann kommen sie nach Hause: Die Schule fängt wieder an, die Lehrstelle ruft und Mutter sagt: „Räum dein Zimmer auf.“ Einfach grässlich!

 

Oder wir sind vom Jugend, bzw. Leitungskongress zurück. Die Predigten gingen uns zu Herzen und der Lobpreis der 5000 Teilnehmer gab uns eine Ahnung vom Gesang der Cherubim und Seraphin im Himmel. Nie wieder weniger! Für ein solches Erlebnis fahre ich meilenweit! Am besten ein Wohnmobil kaufen und nur noch Kongresse besuchen!

Aber schon am nächsten Sonntag sitzen wir wieder in der eigenen Gemeinde. Die Musiker spielen ein wenig schief, dem Pastor fällt nichts Neues ein und irgend so ein Spinner hat uns unseren Parkplatz weggenommen. Das holt einen unglaublich ernüchternd in die Niederungen des Alltags zurück.

 

Petrus will deshalb auf dem Berg bleiben. Bloß nicht wieder ins Tal zurück. Aber an dieser Stelle mischt sich Gott persönlich ein:

Doch noch während er das sagte, glitt eine helle Wolke über sie, aus der eine Stimme zu ihnen sprach: »Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich meine Freude habe. Hört auf ihn.« (Mt 17,5)

Während Petrus noch so unbedarft redet und eben nicht bedenkt, welche Konsequenzen sein Verlangen hat, redet Gott! Und was sagt Gott zu uns, wenn wir mit unserer Sehnsucht nach seiner Nähe, nach Erfüllung mit dem Heiligen Geist, nach mehr Freude und Vollmacht zu ihm kommen? Er sagt: Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich meine Freude habe. Hört auf ihn.

 

Wenn wir über lange Zeit geistlich gesund wachsen wollen, dann gibt es nur einen Weg: Bei Jesus bleiben und bei seinem Wort! Natürlich schenkt uns Gott auch besondere Stunden, geistliche Highlights. Aber die werden immer das Besondere bleiben.

 

Die Bibel ist voll von besonderen Begegnungen, die Menschen mit Gott hatten. Aber das waren immer spezielle Augenblicke und nicht die Regel.

-   Wie oft hat Gott direkt zu Abraham gesprochen? Die paar Male kann man in seinen 120 Lebensjahren nachzählen!

-   Mose, so denken wir, ist da gut weg gekommen. Aber 40 Jahre sind lang und nur einmal kam er mit einem leuchtenden Gesicht vom Berg herunter.

-   Selbst Paulus, der große Apostel des Neuen Testaments, hatte lange Zeiten der Bewährung, Zeiten der Einsamkeit und der täglichen Mühsal zu bewältigen.

 

An Jesus sollen wir dranbleiben. Seine Nähe suchen und sein Wort lesen – das ist der Weg für uns.

 

Die Jünger erschraken zu Tode und fielen mit dem Gesicht voran auf die Erde als sie das hörten. Da trat Jesus zu ihnen und berührte sie. »Steht auf«, sagte er, »ihr braucht keine Angst zu haben«. (Mt 17,6+7)

 

Es gibt Augenblicke in unserem Leben als Kinder Gottes, da schlägt es ein. Da trifft uns Gottes Wort so stark, dass wir vor Gott auf die Knie gehen und nur noch sagen können: Herr, du hast recht! Wie sehr wünsche ich uns, dass uns so etwas passiert. Dass wir tief betroffen sind, weil Gott zu uns redet.

 

Als der allmächtige Gott redet, hört Petrus auf mit seinem Geplapper. Hätten sie die Hütten gebaut, wäre die Welt verlorengegangen, weil Jesus auf dem Berg geblieben wäre! Katastrophal! Gar nicht auszudenken!

Zu unserem Glück hat Jesus den Berg verlassen und ist ans Kreuz gegangen! Petrus, Jakobus und Johannes haben den Berg verlassen und sind zu Säulen der ersten Gemeinde geworden. Das genau ist auch unser Weg! Vom Berg der besonderen Gotteserfahrung geht es zurück ins Tal, in den Dienst, in den ganz normalen Alltag.

 

Aber auch im Alltag wünsche ich mir mehr von der Nähe Gottes jeden Tag: Heute, morgen und übermorgen. Wo finde ich diese Nähe? Werfen wir noch einen Blick den letzten Vers:

Und als sie aufblickten, sahen sie niemand als Jesus allein. (Mt 17,8)

Elia ist nicht mehr da. Mose hat den Ort verlassen und ist dahin zurückgekehrt, wo er hingehört. Nur Jesus ist noch da und steht vor den Jüngern. Und sie haben seine Worte im Ohr:

Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen. (Joh 7,38)

Ich bin gekommen, dass sie das Leben und volle Genüge haben.

Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende. Ich will dem Dürstenden aus der Quelle des Wassers des Lebens geben umsonst. (Offb 21,6)

Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Mt 28,20)

 

Glauben Sie, dass Jesus genügt?

Was brauche ich, wenn die bewegende Konferenz vorbei ist?

Was brauche ich, wenn die Ferien zu Ende gehen?

Was brauche ich am Morgen einer neuen Woche?

Was brauche ich, wenn für mich gebetet wurde und ich gesund geworden bin und sich die Routine wieder einstellt?

Was brauche ich, wenn ich nicht gesund geworden bin?

Was brauche ich, um als Christ ein Segen für andere zu sein?

JESUS! Jesus allein genügt!

 

Johannes bringt das auf den Punkt:

Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht. (1. Joh 5,12)

 

Ein Mann wanderte nach Australien aus und machte dort Karriere. Er wurde richtig reich und investierte sein Geld zu einem großen Teil in teure Gemälde. Eigentlich sollte sein Sohn seine Nachfolge übernehmen, aber der kam in jungen Jahren auf tragische Weise ums Leben. Als der Mann starb, sollte seine Gemäldesammlung versteigert werden. Kunstkenner aus der ganzen Welt kamen zur Auktion nach Sydney. Unter den Bildern gab es ein Porträt des Sohnes von einem wenig bekannten Künstler. Das wurde als erstes aufgerufen, aber niemand zeigte großes Interesse daran. Schließlich erbarmte sich ein Nachbar des Mannes und gab ein Gebot für das Porträt ab. Schließlich hatte er den Sohn noch gekannt und erwarb so günstig eine Erinnerung an ihn. Kaum hatte er den Zuschlag erhalten, brach der Auktionator die Auktion ab. Auf die empörten Proteste der angereisten Kunstliebhaber antwortete er: „Meine Damen und Herren, es tut mir leid, aber so ist es im Testament festgelegt. Wer den Sohn nimmt, bekommt alles.“

 

Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.

 

Wir werden in dieser Woche immer wieder der Frage nachgehen: Wo kann Gott in meinen Alltag hineinsprechen? Wo erkenne ich ihn? Wo kommt er vor?

 

Mose und Elia treten zur Seite, Jesus bleibt. Und als sie aufblickten, sahen sie niemand als Jesus allein.

Was kann ich Ihnen Besseres wünschen als diese Erfahrung:

Begegnen Sie ihm, Jesus allein.

AMEN.

 

Predigt am 23.05.2010 zu Pfingsten zum Stille-Projekt Teil 1: Die Stille entdecken


Kennen sie diese Sehnsucht nach Stille? (Bezug zum Theaterstück) Wer viel um die Ohren hat, der kennt sie und wünscht sich von Herzen: Ich will doch nur ein bisschen Stille!

Es gibt aber auch andere unter uns. Die Alleinstehenden ohne Partner, ohne Kinder und manchmal auch schon im Ruhestand. Denen ist es eher zu still in ihrem Leben. Vor lauter Stille haben sie Angst, dass ihnen die Decke auf den Kopf fallen könnte. Sie wünschen sich nichts sehnlicher als rauszukommen aus der Stille, rein in den Trubel unter Menschen.

Wir merken: Mit der Stille ist das so eine Sache. Viele sehnen sich nach ihr. Etliche stehen ihr skeptisch gegenüber oder fürchten sie sogar.

 

Wenn wir uns im Stille Projekt jetzt sechs Wochen lang mit der Stille beschäftigen, geht es in erster Linie nicht darum, dass wir Stille als erholsamen Ausgleich zum anstrengenden Alltag suchen. Für die Erholung ist Stille ohne Frage sehr wertvoll. Wir haben uns im Jahr der Stille für dieses Stille Projekt entschieden, weil wir die Stille vor Gott suchen wollen.

 

Warum? Weil wir einen redenden Gott haben, der die Beziehung zu uns will. Der uns nahekommen will. Der nicht Teil eines religiösen Systems aus Vorschriften und Überzeugungen ist, sondern ein naher Vater, der sich nach gelebter Beziehung zu seinen Kindern sehnt. Dass das für jeden von uns gilt, sagt mir der alte Satz, den ich immer wieder erlebt habe:

Als ich still wurde, da sprach Gott zu mir. Und ich entdeckte, dass er schon lange geredet hatte - aber ich war viel zu laut und beschäftigt, um ihn zu hören.

 

Wenn wir Gott begegnen wollen, seine Stimme hören wollen, dann brauchen wir die Stille. Und deshalb soll unser heutiger Auftaktgottesdienst uns Mut machen, die Stille für uns selbst zu entdecken.

 

Stell dir einmal vor, du würdest gerne eine Stimme hören, kannst es aber nicht. Du würdest auch gerne reden, aber es geht nicht. Es gibt Menschen, die damit leben müssen und die ganz und gar darauf angewiesen sind, dass andere Menschen ihnen den Zugang zur Außenwelt vermitteln. Taubstumme Menschen. Stell dir vor, du hörst niemals den Gesang eines Vogels, niemals ein Orgelkonzert von Bach, niemals das Rauschen des Meeres, den gemeinsamen Lobpreis. Stell dir vor, du kannst nichts sagen, nicht singen, nicht einfach mal laut rufen oder leise flüstern. Taubstumm. Einem solchen Menschen begegnet Jesus.

 

Und sie brachten zu Jesus einen, der taub und stumm war, und baten ihn, dass er die Hand auf ihn lege. Und er nahm ihn aus der Menge beiseite und legte ihm die Finger in die Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel und sah auf zum Himmel und seufzte und sprach zu ihm: Hefata!, das heißt: Tu dich auf! Und sogleich taten sich seine Ohren auf und die Fessel seiner Zunge löste sich, und er redete richtig. Und er gebot ihnen, sie sollten es niemandem sagen. Je mehr er es aber verbot, desto mehr breiteten sie es aus. Und sie wunderten sich über die Maßen und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend. (Mk 7,32-37)

 

Drei Dinge, drei Schritte fallen mir auf in dieser Begegnung von Jesus mit dem taubstummen Mann:

 

1. Jesus nimmt den Mann aus der Menge heraus.

Das klingt so selbstverständlich – ist es aber nicht. Auf Schritt und Tritt wurde Jesus damals von vielen Menschen begleitet. Etliche konnten ihn nur von Weitem sehen, wurden von den Menschen einfach weggestoßen oder abgewiesen.

Wie sollten die, die Jesus wirklich brauchten, zu ihm kommen? Der Zollbeamte Zachäus beispielsweise wusste sich keinen anderen Rat, als auf einen Baum zu steigen, um Jesus zu sehen. Ein Kranker wurde durch ein aufgebrochenes Dach von seinen Freunden an Seilen heruntergelassen, damit Jesus ihn sehen und mit ihm reden konnte.

 

Jesus hatte immer einen Blick für die Menschen, die ihn wirklich brauchten. Auch im größten Gedränge. Und so gilt seine ganze Aufmerksamkeit diesem Einen, dem taubstummen Mann. Er will mit ihm allein sein, nimmt sich für ihn Zeit und ist interessiert an einer ganz persönlichen Beziehung.

 

Wir sind eben keine Nobodys für ihn sind. Jesus achtet uns und begegnet uns mit Wertschätzung. Das macht Gott schon durch den Propheten Jesaja deutlich. Er sagt:

 

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! (Jes 43,1)

 

Jesus nimmt sich Zeit für den Mann, der nicht hören und nicht reden konnte. Wie haben die beiden überhaupt miteinander geredet? Der Mann ist ja stumm, er kann nicht reden. Und er ist taub, d.h. nicht in der Lage, die Worte von Jesus zu hören, geschweige denn, zu verstehen. Doch er ist bereit für die Begegnung mit Jesus. Ganz allein steht er vor Jesus und begegnet ihm in seiner Stille.

 

Ende Januar 1992 besuchte ich an einem Wochenende meinen Bruder in Kiel. Der nahm mich am Sonntag mit den Gottesdienst der Jakobi-West Gemeinde, jetzt Apostel-Gemeinde. Ich hatte keine besonderen Erwartungen an den Gottesdienst als mich während der Predigt ganz überraschend das traf, was Pastor Ahrens über Jesus sagte. Was das in Einzelnen war, weiß ich nicht mehr. Aber die Worte berührten mich so tief, dass mir die Tränen übers Gesicht liefen. Da redete nicht bloß Wilfried Ahrens zu mir, da sprach Jesus selbst. Seine Worte drangen mir vom Ohr direkt ins Herz. Was zur Folge hatte, dass ich mein Herz, ja mein Ganzes Leben für die Begegnung mit Jesus öffnete. Und das wiederum zog nach sich, dass ich mich einige Zeit später entschloss Pastor zu werden.

 

So ist Jesus. So begegnet er auch dem taubstummen Mann. In diesem Augenblick hat er keinen Blick für die Menge, keine Zeit für die vielen Leute. In diesem Augenblick hat er nur Zeit für den einen Mann, der nichts nötiger braucht als ihn.

Und damit sind wir beim zweiten Schritt:

 

2. Jesus berührt den Mann.

Reden kann er nicht mit ihm. Der Mann versteht kein Wort. Aber berühren kann er ihn. Jesus berührt seine Ohren und seine Zunge.

Wahrscheinlich haben schon sein Leben lang Leute an ihm herumgezogen. Kinder sind hinter ihm hergelaufen und haben sich über ihn lustig gemacht. Fuhrleute haben ihn weggestoßen, wenn er sie nicht kommen hörte, Handwerker ihn beschimpft, weil er im Weg stand.

 

Die Berührung durch Jesus ist ganz anders. Sie ist liebevoll und erinnert ein wenig an das Behandeln durch einen Arzt. Jesus zeigt mit dieser Berührung: Ich weiß, was dein Problem ist. Ich kenne deine wunden Punkte, ich weiß, wo du Heilung brauchst. Und schließlich betet Jesus. Innerlich ergriffen seufzt er und sagt: „Hefata!" Das ist Hebräisch und bedeutet: Öffne dich. Es ist ein Befehl, wie ihn nur Jesus aussprechen kann. Denn hier handelt Gott selbst.

 

Und es geschieht das, was die Freunde des Taubstummen sich so sehr erhofft haben. Die Ohren tun sich auf. Was muss das für ein unbeschreibliches Gefühl gewesen sein, als er plötzlich hören konnte? Und sein Mund tat sich auf. Kein unverständliches Lallen mehr. Worte formten sich, er konnte reden. Wir wissen ja, dass beides zusammengehört. Wer nie richtig gehört hat, hat auch oft Schwierigkeiten beim Sprechen.

 

Für uns ist diese Geschichte so interessant, weil der Heilige Geist uns hier etwas sehr Wesentliches deutlich machen will. Wenn es um Gottes Reden geht, wenn es darum geht zu schmecken und zu sehen, wie freundlich der Herr ist, dann sind wir von Natur aus taub, blind und stumm.

- Wie ist es anders zu erklären, dass Menschen über einen herrlichen Sonnenuntergang staunen und den Schöpfer dabei vergessen?

- Wie ist es anders zu erklären, dass wir dankbar erfahren wie unser Herz ein Leben lang schlägt, aber den Schöpfer darüber vergessen?

- Wie ist es anders zu erklären, dass eine enorme Sehnsucht uns ein Leben lang vorwärtstreibt und doch wollen wir den nicht kennenlernen, der alle Sehnsucht stillt?

 

Wenn Jesus uns begegnet, uns berührt und unsere Ohren öffnet, müssen wir lernen zu hören, was er uns sagen will. Und dafür können wir nicht so einfach beschließen: Jetzt will ich mal Gottes Reden hören! Den ersten Schritt dazu muss Gott tun, und er hat ihn auch schon getan. Er selbst ist bereit sich finden zu lassen. Durch den Propheten Jeremia sagt Gott:

 

Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR.

(Jer 29,13+14)

 

In unseren Glaubenskursen oder auf Freizeiten passiert es immer wieder, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene sich von ganzem Herzen auf die Suche nach Gott begeben und er sich finden lässt. Und dann können sie davon erzählen, wie Jesus ihnen begegnet ist und sein heilendes Handeln ihnen die Ohren und das Herz geöffnet hat. Genau auf diese Weise wird seit der Geburtsstunde der Kirche zu Pfingsten Gemeinde gebaut. So funktioniert das Wunder der Gemeinde Jesu.

 

Wenn wir sein Wort gehört haben, wenn unsere Ohren und Herzen geöffnet sind, dann folgt ein dritter Schritt:

 

3. Wir können reden.

In unserem Text heißt es von dem Taubstummen, den Jesus heilte: Und sogleich taten sich seine Ohren auf und die Fessel seiner Zunge löste sich, und er redete richtig.

Auf Gott hören und mit Gott reden. Das macht unsere Beziehung zu ihm aus.

Das meinen wir, wenn wir in diesen Wochen immer wieder von der STILLE reden. Nicht eine trostlose, leere Stille! Nicht die bloße Abwesenheit von Lärm, die dann umso bedrohlicher wirkt, weil unser armes Herz nur noch lauter schlägt. Nein Stille meint: Auf Gott hören und mit Gott reden.

 

Was ändert sich an unserem Reden, wenn Jesus in unser Leben kommt? Dann können wir mit Nachdruck und Vollmacht davon reden, was er an uns getan hat und was er auch für andere tun möchte.

 

Anfang der 90er Jahre leitete mein Bruder einen Gebetskreis unter Theologiestudenten in Kiel. Und ab und zu luden sie Referenten zu bestimmten Themen ein. Besonders eindrucksvoll war für ihn wie für die anderen Studenten der Besuch der Theologieprofessorin Eta Linnemann. Sie hatte einen Lehrstuhl für Neues Testament an der Universität in Marburg. An ihr wird deutlich, wie nachhaltig sich unser Leben verändert, wenn wir es Gott anvertrauen.

 

Am 13. Februar 1978 schrieb sie an die Studenten ihrer Fakultät folgende Mitteilung: Ich habe Jesus Christus als meinen lebendigen Herrn erfahren, der für meine Sünde am Kreuz gestorben ist und auferweckt ist und dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden. Und ich erfahre durch den Heiligen Geist und die Zeugnisse der Schwestern und Brüder die ganze Bibel als Gottes lebendiges Wort, das heute geschieht. Ich habe erkannt, dass ich in meinem Leben ein blinder Blindenleiter gewesen bin. Und ich erachte alles, was ich bisher gelehrt und geschrieben habe, als einen Dreck. Ich kann nicht länger versuchen, das Wort der Schrift mit meinem Denken zu kontrollieren, sondern nur noch darum bitten, dass Gottes Wort durch den Heiligen Geist mein Denken verwandelt.

 

Das ist schon ein ziemlicher Hammer oder, wenn eine Theologieprofessorin Jesus kennen lernt und damit Christ wird? Diese Jesusbegegnung hat ihr Hören, Reden und Schreiben grundlegend verändert.

 

Wir haben 40 besondere Tage vor uns. Tage, die hoffentlich unvergesslich bleiben, weil wir mit Jesus geredet und auf ihn gehört haben. Tage, die uns helfen, in Zukunft besser hinzuhören und fröhlicher mit und von ihm zu reden. Und ich schlage vor, dass wir damit gleich anfangen.

 

Unser Hintergrundbild, das die Sehnsucht nach mehr so inspiriert, können wir uns noch mal intensiv anschauen. Und dabei hören auf das, was Jesus uns sagen will. Oder mit ihm reden über das, was wir uns sehnlich wünschen. Dafür nehmen wir uns ein paar Minuten Zeit - ohne dass uns währenddessen jemand zum Essen an den Tisch ruft (wie im Theaterstück). AMEN.

Predigt am 21.02.2010 in Großenaspe über -Die Heilsgeschichte- , Teil 3: Gottes neuer Bund – das Gesetz

 

In Jesu Namen, Amen.

Meine Frage an alle: Wozu brauchen wir eigentlich Gesetze?

è vielen Dank

 

Ulrich Parzany, Pastor und Haupt-Evangelist bei Pro-Christ, hat einmal gesagt:

 

                            Folie 1: Hochwasserbild mit Zitat Parzany

 

Gebote und Gesetze sind Gottes „Sandsackaktion“ gegen die Flut der Sünde. (Ulrich Parzany)

Ich finde das ein sehr treffendes Bild. Seit wir Menschen uns durch Adam und Eva aus der Beziehung mit Gott losgelöst haben, leben wir nach unseren eigenen Gesetzen. Auf die Welt als ganze gesehen, hat das nicht dazu geführt, dass alle dieselben Gesetze haben. Im Gegenteil: Was die einen Menschen für gut halten, geht anderen gegen den Strich. Amerikaner und Europäer möchten gerne demokratische Strukturen in Afghanistan einführen. Den Taliban schmeckt das überhaupt nicht. Unterm Strich führt das dazu, dass unsere Welt eine Mischwelt ist aus Gutem und Bösem, aus Heilem und aus Unheil. Aus der Trennung von Gott, der Sünde (von Sund), entspringen unsere sündigen Taten, die soviel Unheil anrichten. Und wie man zum groben Eindämmen einer Flut Sandsäcke verwendet, so lassen sich auch Gebote und Gesetze als Wall aus Sandsäcken gegen die Flut der Sünde verstehen. Sie halten uns Menschen so in Schach, dass nicht alles, aber immerhin das Schlimmste verhindert werden kann.

Wir Deutschen leben in einem modernen Rechtsstaat, in dem Gesetze eine hohe Bedeutung haben.

 

Frage an alle: Welche Vorteile bietet uns unser Rechtsstaat?

 

è Im Konfliktfall, wenn mich jemand verklagt, habe ich einen Anspruch auf ein gerichtliches Verfahren. Ich werde nicht gleich verhaftet und ins Gefängnis gesperrt. Sondern ich habe Anspruch auf einen Verteidiger, der meine Interessen vertritt. Das ist ein enorm hohes Gut.

 

Zum Rechtsstaat gibt es zwei Alternativen: Den Staat ohne Rechtssicherheit für seine Bürger. In ihm herrscht Anarchie. Jeder macht sich seine eigenen Gesetze. Im Bürgerkriegsland Somalia am Horn von Afrika können wir das beobachten: Das Land wird von Milizen mit ihren Warlords beherrscht, die ihren privaten Gesetzen folgen und sich gegenseitig bekämpfen.

Der andere Kontrast zum Rechtsstaat ist der Unrechtsstaat, wie wir ihn aus Diktaturen kennen. Wo schon kleine Vergehen mit drakonischen Strafen geahndet und Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Wir Deutschen kennen das aus dem Dritten Reich, wo sich auch Widerstand gegen das Unrecht regte.

Habe ich es recht in Erinnerung: Frau von Bodelschwingh, sie hatten doch Verwandte, die im Widerstand waren?

 

Unser bundesrepublikanischer Rechtsstaat hat als Basis das Grundgesetz. Einige der 19 sogenannten Grundrechteartikel möchte ich mir mit ihnen zusammen anschauen und auf ihre Herkunft her durchleuchten.

 

                            Folie 2: Artikel des Grundgesetzes

GG-Artikel 1, Abs. 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

... basiert auf …

Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. (1. Mose 1,31)

 

GG-Artikel 2, Abs. 2: Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.

... basiert auf …

Du sollst nicht töten. (2. Mose 20,13)

 

GG-Artikel 6, Abs. 1: Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.

... basiert auf …

Ehre deinen Vater und deine Mutter. Dann wirst du lange in dem Land leben, das der Herr, dein Gott, dir geben wird. (2. Mose 20,12)

 

Artikel 14, Abs. 1: Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet.

... basiert auf …

Du sollst nicht stehlen. … Du sollst den Besitz deines Nächsten nicht begehren: Weder sein Haus, seine Frau, seinen Sklaven, seine Sklavin, sein Rind, seinen Esel oder sonst etwas, das deinem Nächsten gehört. (2. Mose 20,15+17)

 

Bis in die Grundlagen unseres Grundgesetzes hinein wirken jene 10 Gebote, die Gott einst dem Volk Israel gab. Und damit sind wir beim heutigen Thema. Letzten Sonntag sahen wir, dass Gottes Heilsgeschichte eine Beziehungsgeschichte ist. Mit der Vertrauensbeziehung zwischen Gott und Abraham fing es an. Im weiteren Verlauf dieser Heilsgeschichte dehnt Gott seine Beziehung zu einzelnen Menschen auf ein ganzes Volk aus. Gott beauftragt Mose das durch die Nachfahren Abrahams aufgrund einer Hungersnot nach Ägypten umgesiedelte Volk der Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei herauszuführen.

 

                            Folie 3: Teilung des Meeres

 

Nachdem erfolgreichen Durchqueren des Schilfmeeres geht es für das Volk Israel in die Wüste zum Berg Sinai:

 

                            Folie 4: 2. Mose 19,1-6

 

Etwa zwei Monate, nachdem sie Ägypten verlassen hatten, erreichten die Israeliten die Wüste Sinai. Sie hatten Refidim verlassen, waren in die Wüste Sinai gekommen und schlugen dort am Fuß des Berges Sinai ihr Lager auf. Mose bestieg den Berg, um vor Gott zu treten. Der Herr rief ihm vom Berg aus zu: »Richte den Nachkommen Jakobs, den Israeliten, Folgendes aus: ›Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern angetan habe. Ich habe euch sicher hierher zu mir gebracht, so wie ein Adler seine Jungen auf seinen Flügeln trägt. Wenn ihr mir nun gehorcht und den Bund haltet, den ich mit euch schließen werde, sollt ihr vor allen anderen Völkern der Erde mein besonderes Eigentum sein, denn die ganze Erde gehört mir. Ihr sollt mir ein Königreich von Priestern, ein heiliges Volk sein.‹ Richte den Israeliten diese Worte aus.« (2. Mose 19,1-6)

 

Wie Gott einst einen Bund, d.h. einen Vertrag, mit Abraham schloss, so schließt er jetzt einen Bund mit dem Volk Israel. Und dieser Bund hat als Grundlage das Gesetz, das mit den 10 Geboten beginnt. Und gleich am Anfang steht das Gebot, das für die meisten Menschen am schwersten einzuhalten ist:

Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat. Du sollst außer mir keine anderen Götter haben. (1. Mose 20,2+3)

Mit anderen Worten: Gott möchte die uneingeschränkte Nummer 1 in unserem Leben sein. Ihm diese Priorität im privaten Leben einzuräumen, das fällt vielen bis heute schwer. Im Anschluss an die 10 Gebote folgen dann noch hunderte von weiteren Vorschriften, die wir im 2.- 5. Buch Mose nachlesen können. Darunter auch revolutionäre Vorschriften, die verhindern sollen, dass Arme immer ärmer und Reiche immer reicher werden. Ganz brandaktuelle Thematik. Im 5. Buch Mose heißt es:

 

                            Folie 5: 5. Mose 15,1+2

 

Am Ende jedes siebten Jahres sollen alle Schulden erlassen werden. Das soll folgendermaßen geschehen: Jeder, der einem anderen Israeliten Geld geliehen hat, soll ihm dann die Schulden erlassen. Er darf von ihm keine Rückzahlungen mehr fordern, weil ein Schuldenerlass zu Ehren des Herrn ausgerufen wurde. (5. Mose 15,1+2)

Stellen sie sich einmal vor in Deutschland würde solch ein Gesetz eingeführt werden. Alle 7 Jahre werden sämtliche Schulden erlassen. Welch ein Aufschrei würde durch die Bankenlandschaft gehen. Das wäre geradezu revolutionär!

 

Gott hat seinen Bund mit den Israeliten als einen Bund fürs Leben gedacht.

Wer hat alles schon einen Bund fürs Leben geschlossen? Danke

Die Verheirateten wissen: Vor Gott und der Gemeinde einen Bund einzugehen, das ist die vertragliche und damit eher nüchterne Seite der Ehe. Zum Bund fürs Leben gehört aber genauso die emotionale Seite: Das „wir lieben uns“.

 

Diese gefühlsmäßige Seite gibt es auch beim Bund fürs Leben zwischen Gott und den Israeliten. Für sie waren Gottes Gesetze viel mehr als bloße Vorschriften. Mit welcher Hingabe, welchem Verlangen, welcher Wertschätzung, ja, man könnte sagen, mit welcher Liebe sie den Geboten und Gesetzen begegneten, das scheint uns in manch einem Psalm entgegen.

 

Kleine Bibelkundefrage: Welcher von den 150 Psalmen zwischen Psalm 50 und 150 hat mehr Verse als seine Zählnummer? e genau: Psalm 119. Er hat 176 Verse

 

Psalm 119, der mit Abstand längste Psalm, hat ein großes Thema und das ist Gottes Gesetz. Einige Verse sollten wir uns anschauen:

 

                            Folie 6: Verse aus Psalm 119

 

Glücklich sind die Menschen, die ihr Leben aufrichtig leben, die das Gesetz des Herrn befolgen. Glücklich sind die, die sich an seine Weisungen halten und ihn von ganzem Herzen suchen. (Psalm 119,1+2)

Ich habe dein Wort in meinem Herzen bewahrt, damit ich nicht gegen dich sündige. (Psalm 119,11)

Die ganze Zeit sehne ich mich von ganzem Herzen nach deinen Gesetzen. (Psalm 119,20)

Schenk mir Einsicht, und ich will deinem Gesetz gehorchen, ich will es von ganzem Herzen halten. Hilf mir nach deinen Geboten zu leben, denn das erfüllt mich mit Freude. Lass mich deine Weisungen lieben und mach mich frei von Habgier! Wende meine Augen von nutzlosen Dingen ab, lass mich durch dein Wort leben. (Psalm 119,34-37)

Dein Wort ist eine Leuchte für meinen Fuß und ein Licht auf meinem Weg. (Psalm 119,105)

 

Dem Psalm spüren wir es ab: Gottes Gesetz ist hier eine echte Herzensangelegenheit. Es berührt Herz und Verstand. So wie es bei einem Bund fürs Leben, in einer guten Beziehung, sein soll.

 

Bleibt für uns die Frage: Wie halten wir es mit Gottes Gesetz, speziell mit den 10 Geboten? Sind sie auch für uns eine Herzensangelegenheit?

Als Jesus einmal gefragt wurde, welches Gebot das wichtigste im Gesetz von Mose ist, da antwortete er: - Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben, von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken! Das ist das erste und wichtigste Gebot. Ein weiteres ist genauso wichtig: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.- (Mt 22,36-39)

 

Wie können wir nun unsere Liebe zu Gott ausdrücken? Z.B. darin, dass wir seine Gebote befolgen. Jesus sagt:

 

                            Folie 7: Joh 14,15+21

 

Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. … Wer meine Gebote kennt und sie befolgt, der liebt mich. Und weil er mich liebt, wird mein Vater ihn lieben und ich werde ihn lieben. (Joh 14,15+21)

 

Gottes Heilsgeschichte ist eine Beziehungsgeschichte, die sich in einer Segenslinie von Abraham über Mose und Jesus bis zu uns zieht. Und wenn schon diese geistlichen Vorbilder ihre Liebe zu Gott durchs Befolgen der Gebote ausgedrückt haben, dann sollten wir an ihnen Maß nehmen und es ihnen gleichtun. AMEN.

 

 

Nächsten Sonntag geht es im 4. Teil darum, dass das Halten der Gebote nicht immer einfach ist. Das Volk Israel hat das in schwere Turbulenzen gebracht.

Es geht um Gottes Volk in der Achterbahn.

 

 

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Predigt am 28.02.2010 über „Die Heilsgeschichte“, Teil 4: Gottes Volk in der Achterbahn

 

In Jesu Namen, Amen.

Mal ganz ehrlich: Wem fällt es leicht, sich an Vorschriften zu halten?

 

Wir Menschen sind diesbezüglich ja ganz unterschiedlich gestrickt: Den Gewissenhaften unter uns fällt es leicht, sich an vorgegebene Regeln zu halten. Wer eher unkonventionell veranlagt ist, der empfindet Gebote nicht automatisch als hilfreich, sondern eher als einengend. Sie beschneiden die Freiheiten. Als Deutsche gelten wir im Vergleich mit anderen Völkern als ordnungsliebend. Wir mögen Regeln und Gebote. Davon berichtete kürzlich Anna, die mit Julien auf der Logos Hope von OM war. Sie hat ja jetzt ihr Einsatzgebiet gewechselt und bevor sie nach Montenegro gegangen ist, war sie noch mal hier zu Hause. Und an einem Sonntag auch im Gottesdienst. Beim Kirchkäffchen kam ich mit ihr ins Gespräch und sie erzählte von dem Zusammenleben an Bord. Sie teilte ihre Kajüte mit drei anderen Nationalitäten und stellte dabei fest, wie deutsch sie doch sei. Auch nicht so sehr ordnungsliebende Deutsche fallen im Vergleich mit anderen Nationalitäten immer noch durch ihre Vorliebe fürs Ordentliche auf. Ein Blick in die gemeinsame Kajüte zeigte das jeden Tag aufs Neue.

 

Letzten Sonntag ging es in unserer Predigtreihe zu Gottes Heilsgeschichte um den Bund, den Gott mit dem Volk Israel geschlossen hatte. Die Basis für diesen Bund, diesen Vertrag bildete das Gesetz, wie wir es in den Mosebüchern finden. Und wir haben auch gesehen, mit welch enormer Wertschätzung die Israeliten dem Gesetz begegneten. Ja, wie sehr das Gesetz für sie eine Herzensangelegenheit war. Nach dem Gottesdienst sagte Silvia, die in der Justizvollzugsanstalt Neumünster arbeitet, zu mir: „Wenn alle Menschen das Gesetz so positiv sehen und sich entsprechend danach richten würden, dann wäre mein Job überflüssig.“ Damit trifft sie den Nagel auf den Punkt.

 

Schön wäre es ja, alle würden sich an die Gesetze halten. Die Realität sieht aber ganz anders aus. Der Knast in Neumünster ist die meiste Zeit gut belegt. Will sagen: Es gibt viele Menschen, denen es deutlich schwer fällt, sich an die Gesetze zu halten. Und den Israeliten vor 3000 Jahren ging es schon nicht anders. Das möchte ich einmal näher unter die Lupe nehmen.

 

Damit wir Menschen motiviert sind, uns an Gesetze zu halten, müssen wir wissen, welche Vorteile wir von ihnen haben. Bei uns in Deutschland ist es so: Halten wir uns an die Gesetze, so klappt das menschliche Miteinader. Ich hau keinem die Rübe ein und mir tut auch keiner was zu Leide. Das ist ein echter Vorteil. Übertrete ich das Gesetz muss ich mit entsprechender Strafe rechnen. Das soll mich abschrecken, die Gesetze zu übertreten.

Silvia hat Maren und mich am Tag der offenen Tür durch die JVA geführt und ich habe die Bilder immer noch vor Augen. Sollte jeder mal machen. Der Knast ist so abschreckend, da geht niemand aus freien Stücken rein - es sei denn er arbeitet da.

 

Gott hat seine Israeliten – wie ich finde – noch stärker motiviert, sich an die Gesetze zu halten. Er hat ihnen die Vorteile noch deutlicher gemacht, aber auch die Konsequenzen fürs Übertreten. Gott hat seinem Volk nämlich Segen und Fluch fürs Halten der Gesetze aufgezeigt. Zuerst zum Segen:

Wenn ihr dem Herrn, eurem Gott, gehorcht, werdet ihr folgendermaßen gesegnet werden: Ihr werdet gesegnet werden in euren Städten und ihr werdet gesegnet werden auf dem Land. Ihr werdet gesegnet werden mit vielen Kindern, reichen Ernten und zahlreichen Jungtieren bei euren Schaf-, Ziegen- und Rinderherden. Ihr werdet gesegnet sein mit Erntekörben, die von Früchten überquellen, und mit Backtrögen, die bis oben mit Brot gefüllt sind. Ihr werdet gesegnet sein, wenn ihr nach Hause kommt, und ihr werdet gesegnet sein, wenn ihr fortgeht. Der Herr wird euch den Sieg über eure Feinde schenken, wenn sie euch angreifen. (5.Mose 28,2-7)

 

Solch enormer Segen liegt auf dem Halten der Gesetze. Im Gegenzug macht Gott deutlich, welche Auswirkungen den Israeliten blühen, wenn sie sich nicht an die Gesetze halten:

Wenn ihr jedoch dem Herrn, eurem Gott, nicht gehorcht und seine Gebote und Vorschriften, die ich euch heute gebe, nicht gewissenhaft befolgt, werden euch die folgenden Flüche treffen: Ihr werdet verflucht sein in den Städten und ihr werdet verflucht sein auf dem Land. Ihr werdet gestraft sein mit leeren Erntekörben und leeren Backtrögen. Ihr werdet gestraft sein mit wenig Kindern, schlechten Ernten und wenig Jungtieren bei euren Schaf-, Ziegen- und Rinderherden. Ihr werdet verflucht sein, wenn ihr nach Hause kommt, und ihr werdet verflucht sein, wenn ihr fortgeht. Der Herr selbst wird Flüche, Verwirrung und Bedrohung über euch bringen bei allem, was ihr tut, bis ihr schließlich bald zugrunde gegangen und vernichtet seid, weil ihr Unrecht getan und mich verlassen habt. (5.Mose 28,15-20)

 

Die drei letzten Worte machen es deutlich: Im Gegensatz zu unserem deutschen Gesetz geht es im Gesetz des Moses an erster Stelle um die Beziehung zu Gott. Wir erinnern uns an das erste Gebot: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat. Du sollst außer mir keine anderen Götter haben. (1. Mose 20,2+3)

Gerade mit diesem Gebot hatten die Israeliten die größten Schwierigkeiten. Obwohl sie wussten, wie segensreich es ist, dies Gebot zu halten und welche negativen Folgen das Übertreten des Gebots mit sich bringt, haben sie es nicht gepackt. Im Buch Richter wird dies ganz deutlich:

Die Israeliten taten Böses in den Augen des Herrn. Sie vergaßen den Herrn, ihren Gott, und dienten den Baalen und Ascheren (fremde Gottheiten). Da wurde der Herr zornig auf Israel, und er gab das Volk in die Hände von Kuschan-Rischatajim, dem König von Aram. Acht Jahre lang waren die Israeliten dem Kuschan-Rischatajim unterworfen. Doch als die Israeliten zum Herrn um Hilfe schrien, schickte der Herr ihnen einen Mann, der das Volk retten sollte. Sein Name war Otniël, und er war der Sohn von Kalebs jüngerem Bruder Kenas. Der Geist des Herrn kam über ihn und er wurde Richter in Israel. Otniël zog in den Kampf und der Herr schenkte ihm den Sieg über Kuschan-Rischatajim, den König von Aram. Danach herrschte 40 Jahre lang Frieden im Land. Dann starb Otniël, der Sohn von Kenas. (Ri 3,7-11)

 

Und wenn wir weiter lesen, dann beginnt das Spiel von Neuem: Die Israeliten weichen wieder von Gott ab, laufen anderen Göttern nach, erleben den Fluch, der darauf liegt, bis sie wiederum Gott um Hilfe anrufen und er ihnen einen neuen Richter schickt, der Gott wieder an erste Stelle setzt, so dass für ein paar Jahrzehnte Frieden im Land herrscht. Damit beginnt für das Volk Israel eine Geschichte wie in einer Achterbahn:

In der Zeit von Mose und seinem Nachfolger Josua hielt sich Israel gut an Gottes Gesetz. Aber die weitere Zeit durchs ganze Alte Testament hindurch, angefangen mit dem Buch der Richter, ist eine große Achterbahnfahrt: Mit Hoch-Zeiten, in denen das Volk dem Gesetz folgte und Gott anbetete und tiefen Tal-Zeiten, in denen sich das Volk von Gott abwandte und fremde Götter verehrte.

 

Unterm Strich erkennen wir: Das Gesetz schafft es nicht, dass Menschen sich automatisch daran halten. Selbst die Motivation durch Segen und Fluch kann die Menschen nicht dazu bringen, das Gesetz auf Dauer zu halten. Zu stark scheint die Verführung zu sein, die von fremden Göttern ausgeht.

Das klingt alles so fremd und ist auch schon so lange her. Hat das noch was mit uns zu tun? Hat es. Denn es noch nicht allzu lange her, dass auch wir Deutschen der Verführung durch fremde Götter erlegen sind. Die Älteren unter uns können sich noch gut daran erinnern. Martin Luther sagt: „Dein Gott ist, woran dein Herz hängt.“

Mit den Nationalsozialisten unter der Führung von Adolf Hitler eroberte die braune Rassen-Ideologie um Führer, Volk und Vaterland die Herzen vieler Deutscher. Die nationalsozialistische Ideologie wurde binnen weniger Jahre zum Gott. Und sie zog in die Kirchen ein. Christen, die begeistert waren von den nationalsozialistischen Idealen, wollten eine Kombination schaffen aus Christentum und Nationalsozialismus. Diese sogenannten Deutschen Christen waren drauf und dran, das Alte Testament wegzulassen und wichtige Glaubensgrundsätze wie die Rechtfertigung des Sünders und den stellvertretenden Tod Jesu Christi für uns Menschen aufzugeben. An die Stelle von Taufe, Konfirmation, Trauung und Beerdigung sollten nationalsozialistische „Lebensfeiern“ treten und Weihnachten durch ein „Julfest“ ersetzt werden. Krass oder?

 

Wie weit diese Ideen verbreitet waren, zeigte sich darin, dass auch hier im Dorf z.B. die Taufen deutlich zurückgingen. Im Oktober 2007 habe ich unseren Dorfachivar getauft mit Ende 60. Er erzählte mir, dass in seinem Geburtsjahr 1938 viele Eltern ihre Kinder nicht mehr taufen ließen.

Die weiteren Pläne der Nationalsozialisten sahen sogar noch vor, das Christentum ganz auszulöschen, weil es ja jüdische Wurzeln hat und beide Religionen denselben Gott anbeten. Gott sei’s gedankt, dass er es hat nicht soweit kommen lassen!

 

Schwierigkeiten mit dem Gesetz gibt es nicht nur auf der nationalen, sondern auch auf der persönlichen Ebene. Einzelne, die sich mit dem Gesetz schwer tun, landen bei Silvia im Knast. Das hatten wir schon. Aber wie steht es mit uns wohlanständigen Bürgern? Was zeigt der Griff an unsere eigene Nase?

 

Frage an die Konfis? Wie heißt die Person, die bis zum Mittwoch höchster Repräsentant der evangelischen Christen in unserem Land war? Danke

Wir haben es alle gesehen oder gelesen: Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland ist mit anderthalb Promille bei Rot über die Ampel gefahren und erwischt worden. Und anschließend sagte sie: „Ich bin über mich selbst erschrocken, dass ich einen so schlimmen Fehler gemacht habe und bedaure das zutiefst. Mir ist bewusst, wie gefährlich und unverantwortlich Alkohol am Steuer ist.“ Obwohl sie es gewusst hat, hat sie es trotzdem getan.

 

Das führt uns zu der interessanten Frage: Wie kommt es, dass jemand etwas Verbotenes tut, obwohl er oder sie es eigentlich besser weiß?

Kennt ihr, kennen sie so etwas? Lasst uns mal kurz drüber nachdenken. (30 sec Pause).

Ich vermute, dass viele von uns aus eigener Erfahrung etwas dazu sagen könnten.

Mir passiert es ab zu mal, dass ich vor dem Fernseher versacke, obwohl ich es nicht will. Ich gucke mir am Montagabend das Heute Journal an und danach wäre eigentlich die Zeit zum Zubettgehen, zumal ja noch die ganze Arbeitswoche vor mir liegt. Aber anstatt nach den Nachrichten die Glotze auszuschalten, guck ich noch mal kurz beim ZDF-Montagskino rein. „Hey, das ist ja ein interessanter Film. Kenn ich noch gar nicht. Ein paar Minuten kann ich noch gucken.“ Und schon ist’s passiert. Der Film nimmt mich gefangen und weil ich wissen muss, wie er ausgeht, bleib ich bis Mitternacht vorm Fernseher hängen. Beim Zubettgehen ärgere ich mich dann: „Warum hab ich nicht die Kurve gekriegt? So spannend war der Film nun auch wieder nicht. Jetzt gibt’s wieder zu wenig Schlaf. Da wird das Aufstehen hart. Was bin ich doch für ein Idiot!“

 

Kommt jemand das bekannt vor?

In brillanter Weise hat Paulus analysiert, was in uns vorgeht, wenn wir wider besseres Wissen Dinge tun, die wir nicht tun sollten. In der Lesung haben wir es schon gehört. Zum Vertiefen gibt es jetzt den Text noch einmal. Paulus schreibt:

Ich begreife mich selbst nicht, denn ich möchte von ganzem Herzen tun, was gut ist, und tue es doch nicht. Stattdessen tue ich das, was ich eigentlich hasse. Ich weiß, dass mein Handeln falsch ist, und gebe damit zu, dass das Gesetz gut ist. Aber ich kann mir selbst nicht helfen, weil die Sünde in mir mich zum Bösen verleitet. Ich weiß, dass ich durch und durch verdorben bin, soweit es meine menschliche Natur betrifft. Denn immer wieder nehme ich mir das Gute vor, aber es gelingt mir nicht, es zu verwirklichen. Wenn ich Gutes tun will, tue ich es nicht. Und wenn ich versuche, das Böse zu vermeiden, tue ich es doch. Aber wenn ich tue, was ich nicht will, dann tue nicht ich es, sondern die Sünde in mir. Es ist anscheinend wie ein inneres Gesetz in meinem Leben, dass ich, wenn ich das Gute will, unweigerlich das Böse tue. Ich liebe Gottes Gesetz von ganzem Herzen. Doch in mir wirkt ein anderes Gesetz, das gegen meine Vernunft kämpft. Dieses Gesetz gewinnt die Oberhand und macht mich zum Sklaven der Sünde, die immer noch in mir ist. Was bin ich doch für ein elender Mensch! Wer wird mich von diesem Leben befreien, das von der Sünde beherrscht wird? Gott sei Dank: Jesus Christus, unser Herr! (Röm 7,15-25)

 

Paulus bringt das Problem aller Gesetze auf den Punkt: Gesetze geben uns eine gute Anleitung wie wir leben können. Dafür sind sie gut. Aber sie können uns nicht verändern. Und vor allem können sie nicht diese hartnäckige Macht in uns brechen, die uns immer wieder verleitet, das Böse zu tun: Die Macht der Sünde. Deshalb fragt Paulus: Was bin ich doch für ein elender Mensch! Wer wird mich von diesem Leben befreien, das von der Sünde beherrscht wird? Und gleich darauf gibt er die Antwort: Jesus Christus, unser Herr!

 

Erst mit Jesus Christus schafft Gott die ultimative Lösung: Die Lösung wie die Macht der Sünde in unserem Leben gebrochen wird. Und wie wir allein durch den Glauben an Jesus in Gottes Augen in Ordnung sind, auch ohne dass wir das ganze Gesetz von vorn bis hinten halten. Aber damit sind wir schon beim Thema des nächsten Sonntages. AMEN.

xyz

 

Predigt am 14.02.2010 in Großenaspe über „Die Heilsgeschichte“, Teil 2: Abraham – der Glaubenspionier

In Jesu Namen, Amen.

- Wer von ihnen ist schon einmal mit einem Flugzeug geflogen?

- Wer hat es noch nicht und möchte gerne mal fliegen?

- Und wer ist so mutig zu sagen, dass er sich nicht traut zu fliegen?

 
Womit hängt das mulmige Gefühl oder die Angst vorm Fliegen zusammen?

 
Ich nehmen an, dass alle schon mal bei jemandem im Auto mitgefahren sind. In dem Moment, wo wir ins Auto steigen, fangen wir an zu vertrauen. Ich vertraue dem Fahrer oder Fahrerin, dass sie mich heil von A nach B bringen. Ihr Fahrschüler macht das jeden Tag. Täglich vertraut ihr euch den Fahrkünsten eurer Busfahrer an. Und wenn ich ein Flugzeug besteige, vertraue ich Leib und Leben dem Piloten an und der Crew, die das Flugzeug wartet.

Wir wissen alle, was es bedeutet, jemandem zu vertrauen. Und vertrauenswürdigen Autofahrern, Busfahrern und Piloten vertrauen wir sogar unser Leben an.

Ohne Vertrauen könnten wir gar nicht leben und auch für unseren Glauben ist das Vertrauen entscheidend.


In seinem Buch „Abenteuer Alltag“ erwähnt John Ortberg folgende interessante Begebenheit:

Tony Campolo erzählt von einem Gespräch mit seiner Frau Peggy. Diese hatte nach der Geburt ihres zweiten Kindes beschlossen, „nur noch“ Hausfrau zu sein. Etwas überheblich wurde sie in einem Gespräch von jemanden gefragt: „Und was machen sie so beruflich?“ Darauf antwortete sie: „Ich führe zwei Homo sapiens in die vorherrschenden Werte der jüdisch-christlichen Tradition ein mit der Absicht, dass sie zu Instrumenten für die Verwandlung der Gesellschaft in die Art von Utopia werden, die Gott von Anfang der Schöpfung an geplant hat.“ (aus „Abenteuer Alltag“ von John Ortberg)

 

Starke Antwort oder? Einfacher ausgedrückt könnte Peggy auch sagen: „Ich erziehe meine beiden Kinder in der jüdisch-christlichen Tradition mit der Absicht, dass sie ihr Vertrauen auf Gott setzen. Und dass sie aus diesem Vertrauen heraus mit Gottes Hilfe die Gesellschaft so zum Positiven verändern wie Gott es schon lange geplant hat.

 

Im christlich geprägten Abendland leben auch wir in der jüdisch-christlichen Tradition. Und eine Besonderheit des Judentums wie auch des Christentums ist das Vertrauen auf einen Gott, den wir nicht sehen können. Viele andere Religionen haben Abbildungen, Statuen oder Skulpturen von ihren Gottheiten. Denken sie an die Griechen bei denen z.B. der Götterbote Hermes mit Flügeln am Helm dargestellt wurde. Dieses Flügelsymbol finden wir heute noch beim gleichnamigen Paketdienst. Wenn sie chinesisch essen gehen, stehen die Chancen gut, dass sie im Restaurant auf eine Buddhastatue treffen. Als Begründer des Buddhismus ist Buddha zwar offiziell kein Gott wird aber offensichtlich als ein solcher verehrt. Unser Gott, der Gott des Alten und Neuen Testaments, ist unsichtbar. Und er möchte ausdrücklich, dass wir uns von ihm weder ein Bild noch eine Skulptur anfertigen.

 

Mitten in unserer Welt, die wir erleben als eine Mischung aus Gelingendem und Unvollkommenem, aus Gutem und Bösem, aus Heilem und aus Unheil, wächst unsere Sehnsucht nach dem Vollkommenen. Im Tiefsten unseres Herzens verabscheuen wir diese Mischung. Wir sehnen uns nach dem Vollkommenen, nach dem, was ausschließlich heil und nicht auch noch kaputt ist. Und wir haben eine Ahnung, dass es das geben muss.

Mitten in dieser Mischwelt beginnt Gott seine Heilsgeschichte. Hineinverwoben in die Weltgeschichte, wie ich sie letzten Sonntag skizziert habe. Aus Liebe zu seinen Geschöpfen, die sich von ihm losgesagt haben, beginnt Gott seine Heilsgeschichte, setzt er sein Heil gegen alles Unheil dieser Welt.


Und Gott beginnt seine Geschichte mit einem einzelnen Menschen. Wie schon in der Schöpfung mit Adam und wie er es immer noch tut. Gott sieht auch heute jeden von uns ganz individuell an, wenn er uns einlädt Teil seiner Heilsgeschichte zu werden.

Gott beginnt seine Heilsgeschichte mit Abraham. Er ist der Stammvater des Volkes Israels und auch von uns Christen. Er steht am Anfang der Geschichte, die Gott mit Juden und Christen schreibt. Ja, mit Abraham beginnt eine unglaubliche Segenslinie, die sich von ihm bis zu uns durchzieht. Im ersten Buch Mose lesen wir wie Gott Abraham herausfordert und welcher Segen damit verbunden ist:


Da befahl der Herr Abraham: »Verlass deine Heimat, deine Verwandten und die Familie deines Vaters und geh in das Land, das ich dir zeigen werde! Von dir wird ein großes Volk abstammen. Ich will dich segnen und du sollst in der ganzen Welt bekannt sein. Ich will dich zum Segen für andere machen. Wer dich segnet, den werde ich auch segnen. Wer dich verflucht, den werde ich auch verfluchen. Alle Völker der Erde werden durch dich gesegnet werden.« … Abraham war 75 Jahre alt, als er Haran verließ.

(1. Mose 12,1-4)


Weil Abrahams Vertrauen auf den unsichtbaren Gott, der sich lange nicht meldete, langsam aber sicher in den Keller ging, erneuerte Gott seine Zusage:

Danach sprach der Herr in einer Vision zu Abraham: »Hab keine Angst, Abraham, denn ich will dich beschützen und dich reich belohnen.« Doch Abraham entgegnete: »O allmächtiger Herr, was wirst du mir geben, wenn ich kinderlos bin? Da du mir keine Kinder geschenkt hast, wird mich mein Verwalter Eliëser von Damaskus beerben.« Da sprach der Herr zu ihm: »Nein, dein Verwalter wird dich nicht beerben. Du wirst einen Sohn bekommen, der dein Erbe sein wird.« Der Herr führte Abraham nach draußen und sprach zu ihm: »Schau hinauf zum Himmel. Kannst du etwa die Sterne zählen?« Dann versprach er ihm: »So zahlreich werden deine Nachkommen sein!« Und Abraham glaubte dem Herrn und der Herr erklärte ihn wegen seines Glaubens für gerecht. (1. Mose 15,1-6)

 

Weil Abraham Gott vertraute, rechnete Gott ihm das so hoch an, dass er vor ihm bestehen konnte. Gott sagt: Vertraue mir, glaube an mich – das ist das Größte, das ich mir von dir wünsche! Genau mit diesem festen Vertrauen, das Gott sich von uns Menschen wünscht, genau damit ist Abraham das große Glaubensvorbild. Genau darum stellt Paulus den römischen Christen Abraham als Glaubensvorbild hin. Und genau deshalb ist er auch für uns ein Vorbild im Vertrauen.

 

Übrigens: Letzten Sonntag hatte ich gesagt, dass es zu uns Menschen gehört, dass wir versucht werden können. Nicht nur durch die zarteste Versuchung seit es Schokolade gibt, sondern auf vielen Gebieten. Wissen sie wie die Schwägerin von Abraham heißt? Milka (1. Mose 11,29)

Gott schreibt seine Heilsgeschichte mit Menschen, die ihm vertrauen. Wie er Abraham herausfordert, ihm zu vertrauen, so fordert er auch uns heraus. – Aber: Auf einen Gott zu vertrauen, den ich weder sehen noch anfassen kann, das ist für uns moderne Menschen schon eine echte Herausforderung.

Der wichtigste deutsche Dichter der Aufklärung Gotthold Ephraim Lessing erlebt, wie seine Vernunft mit dem Glauben ringt. Er sieht sich auf der einen Seite eines Grabens, der ihn von Gott auf der anderen Seite trennt und sagt:

Das, das ist der garstige breite Graben, über den ich nicht kommen kann, sooft und ernstlich ich auch den Sprung versucht habe. Kann mir jemand hinüberhelfen, der tu es; ich bitte ihn, ich beschwöre ihn. Er verdienet einen Gotteslohn an mir. (Gotthold Ephraim Lessing 1729-1781)

Weil das Vertrauen auf Gott das zentrale Element für unseren Glauben ist, das uns hilft den „garstigen Graben“ zu überbrücken, möchte ich mit ihnen noch tiefer in das Geheimnis vom Vertrauen einsteigen.


 Jemandem zu vertrauen ist immer ein Risiko. Ähnlich wie beim Fallschirmspringen.

Drei Männer sitzen in einem Flugzeug: der Pilot, ein Pfadfinder und der klügste Mann der Welt. Der Motor versagt, das Flugzeug gerät ins Trudeln, und es gibt nur zwei Fallschirme an Bord. Der kluge Mann schnappt sich einen davon. „Tut mir wirklich leid“, sagt er, „aber ich bin der klügste Mann der Welt. Ich muss an das Wohl dieses Planeten denken.“ Mit diesen Worten springt er aus dem Flugzeug. Der Pilot wendet sich an den Pfadfinderjungen und spricht davon, dass er ein langes, erfülltes Leben gehabt und dass der Junge das ganze Leben noch vor sich habe. Er fordert den Jungen auf, den letzten Fallschirm zu nehmen und zu überleben. „Immer mit der Ruhe, Kapitän“, entgegnet der Pfadfinder. „Der klügste Mann der Welt ist soeben mit meinem Rucksack aus dem Flugzeug gesprungen.“

Unsere Welt ist voller kluger Menschen, die mit einem Rucksack aus dem Flugzeug springen.

Auch unser Lebensflugzeug stürzt einmal ab. Vorher haben wir die Wahl rechtzeitig abzuspringen und uns einen wertlosen Rucksack oder einen lebensrettenden Fallschirm auszusuchen. Das Vertrauen auf Gott ist so ein sicherer Fallschirm.

Wie dies Vertrauen genau funktioniert, dazu gibt es auch ein schönes Bild.

- Wer hat schon mal eine Zirkusvorstellung besucht?

- Und wer hat dabei sogar eine Nummer mit Trapezkünstlern bestaunen können?

 

Bei der klassischen Trapeznummer gibt es Flieger und Fänger. Der Flieger holt mit dem Körper Schwung und schwingt immer schneller und höher, während der Fänger kopfüber an einem anderen Trapez baumelt und die Hände zum Greifen frei hat. Dann kommt der entscheidende Moment, wenn der Flieger sein Trapez loslässt, ohne Halt durch die Luft segelt und nur darauf wartet vom Fänger aufgefangen zu werden. Im nächsten Augenblick erscheint dann der Fänger, der seine Pendelbewegungen so perfekt abgestimmt hat, dass er punktgenau zur Stelle ist, um sich den Flieger zu greifen.

Diese Elemente der Trapeznummer finden wir genauso beim Vertrauen auf Gott.

Vertrauen auf Gott besteht aus den drei Schritten:

1.     Loslassen

2.     Warten

3.     Aufgefangen werden

Am Beispiel von Abraham schauen wir uns das mal genau an.

Gott sagte zu Abraham: „Lass alles dir Vertraute los. Lass deine Familie, dein Zuhause und deine Kultur los und gehe dahin, wohin ich dir sage. Bist du dazu bereit? Wirst du loslassen?“

Wir wissen es: Abraham ist das Vertrauensrisiko eingegangen. Er hat alles losgelassen und sich auf Gottes neue Wege eingelassen. Das war der erste Schritt.

 

Der zweite Schritt, das Warten, war für Abraham ungleich schwieriger. Gott verspricht Abraham ja, dass dieser Vater und Stammvater eines großen Volkes werden und dass Sara ihm einen Sohn schenken wird. Dann beginnt für Abraham die Wartezeit. Wissen sie, wie lange Abraham wartet? Vierundzwanzig Jahre lang. Und in dieser Wartezeit macht er, was sein Vertrauen auf Gott angeht, keine gute Figur.

Als er nach vielen Jahren immer noch keinen Sohn hat, regt ihn das maßlos auf. Also sagt Sara zu ihm: „Hier ist meine Magd. Warum schläfst du nicht mit ihr und kommst auf diese Weise zu deinem Sohn?“ Abraham antwortet: „Na gut, Schatz. Wenn du meinst.“ Toller Mann oder? Mit diesem Verhalten richtet Abrahams ein größeres Desaster an.

Jahre später kommt Gott erneut zu Abraham und sagt: „Du wirst einen Sohn haben.“ Und wie reagiert Abraham? In 1. Mose 17, Vers 17 heißt es: Abraham warf sich vor Gott auf sein Gesicht, doch insgeheim lachte er ungläubig. »Wie kann ich mit 100 Jahren noch Vater werden?«, fragte er sich. »Und Sara ist 90 Jahre alt. Wie kann sie da noch ein Kind bekommen?«

 

Später kommt Gott erneut zu Abraham. Bei dieser Gelegenheit steht Abraham vor seinem Zelt und Sara hält sich drinnen auf. Da sagte der Herr: »Nächstes Jahr um diese Zeit werde ich zurückkehren. Dann wird deine Frau Sara einen Sohn haben.«Sara aber belauschte das Gespräch vom Eingang des Zeltes aus. Und da Abraham und Sara beide alt waren und Sara schon lange nicht mehr in dem Alter war, in dem Frauen Kinder bekommen können, lachte sie leise. »Jetzt, nachdem ich verwelkt bin, sollte ich noch an Liebeslust denken?!«, dachte sie. »Und mein Mann ist ja auch schon viel zu alt!« (1. Mose 18,10-12)

 

Das Warten gehört definitiv nicht zu Abrahams Stärken. Vielmehr zweifelt er. - Aber dann, nach Jahren, ja Jahrzehnten wird er endlich aufgefangen. Von starken Händen. – Das ist Schritt drei. - Gott ist zur Stelle. Gott erhört sein Gebet.

Können sie sich diesen Tag vorstellen als Sara feststellt, dass sie schwanger ist? Stellen sie sich einmal vor, wie sie es Abraham erzählt. Können sie sich vorstellen, wie die beiden gelacht haben? Eine Frau, die in dem Alter noch schwanger wird! Sie brachte einen Sohn zur Welt und sie nannten ihn Isaak. Isaak bedeutet: „Er lacht.“

Und Sara freute sich: „Gott lässt mich wieder lachen! Alle, die dies hören, werden mit mir lachen.“ (1. Mose 21,6)

 

Alle lachen, weil endlich das lang ersehnte Kind geboren ist. Sie lachen, weil Sara die einzige Frau ist, die im Drogeriemarkt Baby- und Erwachsenenwindeln für ein und dieselbe Familie kauft. Und weil sie alle Brei aus Babygläschen essen, da es in der gesamten Familie nicht einen einzigen Zahn gibt. Sara und Abraham vor allem lachen aus purer Freude darüber, dass Gott trotz ihrer Zweifel sein Versprechen dennoch gehalten hat.

Bemerkenswerterweise wurde aber nicht nur beim großen Vorbild Abraham der Glaube von Zweifeln begleitet. Selbst Jesu Jünger blieben nicht davon verschont. Drei intensive Jahre lang waren sie Jesus gefolgt, mussten mit ansehen wie er gekreuzigt wurde und haben ihn als den Auferstandenen gesehen. Und dann heißt es am Ende des Matthäusevangeliums: Da gingen die elf Jünger nach Galiläa zu dem Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Als sie ihn sahen, beteten sie ihn an - aber einige zweifelten immer noch. (Matthäus 28,16+17).

Wer hätte das von den Jüngern gedacht!

 

Und dann erteilt Jesus gerade diesen Jüngern den sogenannten „Missionsbefehl“: Er sendet sie aus, damit sie in dieser Welt seine Hände und Füße sind. Jesus blickt auf diese zweifelnden Anbeter und sagt: „Geht! Ihr Zweifler, geht. Setzt euer Leben für mich ein. Verändert eure Welt für mich. Und ganz nebenbei wird euch das von euren eigenen Zweifeln heilen. Ja, ihr Zweifler dürft mit von der Partie sein.“

 

John Ortberg bringt es gut auf den Punkt:

Nachfolger Jesu sind nicht etwa Menschen, die niemals zweifeln. Sie zweifeln und sie beten an. Sie zweifeln und sie dienen. Sie zweifeln und sie helfen einander, mit ihren Zweifeln umzugehen. Sie zweifeln und sie üben sich in Treue, sie zweifeln, und sie warten darauf, dass ihre Zweifel eines Tages in Wissen verwandelt werden. (aus „Glaube & Zweifel“ von John Ortberg)

 

Ich kann das aus meiner Erfahrung nur bestätigen. Als ich zehn Jahre Berufsausbildung losgelassen habe, um Gottes neuen Weg für mein Leben einzuschlagen, da hatte ich reichlich Zweifel:

-         Am Anfang meines Theologiestudiums hatte ich nur eine wage Vorstellung, wie einmal der Beruf des Pastors aussehen wird.

-         Ich befürchtete, als eingefleischter Naturwissenschaftler gar nicht redegewandt genug zu sein fürs Predigen.

-         Und woher sollte ich bloß all die Ideen hernehmen für jahrzehntelanges Predigen?

-         Ich konnte das anfangs überhaupt nicht abschätzen und das machte mir Angst.

-         Heute erkenne ich: Gott hat mich in diese Aufgabe hineinwachsen lassen. Fähigkeiten, die am Anfang noch nicht da waren, sind im Laufe der Zeit hinzugekommen.

-         Und weil mir die Predigtideen in zehn Jahren nicht ausgegangen sind, vertraue ich auf Gottes Beistand, dass er sie mir auch in den kommenden Jahrzehnten schenken wird.

 

Genaugenommen halten wir alle ein Trapez in Händen, das wir unser „Leben“ nennen. Wir klammern uns gut daran fest: an unsere Sicherheit, an unser Wohlbefinden, an unseren Erfolg, an unsere Bedeutung, an unseren Wert, an unsere Besitztümer, an unseren Körper, an unsere Gesundheit, an unseren Einfluss. Und dann kommt Jesus zu dir und sagt: „Das kannst du alles loslassen. Du kannst dein Leben loslassen, weil ein mächtiger Fänger, dein himmlischer Vater, es hält. Du kannst all jenen Dingen den Rücken kehren, die dich daran hindern, in meinem Reich zu leben. Und du wirst feststellen, dass du nicht eine Sache verloren hast, die von Belang ist. Lass einfach los. Warte. Und ich werde dich auffangen. Vertrau drauf!“ AMEN.

 

 

Nächsten Sonntag folgt Teil 3 der Heilsgeschichte: Gottes neuer Bund – das Gesetz


 

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Predigt am 7.02.2010 in Großenaspe über „Die Heilsgeschichte“, Teil 1: Das unausrottbare Böse

 

In Jesu Namen, Amen.

Bevor wir in die Heilsgeschichte einsteigen, möchte ich mit allen zusammen einmal die groben Züge der Weltgeschichte durchgehen.

D.h., was finden wir in den Lehrbüchern über die Entstehung der Erde? Wie ging’s mit der Erde los?

Richtig: Mit dem Urknall, im Englischen: „Big Bang“.

Menschliche Zivilisation kennen wir aus der Steinzeit, Familie Feuerstein lässt grüßen, dann aus der Bronzezeit und aus der Eisenzeit. Später folgen die sogenannten Hochkulturen, deren Bauwerke wir heute noch bestaunen können. Als da wären die Hochkulturen in Ägypten, Zweistromland (Euphrat und Tigris) heute Irak, Indien, China, evt. noch Mittelamerika.

Dann kommt das Zeitalter, das bis heute für uns prägend geworden ist, die Antike: Von 800 v. Chr. bis 500 n. Chr.

D.h., 1300 Jahre lang haben zwei große Kulturen Europa und Vorderasien geprägt: Die Griechen und die Römer

Stellvertretend seinen hier zwei wichtige Gebäude genannt: Die Akropolis in Athen und das Kolosseum in Rom.

Mit dem Untergang des römischen Reiches um 400 begann die Völkerwanderung, die bis zum Mittelalter dauerte.

 

Das Mittelalter: Man untergliedert das Mittelalter in…

- Frühes Mittelalter 600 – 1000: Wikinger

- Hohes Mittelalter 1000 – 1300: Ritter, Kreuzzüge

- Spätmittelalter 1300 – 1500: Hanse, Buchdruck (Gutenberg)

 

Und mit dem Jahr 1500 beginnt die sogenannte Neuzeit, die bis heute andauert. Aus dieser Epoche ein paar wichtige Daten:

- 1517 die Reformation beginnt

- 1618 - 48 der 30-jährige Krieg als Folge der Reformation

- Das 17. und 18. Jahrhundert gilt als Zeitalter der Aufklärung: Die christlich-mittelalterliche Lebenshaltung gilt als überholt. Der Mensch soll seine Vernunft gebrauchen.

- 1789 Die französische Revolution setzt Maßstäbe für Menschen- und Bürgerrechte und für unser Demokratieverständnis

- Die mit dem Namen James Watt verbundene Erfindung der Dampfmaschine um 1770 macht aus Handwerksbetrieben Industriebetriebe. D.h., sie revolutioniert die Arbeitswelt und führt zur sogenannten „Industriellen Revolution“ im 19. Jahrhundert.

- 1914 – 18 I. Weltkrieg

- 1939 – 45 II. Weltkrieg

- Eine wirtschaftliche Verflechtung der europäischen Staaten soll neue militärische Konflikte unmöglich machen. Seit den 50er Jahren entsteht ein Staatenverbund, der in der Gründung der Europäischen Union 1992 gipfelt.

 

Für unsere Allgemeinbildung und ebenso für gute Noten in Geschichte ist es gut, wenn wir uns in der Weltgeschichte auskennen.

Für unser Leben gibt es aber eine noch wichtigere Geschichte, die über die Geschichte unserer Erde hinausgeht. Das ist die Geschichte, die Gott mit uns Menschen hat. Und diese Geschichte ist eine Geschichte des Heils.

 

Den Kontrast zum Heil bildet das Unheil, das sich tagtäglich auf unserem Planeten ereignet. Abgesehen von Naturkatastrophen wie dem Erdbeben auf Haiti oder dem Tsunami vor 5 Jahren im Indischen Ozean, geht das größte Unheil von Menschen aus. In Form von Kriegen oder in unseren Tagen auch von Selbstmordattentätern. Wir alle erinnern uns mit Schrecken an den 11. September 2001 als das das World Trade Center zerstört wurde und 3500 Menschen ihr Leben ließen. Auch wenn wir es nicht verstehen können, so müssen wir es doch zur Kenntnis nehmen: Das Böse ist nicht auszurotten – trotz aller menschlichen Anstrengungen.

Seit dem Zeitalter der Aufklärung versuchen wir Menschen aus der westlichen Kultur alles mit unserem Verstand zu erklären. Vieles können wir mittlerweile erklären, aber manches eben nicht. Und dazu gehört das Böse.

 

Kennen sie eine Talkshow oder einen Zeitungsartikel, der sich mit dem Bösen beschäftigt? Über die Auswirkungen des Bösen können wir überall etwas erfahren. Aber wo das Böse, das niemand wegdiskutieren kann, herkommt, wissen die Medien nicht. In der Philosophie wird das Böse bloß theoretisch abgehandelt. Die Frage nach der Herkunft des Bösen kann die Philosophie, und das heißt der menschliche Verstand, nicht beantworten.

Noch viel interessanter aber als die Herkunft, ist ja die Frage danach, ob das Böse überwunden werden kann. Und wenn ja, wie? Stellen sie sich vor, sie hätten die Möglichkeit, Menschen, die jemanden berauben oder gar umbringen wollen, davon abzuhalten. Stellen sie sich vor, diese Menschen würden tatsächlich von ihrem Tun ablassen und stattdessen auf ehrliche Weise ihren Lebensunterhalt verdienen. Das wäre doch phänomenal! Gar nicht auszudenken, was sie verdienen könnten, wenn sie das Böse überwinden würden! Die ganze Menschheit sehnt sich nach der Überwindung des Bösen, weil sie aus Erfahrung weiß: Das Böse scheint unausrottbar zu sein!

 

Vor diesem Hintergrund dürfen wir – zu unserer großen Erleichterung – wissen: Das Böse hat nicht das letzte Wort. Mitten in der Weltgeschichte, ja geradezu mit ihr verwoben, schreibt Gott seine Heilsgeschichte. Sie ist seine Antwort auf alles Unheil dieser Welt.

 

Gottes Geschichte mit seiner Welt beginnt mit der Schöpfung:

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. (1. Mose 1,1)

Da sprach Gott: »Wir wollen Menschen schaffen nach unserem Bild, die uns ähnlich sind. Sie sollen über die Fische im Meer, die Vögel am Himmel, über alles Vieh, die wilden Tiere und über alle Kriechtiere herrschen.« So schuf Gott die Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er sie, als Mann und Frau schuf er sie. (1. Mose 1,26+27)

Danach betrachtete Gott alles, was er geschaffen hatte. Und er sah, dass es sehr gut war. (1. Mose 1,31)

Dann sprach Gott, der Herr: »Es ist nicht gut für den Menschen allein zu sein. Ich will ihm ein Wesen schaffen, das zu ihm passt.« (1. Mose 2,18)

Dann formte Gott, der Herr, eine Frau aus der Rippe, die er Adam entnommen hatte, und brachte sie zu ihm. »Endlich!«, rief Adam aus. »Sie ist ein Teil von meinem Fleisch und Blut! Sie soll ›Männin‹ heißen, denn sie wurde vom Mann genommen.« (1. Mose 2,18+23)

 

Gott hat uns Menschen zu seinem Gegenüber geschaffen. Ja, angelehnt an sein eigenes Bild, so dass wir ihm ähnlich sind. Und zwar als Männer und Frauen zusammen, die füreinander geschaffen sind, die zueinander passen.

Das müssen wir uns langsam auf der Zuge zergehen lassen: Wir sind Gott ähnlich! Ist dass nicht krass?

 

Wohlgemerkt! Wie sind Gott ähnlich, aber wir sind nicht Gott!

Das ist der bedeutende Unterschied. Er ist der Schöpfer – wir sind seine Geschöpfe. Wenn wir diese Verhältnisbestimmung außer Acht lassen, wenn wir Gott nicht mehr über uns sehen und nur noch allein schalten und walten, dann öffnet das die Tür dazu, dass wir uns selbst überheben. Dafür gibt es den Ausdruck „Hybris“: Der menschliche Größenwahn. Und der feiert derzeit wieder fröhliche Urständ beim Häuserbau:

Wer erkennt das Gebäude? Der Turm von Dubai

Mit 818 Metern und 206 Stockwerken das höchste Gebäude der Welt. Die Bauvorgabe war, ein Gebäude zu bauen, das 200 Meter höher ist als alle anderen Gebäude. Das hat geklappt und vor einem Monat wurde es eingeweiht. Für mich ist dieser Turmbau zu Dubai ein Zeichen von menschlichem Größenwahn.

 

Dass wir Menschen überhaupt die Möglichkeit haben, uns aus der Beziehung von Gott loszusagen und es dann auch getan haben, das wird in der unübertroffenen Geschichte von Adam und Eva deutlich. Ich möchte es hier gleich betonen: Die Geschichte vom Sündenfall ist - auch wenn sie sich streckenweise so anhört – kein Märchen aus grauer Vorzeit. Ich kenne keine bessere Erklärung dafür, wieso wir Menschen eine so starke Beziehung zum Bösen haben. Und ich vermute, dass es in der Weltliteratur nur wenig Vergleichbares gibt.

Die zentralen Verse wollen wir uns noch einmal ansehen:

Die Schlange war das listigste von allen Tieren, die Gott, der Herr, erschaffen hatte. »Hat Gott wirklich gesagt«, fragte sie die Frau, »dass ihr keine Früchte von den Bäumen des Gartens essen dürft?« »Selbstverständlich dürfen wir sie essen«, entgegnete die Frau der Schlange. »Nur über die Früchte vom Baum in der Mitte des Gartens hat Gott gesagt: ›Esst sie nicht, ja berührt sie nicht einmal, sonst werdet ihr sterben.‹« »Ihr werdet nicht sterben!«, zischte die Schlange. »Gott weiß, dass eure Augen geöffnet werden, wenn ihr davon esst. Ihr werdet sein wie Gott und das Gute vom Bösen unterscheiden können.« (1. Mose 3,1-5)

 

Wo das Böse herkommt erklärt die Geschichte nicht. Es ist einfach da. Und in der Figur der Schlange entfaltet das Böse seine Macht gleich doppelt: Indem es beim Menschen Zweifel sät: »Hat Gott wirklich gesagt?« Und indem es falsche Informationen liefert: Ihr werdet sein wie Gott. Das schmeichelt na klar unserem Ego: Nicht nur Geschöpf sein zu müssen, sondern auch mal Gott zu sein. Wer möchte das nicht? Aber wir kennen das Ergebnis: Definitiv wurden Adam und Eva nicht wie Gott.

 

Wie schon Adam und Eva brauchen auch wir das Böse. Um entscheiden zu können zwischen Gut und Böse. Erst die Tatsache, dass wir auswählen können, lässt uns frei sein. Wenn wir immer nur eine Möglichkeit hätten uns zu entscheiden, wären wir Marionetten. Gott hat uns aber nicht als willenlose Marionetten oder Roboter erschaffen, sondern als seine entscheidungsmündigen Gegenüber. Die Möglichkeit wählen zu können zwischen Gut und Böse, sie erst macht uns zu richtigen Menschen.

 

Drei Auswirkungen sehe ich in der Sündenfallgeschichte, die bis heute jeden von uns betreffen:

1. Dass Adam und Eva der Versuchung durch das Böse erlegen sind und sich nicht an Gottes Vorgaben gehalten haben, brachte ihnen und letztlich auch uns den Tod. Gegen Ende der Geschichte sagt Gott zu Adam: Denn du bist aus Staub und wirst wieder zu Staub werden. (1. Mose 3,19) Und daran hat sich bekanntlich bis heute nichts geändert – wie wir unschwer auf dem Friedhof beobachten können: Alle, die dort liegen, werden wieder zu Staub. Seit Adam und Eva liegt die Sterberate unverändert bei 100 Prozent.

 

2. Die vielleicht wichtigste Auswirkung ist der Beziehungsbruch. Adam und Eva haben sich entschieden, dem Bösen zu vertrauen und nicht Gott. Dadurch zerbrach die Beziehung mit Gott. Und das ist für uns so enorm wichtig zu wissen: Die Weltgeschichte erzählt nur neutrale Tatsachen: Am Anfang war der Urknall und später entwickelte sich dann das Leben und irgendwann auch die Menschen. Gottes Geschichte mit uns Menschen ist hingegen keine nüchterne, sondern eine von Liebe durchzogene Beziehungsgeschichte.

Seit durch Adam und Eva die Beziehung mit Gott gestört ist, werden wir Menschen bis auf den heutigen Tag in eine „gefallene“, in eine von Gott abgefallene Welt hineingeboren. Und das ist eben eine Welt, in der es neben unbestreitbar Gutem auch viel Böses gibt.

 

Als ich mir gestern Abend im ersten Programm die Nachrichten ansah, gab es vorher eine Werbung für einen Horrorfilm, der noch folgen sollte. Und ich fragte mich: Wie gestört muss ich eigentlich sein, um mich mit einem Horrorfilm zu unterhalten? Weder spornt der mich an, liebevoller mit mir und meinen Mitmenschen umzugehen, noch erweitert er meinen Horizont. Wenn ich freiwillig Angst, Gruseln und Horror erleben möchte, um mich zu amüsieren, dann ist das doch ein eindeutiges Zeichen unserer gefallenen Welt, in der das Böse kräftig Regie führt.

 

3. Wie schon Adam und Eva müssen auch wir mit Versuchungen kämpfen. Wie sie sind wir verführbar. Nicht nur durch die zarteste Versuchung seit es Schokolade gibt, sondern auf vielen Gebieten. Ich kennen keinen Mann, der sich nicht mindestens geschmeichelt fühlt, wenn ihm eine attraktive Frau hübsche Augen machen würde. Und wäre Robert Redford in jüngeren Jahren durch unsere Kirche marschiert, hätte er gewiss zahlreiche Frauenaugen auf sich gezogen. Wenn der Postbote klingelt und uns einen Verrechnungscheck über eine Million Euro überreicht, die nur dazu da ist, unseren Lebensstandard zu steigern, wer könnte dem widerstehen?

 

Gott sei es gedankt, dass wir trotz aller Ähnlichkeit mit Adam und Eva eine Erlösungsperspektive haben, die sie noch nicht hatten.

Beim Krieg in Afghanistan sehen wir live, wie uns in unserer gefallenen Welt scheinbar nichts anderes übrigbleibt, als Gewalt mit Gegengewalt in Schach zu halten. Die Weltgeschichte liest sich über große Strecken wie eine Chronologie von genau diesem Muster. Bis heute ist es uns Menschen nicht gelungen, das gewalttätige Böse zu überwinden.

Weil Gott es aus lauter Liebe zu uns Menschen nicht länger mit ansehen konnte, wie wir von dem Bösen beeinflusst und drangsaliert werden, hat er einen Weg geschaffen das Böse zu überwinden. Und diesen Weg erkennen wir in Gottes Heilsgeschichte.

 

Heute haben wir die Ausgangslage für die Heilsgeschichte beleuchtet. Als kleinen Ausblick darauf, wie Gott das Problem mit der Überwindung des Bösen löst, schauen wir uns kurz Paulus an. Er schreibt an die Kolosser und den Schuh dürfen wir uns genauso anziehen:

Auch ihr wart einmal weit weg von Gott, ihr wart seine Feinde durch alles Böse, das ihr gedacht und getan habt.

Durch seinen Tod hat euch Christus mit Gott versöhnt. Jetzt steht ihr ohne Sünde und ohne jeden Makel vor Gott. (Kol 1, 21+22)

AMEN.

 

Nächsten Sonntag folgt Teil 2 der Heilsgeschichte: Abraham - der Pionier des Glaubens.

 

Predigt am 11.10.2009 in Großenaspe über Mit-Gott-Rechnen, Teil 5

 

In Jesu Namen, Amen.

è Ich habe ihnen hier auf dem Flipchart etwas mitgebracht. Sie sehen das klassische Spielfeld eines Brettspiels und dieser grüne Magnet ist die Spielfigur.

Stellen sie sich vor: Sie haben einen Würfel in der Hand und würfeln eine „4“. Meine Frage jetzt an sie: In welche Richtung soll ich die Spielfigur vier Schritte bewegen? Geradeaus nach links, oder nach rechts, oder nach oben oder nach unten? Diagonal nach oben rechts oder lieber diagonal nach unten links? Wie hätten sie es gerne?

 

Mit Recht fragen sie mich: „Woher soll ich wissen, welche Richtung passend ist? Ich weiß ja noch nicht einmal, wo die Spielfigur steht!“

 

Deshalb stelle ich die Figur nun in die Mitte des Spielfeldes. Jetzt noch mal die Frage: „In welche Richtung soll ich die Figur vier Felder bewegen?“

Danke. Ich setze sie vier Felder nach ….

„Können sie mir sagen, ob das jetzt ein guter oder schlechter Zug ist?“ – Können sie eigentlich nicht. Denn sie kennen weder das Ziel noch die Regeln des Spiels!

 

Um so etwas Einfaches wie ein Brettspiel spielen zu können brauchen sie Spielregeln, einen Startpunkt und Informationen darüber, was das Ziel des Spiels ist. Ohne dies Wissen können sie keine Entscheidungen treffen. Sie können zwar handeln, einfach irgendwas tun, aber sie wissen nie, ob diese Entscheidung gut ist oder nicht. Und das löst so ein Gefühl von Unsicherheit aus. Wahrscheinlich würde auch niemand von uns auf die Idee kommen, ein Brettspiel anzufangen ohne das nötige Wissen über die Spielregeln, den Startpunkt und das Ziel.

 

Doch im Bereich der Finanzen geschieht oft genau das. Irgendwann in unserem Leben haben wir das erste Mal Geld in der Hand und fangen an, es auszugeben. Oft lernen wir dabei durch ausprobieren. Soundsoweit reicht das Geld und dann ist Ebbe im Portemonnaie. Weil bei den Finanzen aber um einen wichtigen Bereich unseres Lebens geht und nicht um ein Spiel, kann uns das schlichte ausprobieren schon mal teuer zu stehen kommen. Manchmal merken wir auch gar nicht, dass wir uns in eine falsche Richtung bewegen, weil uns die Ahnung fehlt, wie es wirklich optimal laufen könnte.

Fazit der Geschichte:

 

Auch in Finanzdingen braucht der Mensch drei Dinge:

Die „Spielregeln“ für den Umgang mit den Finanzen.

Eine Standortbestimmung: Wo stehe ich finanziell?

Ein Ziel, das deutlich macht in welche Richtung ich mich finanziell bewegen will.

 

Mit den Finanzspielregeln haben wir uns in den letzten Wochen beschäftigt. Das ging es um das Verdienen, das Geben, das Sparen, das Schuldenmachen bzw. –vermeiden und das Ausgeben. Jetzt wollen wir ein Blick auf Punkt 2 und 3 werfen. Auf die Frage „Wo stehe ich finanziell?“ gibt es grob betrachtet vier Antwortmöglichkeiten:

1. Ich befinde mich in einer finanziellen Krise. Meine Schulden sind mir über den Kopf gewachsen. Die Insolvenz droht.

 

2. Ich befinde mich kurz vor dem finanziellen Zusammenbruch. Ich komme gerade so mit meinem Geld aus. Wenn jetzt noch etwas Unvorhergesehenes passiert, das mich finanziell runterreißt, dann ist die Krise da.

 

3. Ich befinde mich in finanziell guter Verfassung. Das Geld reicht. Ich spare regelmäßig und habe keine Konsumentenkredite aufgenommen.

 

4. Ich habe den Überblick über das, was ich verdiene, gebe 10% meiner Einnahmen für die Arbeit in Gottes Reich, spare monatlich einen sinnvollen Betrag, tilge meine Schulden zügig und richte meinen Lebensstil nach dem, was mir finanziell zur Verfügung steht, ohne weitere Schulden zu machen. Sprich: Ich praktiziere einen Umgang mit meinen Finanzen, der Gott ehrt.

 

Aus allem, was wir bisher behandelt haben, geht deutlich hervor: Der vierte Standort ist der anzustrebende.

Je nachdem, in welcher finanziellen Lage (1-4) ich mich befinde, sehen auch die Ziele ganz unterschiedlich aus, die ich mir setzen kann. Zum Thema „Ziel“ ein paar Hinweise: 1. Hinweis: Ziele formuliert man besser positiv als negativ: Also nicht: „Ich beschließe nicht mehr soviel zu naschen.“ Sondern: „Ich will nur noch eine Tafel Schokolade pro Woche essen.“ Damit sind wir schon beim 2. Hinweis: Ziele nicht schwammig sondern konkret formulieren. So dass ich sie überprüfen kann. Eine Tafel pro Woche kann ich überprüfen. Und dritter Hinweis: Ziele sollen realistisch sein. Also nicht: „Ich fange jetzt an für mein Traumschloss für eine Million Euro zu sparen.“ Sondern: „Ich schließe einen Bausparvertrag ab, der in ein paar Jahrzehnten, die ich überblicke, eine konkrete Summe für den Hausbau ergibt.“ Ziele sollen also positiv, überprüfbar und realistisch sein.

 

Wie solche Ziele für unsere Finanzen aussehen können, dazu ein paar Beispiele:

Stecke ich in finanziellen Schwierigkeiten oder bin kurz davor, dann könnte mein Ziel sein: „Ich lasse mich beraten von jemandem, der von Finanzen mehr versteht als ich. Und mit dem Wissen aus der Beratung will ich meine Schulden in soundso viel Monaten oder Jahren tilgen.“

Sieht es mit meinen Finanzen gut aus, so könnte mein Ziel sein: „Ich rechne durch wie viel 10% meines Einkommen sind und überlege mir, ab wann und wohin ich sie geben will und ob das mit dem, was ich spare und mit dem, was ich zum Leben brauche hinkommt. Und falls nicht, passe ich diese Bereiche entsprechend an.“

 

Eines meiner Ziele im Finanzkurs war, dass ich genauer prüfen wollte, ob das, was ich bislang gebe auch dem Zehnten entspricht. Vorher hatte ich das mehr über den Daumen gepeilt und jetzt gab die Berechnung, dass ich tatsächlich dicht dran liege und das sogar noch etwas Luft ist. In Zukunft will ich prüfen, ob vielleicht noch mehr drin ist als 10%.

 

Finanzielle Ziele können wir uns allen Bereich setzen: Vom Verdienen, übers Geben, Sparen, Schuldenmachen bzw. –tilgen bis zum Ausgeben. Wichtig ist, dass wir uns ein Ziel setzen! Von Gotthold Ephraim Lessing stammt dazu das Zitat:

 

„Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht immer noch geschwinder als jener, der ohne Ziel umherirrt.“

 

Das Wissen darüber, wo ich gerade finanziell stehe, welches mein Ziel ist und nach welchen Regeln ich mit meinem Geld umgehe ist für jeden von uns ungemein wichtig.

Ich möchte ihnen jetzt noch einige weitere Tipps mitgeben, die uns helfen gute Treuhänder der Dinge zu werden, die Gott uns anvertraut.

 

1. Tipp: Lassen sie uns versuchen der Werbung zu widerstehen, die uns unzufrieden machen möchte mit dem, was wir haben. Weil wir überall auf Werbung treffen, ist das gar nicht so einfach. Mit Hilfe der Fernbedienung können wir z.B. einen Bogen um die Fernsehwerbung machen.

 

2. Tipp: Nicht einfach nur so durch die Einkaufzentren schlendern, sondern gezielt auf die Suche gehen.

 

3. Tipp: Ich kaufe mir nur Dinge, weil sie mir nützlich sind und nicht weil sie etwas darstellen und ich mich damit aufwerte. Normales Handy statt iphone.

 

4. Tipp: Lassen sie uns lernen, dass eine größere Lebensqualität nicht darin besteht, dass wir immer mehr haben, sondern darin, dass wir weniger materielle Wünsche verspüren.

 

5. Tipp: Wenn wir feststellen, dass wir eine Sache wirklich brauchen, sollten wir erst einmal abwarten, ob Gott sie uns nicht zukommen lässt ohne dass wir sie kaufen. D.h., erst einmal eine Woche für das Gewünschte beten und uns fragen, ob wir die Anschaffung wirklich brauchen. Wenn Gott nichts tut und wir immer noch sicher sind, dass wir die Sache haben müssen, können wir dann losgehen und sie uns anschaffen.

 

6. Tipp: Die Dinge, die Gott uns anvertraut, dürfen wir genießen und uns an ihnen freuen: Freude über das Haus, den Garten, das Auto usw.

 

7. Tipp: Wir dürfen uns auch freuen an Dingen, die uns nicht gehören. Wenn ich durch unsere Umgebung radele, dann danke ich Gott für unser schönes Schleswig-Holstein. Ich freue mich über die Felder oder auch über einige schön gewachsene Bäume. Apropos schön gewachsen: Männer! Wenn wir eine schöne Frau entdecken, dann keine Begehrlichkeiten aufkommen lassen! Einfach Gott ein Dankeschön sagen für den hübschen Menschen.

8. Tipp: Wir sollten auch unseren Kindern mit gutem Beispiel voran gehen. So dass sie an uns ablesen können, wie zuverlässige Treuhänder mit Gottes Besitz umgehen.

 

An dieser Stelle möchte ich einen kleinen Exkurs einschieben. An einem der Dienstagabende des Finanzkurses sprach ich mit Sven Klinger und wir kamen auf das Thema „Hobby“ zu sprechen. Im Zusammenhang mit dem, was wir im Kurs gelernt haben, stellte sich uns die Frage: „Wie teuer darf eigentlich mein Hobby sein? Was passt zu einem verantwortlichen Umgang mit meinen Finanzen und was nicht?“

Ich bin ja ganz konkret davon betroffen und muss mich fragen: Sind drei Trecker noch im Rahmen? Andere fragen sich das für ihr Pferd oder ihre Pferde. Und noch andere, die intensiv Sport betreiben, fragen sich, ob das große zeitliche Engagement angemessen ist.

 

Ich habe mir das durch den Kopf gehen lassen und bin auf einige Fragen gestoßen, von denen ich denke, dass sie uns weiterhelfen können:

1. Frage: Geht mein Hobby zulasten des Zehnten, des Sparbetrages und der Schuldentilgung oder passt es noch in den Rahmen der Ausgaben fürs Alltägliche? Sprich: Ist noch genug übrig fürs Hobby?

 

2. Frage: Wofür brauche ich mein Hobby?

- Fördert es meine Gesundheit? Dazu gehören die meisten sportlichen Hobbys.

- Ist mein Hobby ein Ausgleich zur Arbeit, hilft es mir abzuschalten und mich zu entspannen? (Seelische Gesundheit) So geht es mir beim Treckerschrauben.

- Oder dient mein Hobby dazu, dass ich nach außen besser dastehe, weil ich andere damit beeindrucken kann?

Story aus dem Fitness-Center: Training März bis Juni für die schönere Strandfigur

 

3. Frage: Gibt es die Möglichkeit, dass ich mein Hobby in den Dienst für Gott stellen kann?

- Ich lerne neue Leute kennen, es ergeben sich Gespräche, ich habe die Möglichkeit vom Glauben zu erzählen, kann jemanden zum Gottesdienst einladen oder sogar zum Glaubenskurs

- Story: Manon

- Als Mitglied im Dreschverein Heidmühlen und als Treckerschrauber kann ich Männern anders begegnen als durch meinen Pastorenberuf

 

Es gibt sicherlich noch mehr Prüffragen an unsere Hobbys. Die genannten Fragen möchte ich als Anregungen verstanden wissen, wie wir unsere Hobbys verantwortungsvoll betreiben können.

 

Zum Schluss möchte ich sie einladen zum Nachdenken darüber, was passieren kann, wenn wir Gottes Maßstäbe für Finanzen ernst nehmen. Und welche Auswirkungen für die Gemeinde denkbar sind. Stellen Sie sich einen Unternehmer vor, der seine Halle der Gemeindearbeit zur Verfügung stellt, weil er den Eindruck hat, Gott möchte das. Stellen Sie sich ein Ehepaar vor, das fröhlich den Zweitwagen an Familien verleiht, die kein Auto haben. Stellen Sie sich eine Frau vor, die in der Gemeinde Kinderkleidung sammelt und diese dann allein erziehenden Müttern zur Verfügung stellt. Stellen Sie sich einen Steuerberater vor, der unentgeltlich eine Familie berät, die Sozialhilfe bekommt. Oder eine Witwe, die einen Teil ihrer Rente dazu einsetzt, um den Kindern der arbeitslosen Nachbarn ein paar Schuhe zu kaufen. Stellen Sie sich einen Bankangestellten vor, der einem Ehepaar hilft, das überschuldet ist! Stellen Sie sich einen Manager vor, der sich persönlich das Ziel setzt, seinen Gewinn jedes Jahr zu steigern, um ihn an die Gemeinde abgeben zu können.

Ja, stellen sie sich vor, all den Kirchkäffchenbesuchern ist das sonntägliche Gedrängel so unangenehm, dass sie sich gut vorstellen können etwas für den Gemeindehausanbau zu geben!

 

Und noch eine letzte Aufgabe für unsere Phantasie:

Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihr Leben hinter sich und kommen im Himmel an. Sie befinden sich in einem Raum, in dem zwei Stühle stehen. Einer ist für Gott - ein ziemlich großer Stuhl -  und einer ist für Sie. Vor Ihnen stehen ein Fernseher und ein DVD-Spieler, und auf der DVD steht: »Was hätte sein können!«

Und dann schauen Sie sich mit Gott einen Film an, in dem es darum geht, was in Ihrem Leben möglich gewesen wäre, wenn Sie Gott die Kontrolle überlassen hätten. Wenn Sie völlig nach seinen Prinzipien gelebt und ihm Ihre Ressourcen so zur Verfügung gestellt hätten, dass er sie hätte gebrauchen können. Sie sehen all den Segen, all die abgewendete Not, all die Bedürfnisse, die Gott gestillt hätte. Sie sehen die Menschen, die berührt wurden, Leben, die sich durch Ihren Einsatz verändert haben. Sie sehen, wie sich Ihr eigener Charakter immer mehr entwickelte, sehen Ihr Leben, wie es immer mehr von den Versprechungen und Verlockungen des Geldes befreit wurde. Sehen, wie in Ihrem Leben das Vertrauen auf Gott immer stärker wurde. Sie sehen, wie Ihre Grundeinstellung immer mehr von Großzügigkeit, Freude und Dankbarkeit durchdrungen wurde. Sie sehen all das, was hätte sein können, wenn Sie Gott die Kontrolle überlassen hätten.

 

Noch gucken wir nicht diese DVD. Und deshalb kann all das immer noch Wirklichkeit werden! Nicht von heute auf morgen, nicht alles auf einmal, aber Schritt für Schritt! Nur eines ist wichtig: Wir müssen anfangen und den ersten Schritt tun!

 

Und dabei müssen wir uns stets vor Augen halten:

Gott ist der Schöpfer, der alles geschaffen hat. Als Schöpfer gehört ihm entsprechend alles. Und als Eigentümer von allem hat Gott uns als Treuhänder oder Verwalter eingesetzt für die Dinge, die er uns zu treuen Händen anvertraut. Und gerade weil wir ihm für diese Dinge Rechenschaft schuldig sind, wünscht sich Gott, dass er im Sinne des Gleichnisses von den anvertrauten Talenten auch zu uns einmal sagen kann: Gut gemacht, mein guter und treuer Diener! Gut gemacht, meine gute und treue Dienerin! AMEN.

 

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Predigt am 4.10.2009 in Großenaspe (Erntedank) über Mit-Gott-Rechnen, Teil 4

 

In Jesu Namen, Amen.

Ich bin immer wieder begeistert vom Anblick dieser wunderschönen Erntegaben. Was für eine Augenweide! Wenn ich die Kartoffeln sehe, läuft mich gleich das Wasser im Munde zusammen, weil ich sie schon als Bratkartoffeln sehe. Beim Anblick der Äpfel habe ich ihren feinsäuerlichen Geschmack auf der Zunge. Die Zucchini sehe ich schon kleingeschnitten im Glas, süß-sauer eingelegt. Und die Birnen stelle ich mir in Schokoladensauce vor als „Birne Helene“. Lecker!

 

All diese wunderbaren Gaben bestechen aber nicht nur durch ihr Aussehen, sondern viele auch durch ihren nicht minder schönen Geruch. Und ich muss gestehen: Ich habe mich verliebt - in einen ganz besonderen Duft. Und den dürfen sie auch mal riechen.

6 Quitten durch die Reihen geben lassen

 

Stören sie sich nicht an der leicht pelzigen Oberfläche der Quitten. Reiben sie ein bisschen an der Schale und riechen mal. Wie würden sie den Geruch beschreiben? Nach was riechen die Quitten? è mein Eindruck: Fruchtiger Geruch wie Zitrusfrucht

 

Die Vielfalt der wunderbar anzusehenden und wohlriechenden Erntegaben hier in der Kirche macht deutlich: Wie gut sind wir doch mit Gemüse und Früchten aller Art versorgt! Wie gut geht es uns doch! Wir leiden wirklich keinen Mangel. Ja, wir haben sogar vieles im Überfluss. Als ich gestern mit Li telefonieren wollte, war sie gerade dabei Pflaumen einzumachen. Meine Frau hat da auch Stunden mit zugebracht. Pflaumen und Zwetschgen gibt es in diesem Jahr wahrlich im Überfluss.

 

Wenn es die Termine zulassen, mache ich morgens gerne eine Fahrradtour über die Freiweide, den Oberhof und zurück. Das bringt meinen Kreislauf in Schwung und gleichzeitig nutze ich die Zeit zum Beten. Neben den privaten Dingen und der Gemeinde, bete ich auch für Frieden in den unterschiedlichen Krisenregionen unserer Erde. Und dabei ging mir vor einiger Zeit folgendes auf:

Im Vergleich mit Afrika, wo es weltweit die meisten kriegerischen Auseinandersetzungen gibt, siehe Kongo, Sudan, Somalia; im Vergleich mit dem spannungsgeladenen Nahen Osten und seinen vielen Terroranschlägen, siehe Irak, Israel, Afghanistan; im Vergleich mit den kommunistischen Diktaturen von China oder Nordkorea; im Vergleich mit einer Pseudodemokratie in Russland; im Vergleich mit einer stark erdbebenbedrohten Region wie Indonesien oder Japan: Im Vergleich mit diesen Teilen der Welt, haben wir es in Europa erstaunlich gut:

Wir haben weitgehend stabile und freiheitliche Demokratien, wir haben aufs Ganze gesehen eine große soziale Gerechtigkeit, wir haben seit über 60 Jahren einen stabilen Frieden,

wir haben in Europa einen enormen Wohlstand und in Deutschland dürfen wir gerade auf 20 Jahre Wiedervereinigung zurückblicken.

 

Haben wir es auf diesem Teil der Erde so gut, weil wir einfach besser sind als die anderen? Weil wir fleißiger sind oder ordentlicher? – Ich glaube nicht. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr bin ich davon überzeugt:

Dass es uns so gut geht, verdanken wir allein Gottes liebevoller Zuwendung, sprich seinem Segen. Und genau für diesen Segen können wir gar nicht dankbar genug sein.

 

Wenn ich mich in Europa und auch gerade auch so bei uns in Schleswig-Holstein umgucke, dann kann ich mich des Eindrucks nicht erwähren: Wir haben uns unter Gottes Segen bequem eingerichtet. Mehr als 60 Jahre leben wir Westdeutschen in einer der freiheitlichsten Demokratien der Welt. Und der Großteil unserer Bevölkerung gehört zu den reichsten Menschen der Erde. Aber nur wenige kommen auf die Idee, Gott für diese Segnungen zu danken. Die meisten haben sich so an den Frieden und den Wohlstand gewöhnt, dass sie sie für etwas Selbstverständliches halten. Manchmal sogar für etwas, auf das sie ein Recht haben. Sie haben einfach Gott nicht auf der Rechnung.

 

Wir hier haben heute am Erntedankfest die tolle Möglichkeit Gott für seine Segnungen zu danken und das tun wir auch. Und das ist gut so. Aber Erntedank ist nur einmal im Jahr. Das wirft die Frage auf: Reicht so ein einmaliges Danken?

Wenn ich meine Kinder bitte, mir im Haushalt zu helfen, dann würde es reichlich merkwürdig wirken, wenn ich mich nur einmal im Jahr bei ihnen dafür bedanken würde. Besser ist es doch, sich bei ihnen gleich nach dem Mithelfen zu bedanken. Oder wer von ihnen erwartet von der Ehefrau oder dem Ehemann ein Dankeschön nur einmal im Jahr? Ich denke niemand. Wenn wir helfen, möchten wir den Dank möglichst umgehend haben. Als Kinder Gottes sollten wir es deshalb genauso mit unserem himmlischen Vater halten und ihm bei jeder passenden Gelegenheit danken. Damit stoßen wir direkt zu der Frage vor: Wie wünscht sich Gott eigentlich, dass wir ihm danken? Was sagt die Bibel dazu?

 

Bevor wir zu einer Antwort kommen erst einmal eine kleine Umfrage:

 

1.     Wer ist Neuerungen gegenüber aufgeschlossen? Wer wagt gerne einmal etwas Neues im Leben?

2.     Wer bleibt lieber beim Bewährten und lässt anderen den Vortritt bei Neuerungen? Wer guckt sich lieber erst einmal an, wie die anderen es machen, bevor er/sie selbst Neuland betritt?

 

Diese Umfrage beinhaltet keine Wertung. Es ist mehr eine Typfrage, wer zu 1 oder wer zu 2 tendiert.

Jetzt die Frage: Wer würde sich zu 1 rechnen? Wer zu Möglichkeit 2? – Danke.

 

Ich habe diese Frage gestellt, weil die Art wie Gott sich unseren Dank für seine Zuwendung wünscht, für viele von uns eine Herausforderung ist. Klar, dass Gott sich wünscht, dass wir ihm unseren Dank sagen. Mündlicher Dank sozusagen. Er wünscht sich aber noch mehr von uns. Und mit diesem Wunsch stellt er uns auf die Probe. Ja, erbietet uns gleichsam ein Experiment an. Und das ist meines Wissens einmalig in der Bibel. Gott sagt beim Propheten Maleachi:

 

»Denn ich bin der Herr und ich habe mich nicht geändert. Und ihr, ihr Nachkommen Jakobs, seid noch immer Jakobs Nachkommen. Wie eure Väter habt ihr meine Gebote nicht gehalten und ihnen nicht gehorcht. Kehrt um zu mir, dann werde ich mich auch euch zuwenden«, spricht der allmächtige Herr.»Doch ihr fragt: ›Warum sollen wir umkehren?‹ Darf ein Mensch Gott betrügen? Ihr habt mich betrogen! Und dann fragt ihr noch: ›Womit sollen wir dich betrogen haben?‹Mit dem Zehnten und den Abgaben. Ihr seid verflucht, denn das ganze Volk hat mich betrogen. Bringt den kompletten zehnten Teil eurer Ernte ins Vorratshaus, damit es in meinem Tempel genügend Nahrung gibt. Stellt mich doch damit auf die Probe«, spricht der allmächtige Herr, »ob ich nicht die Fenster des Himmels für euch öffnen und euch mit unzähligen Segnungen überschütten werde! (Mal 3,6-10)

 

Ich finde der letzte Vers ist der Knüller. Möchten sie, möchtet ihr noch mehr als bisher Gottes Segnungen erleben? Ich möchte das gerne. Es gibt nichts Besseres!

Als Dank für das, was er uns Gutes tut, wünscht sich Gott den zehnten Teil unseres Einkommens. Und damit sind wir beim Thema „Geben“ aus unserem Finanzkurs „Mit Gott Rechnen“.

 

In seinem Buch über die Entstehung der Freien christlichen Jugendgemeinschaft (FCJG) in Lüdenscheid in den 70er Jahren berichtet Walter Heidenreich davon, wie er und andere aus der Hippie-Szene Christen wurden. Als sie anfingen die Bibel ernst zu nehmen, gaben einige auch den zehnten Teil von ihrem Haschisch ab. Es dauerte dann noch ein Weilchen bis ihnen aufging, dass Haschisch rauchen nicht zu einem christlichen Lebensstil passt. Den zehnten Teil unseres Einkommens zu geben, das ist ein Richtwert. Wenn unsere derzeitige Finanzlage es nicht zulässt, kann es auch weniger sein. Es kann aber in guten Zeiten auch mehr sein. Paulus schreibt an die Korinther:

Jeder von euch muss selbst entscheiden, wie viel er geben möchte. Gebt jedoch nicht widerwillig oder unter Zwang, denn Gott liebt den Menschen, der gerne gibt. (2.Kor 9,7)

 

Gott wünscht sich, dass wir uns frei dazu entscheiden etwas zu geben. Und wenn wir ein regelmäßiges Einkommen haben, dann können wir auch genauso regelmäßig davon abgeben.

 

Abgeben von unserem Reichtum dürfen wir aber nicht nur, um Gott unsere Dankbarkeit auszudrücken. Es gibt noch eine Reihe weiterer guter Gründe, unseren Reichtum mit anderen zu teilen:

 

1.     Geben aus Dankbarkeit gegenüber Gott.

2.     Wir sind zum Geben geschaffen.

 

Gott ist ein großzügiger Gott, der uns gerne gibt. Geschaffen zu seinem Ebenbild dürfen wir gleichermaßen großzügig sein.

 

3.     Dadurch dass wir von unserem Reichtum abgeben, machen wir deutlich, dass Gott die Quelle für unsere Versorgung ist.

In der Bergpredigt sagt Jesus: Sammelt keine Reichtümer hier auf der Erde an, wo Motten oder Rost sie zerfressen oder Diebe einbrechen und sie stehlen können. Sammelt eure Reichtümer im Himmel, wo sie weder von Motten noch von Rost zerfressen werden und vor Dieben sicher sind. (Mt 6,19+20) Und kurz danach: Wenn ihr für Gott lebt und das Reich Gottes zu eurem wichtigsten Anliegen macht, wird er euch jeden Tag geben, was ihr braucht. (Mt 6,33)

Gott versorgt uns, wenn wir uns um seine Angelegenheiten kümmern.

4.     Mit unserem Geben tragen wir dazu bei, dass es auf der Welt gerechter zugeht. Wir bekämpfen damit die Armut.

 

Paulus schreibt dazu an die Korinther: Gebt so viel, wie ihr entbehren könnt. Wenn ihr wirklich dazu bereit seid, kommt es nicht darauf an, wie viel ihr erübrigen könnt. Gott möchte, dass ihr gebt, was ihr habt, und nicht, was ihr nicht habt. Denn ihr sollt natürlich nicht so viel geben, dass ihr nachher selbst nicht mehr genug habt. Es geht mir nur um einen Ausgleich (zwischen armen und reichen Gemeinden). Im Augenblick habt ihr viel und könnt ihnen helfen. Ein andermal können sie dann mit euch teilen, wenn ihr es nötig habt. Auf diese Weise hat jeder, was er braucht. (2.Kor 8,11b-14)

 

5.     Segnet Gott uns mit Wohlstand, dann werden wir durch unser Geben zum Segen für andere.

 

Ich finde es attraktiv, für jemand anderes ein Segen sein zu dürfen. Das wertet mein Leben auf – finde ich.

 

6.     Durchs Geben entziehen wir uns der Kontrolle, die das Geld über uns ausüben will.

 

Wenn ich arm bin, drehen sich alle Gedanken ums Geld, weil ich das Geld dringend zum Leben brauche. Da hat mich das Geld fest im Griff. Bin ich reich, drehen sich ganz leicht auch alle Gedanken ums Geld, weil ich damit beschäftigt bin, das Geld anzulegen, es zu vermehren und zu verwalten. Auch in diesem Fall hat mich das Geld unter Kontrolle.

Wenn ich es schaffe, von meinem Geld abzugeben, nehme ich dem Geld die Macht, die es über mich ausüben will.

Jesus sagt ausdrücklich: Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. (Mt 6,24) Wobei „Mammon“ die Macht bezeichnet, die vom Geld ausgeht. Gebe ich also von meinem Geld etwas für Gottes Zwecke, dann zeige ich damit, dass ich Gott diene und nicht dem Mammon. Und das befreit.

 

Das sind 6 gute Gründe fürs Geben. Und das Geben selbst gehört in den Zusammenhang mit den anderen Finanzbereichen, die wir behandelt haben. Wir hatten schon gehört, dass wir uns als gute Treuhänder Gottes erweisen, wenn wir zuverlässige Verdiener, weise Sparer, vorsichtige Schuldner, vernünftige Verbraucher und großzügige Geber werden.

Zum besseren Einprägen möchte ich noch mal auf den Unterschied hinweisen, wie unsere Gesellschaft mit dem Geld umgeht und wie demgegenüber Gottes Prioritätenliste aussieht. Kleine Wiederholung von vor zwei Wochen:

 

Prioritäten unserer Gesellschaft

1.     Gib aus, was du brauchst für deinen großzügigen Lebensstil

2.     Schulden machen ist etwas völlig Normales. Mache Schulden, wenn es deinem Lebensstil dient.

3.     Von dem Geld, das du noch übrig hast, spare etwas für schlechte Zeiten.

4.     Sollte noch Geld auf dem Konto sein, spende etwas, wenn du dich moralisch dazu verpflichtet fühlst.

 

Gottes Prioritäten

1.     Gib Gott etwas zurück von dem, was ihm gehört als Zeichen deiner Dankbarkeit und deines Vertrauens, dass Gott dich mit dem versorgen wird, was du zum Leben brauchst. (Abhängig vom Einkommen; Richtwert: 10 %)

2.     Lege fest, was du sparen willst und was sinnvoll ist.

3.     Mache nur dann Schulden, wenn es unumgänglich ist und versuche sie so rasch wie möglich zu tilgen.

4.     Passe deinen Lebensstil dem an, was nach Abzug des Spendenbetrags, des Sparbetrags und des Schuldentilgungsbetrags auf deinem Konto verbleibt.

 

Gottes Prioritäten fürs Einsetzen unseres Geldes haben die umgekehrte Reihenfolge von dem, was unsere Gesellschaft vorgibt. Ich bin davon überzeugt: Wenn wir geistlich wachsen wollen, sollten wir Gottes Prioritäten beachten. Und was da unser Geben betrifft, verhält es sich wie mit dem Sparen: Wir müssen es fest einplanen, es geschieht nicht von allein. Es wird immer genug andere Gründe geben, die uns davon abhalten wollen zu geben und zu sparen.

 

Quitte, Apfel, Kartoffel zeigen

 

Diese herrlichen Erntegaben führen es uns ganz plastisch vor Augen: Wir haben einen gütigen und großzügigen Gott. Er versorgt uns wirklich mit dem, was wir zum Leben brauchen. Paulus hat das ebenso erlebt. Und so gibt er seinem Schüler Timotheus und auch uns dieses mit auf den Weg:

Sag allen, die in dieser gegenwärtigen Welt reich sind, sie sollen nicht stolz sein und nicht auf ihr Geld vertrauen, das bald vergehen wird. Stattdessen sollen sie ihr Vertrauen auf den lebendigen Gott setzen, der uns alles reichlich gibt, was wir brauchen, damit wir uns daran freuen und es genießen können. Fordere sie auf, ihr Geld zu nutzen, um Gutes zu tun. Sie sollen reich an guten Taten sein, die Bedürftigen großzügig unterstützen und immer bereit sein, mit anderen zu teilen, was Gott ihnen gegeben hat. Auf diese Weise legen sie mit ihrem Besitz ein gutes Fundament für die Zukunft, um das wahre Leben zu ergreifen. (1. Tim 6,17-19)

AMEN.

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Predigt am 27.09.2009 in Großenaspe über Mit-Gott-Rechnen, Teil 3

 

In Jesu Namen, Amen.

Wie lange baut man heutzutage an einem Haus? D.h., wie viel Zeit muss man einplanen vom Ausschachten bis zum Einzug in ein aus Steinen gebautes Haus? (< 1 Jahr?)

 

Ich sprach mal mit älteren Leuten aus der Freiweide. Die erzählten, wie sie in den 50er Jahren ihr Haus bauten: Das dauerte fünf geschlagene Jahre. Und nicht, weil sie zu wenig Zeit hatten oder weil sie zu faul waren oder weil es kein Baumaterial gab. Es dauerte so lange, weil sie immer nur dann weitergebaut haben, wenn sie das dafür nötige Geld zusammen hatten. D.h., die Heizung wurde erst installiert als das Geld dafür auf dem Konto war. Mit anderen Worten: Sie haben keine Schulden gemacht. Das können wir uns heute kaum noch vorstellen. Nicht nur für den Hausbau, sondern auch für viele andere Bereiche des Lebens ist es heute absolut üblich, Schulden zu machen.

 

Der Staat macht es uns vor: Laut Schuldenuhr des Steuerzahlerverbandes liegt die Staatsverschuldung jetzt bei 1,5 Billionen Euro. Das macht pro Bundesbürger 18.200 Euro. Und wer privat verschuldet ist, hatte laut statistischen Bundesamts vor einem Jahr im Schnitt 23.000 Euro Schulden. Und gerade unter Jugendlichen sind Handyschulden weit verbreitet.

 

Schulden zu machen scheint normal zu sein. Und doch wissen wir, dass mit Schulden nicht zu spaßen ist, weil sie uns unter Druck setzen. Und deshalb sollten wir mit Schulden vorsichtig sein. Über den vorsichtigen Schuldner können wir sagen:

Der vorsichtige Schuldner geht Schulden aus dem Weg, ist sehr umsichtig, wenn er Kredite aufnimmt, und zahlt immer alle Schulden zurück.

 

Der vorsichtige Schuldner ist deshalb so vorsichtig, weil er weiß, dass Schulden zweierlei Gefahren bergen. Zum einen die wirtschaftliche Gefahr: Wer Schulden macht, muss sie mit hohen Zinsen zurückzahlen. Das wird immer teuer. Zum anderen gibt es eine geistliche Gefahr von Schulden.

Wenn ich mir etwas auf Pump anschaffe, nehme ich Gott die Möglichkeit, mich zu lehren, dass er in der Lage ist für mich zu sorgen. Im Lukasevangelium lesen wir:

Jesus wendet sich an seine Jünger: "Deshalb sage ich euch: Sorgt euch nicht um Alltägliches - ob ihr genug zu essen oder anzuziehen habt, denn das Leben besteht aus weit mehr als Nahrung und Kleidung. … Diese Dinge beherrschen das Denken der meisten Menschen, doch euer Vater weiß, was ihr braucht. Er wird euch jeden Tag alles Nötige geben, wenn das Reich Gottes für euch das Wichtigste ist. (Lk 12,22+23;30+31)

 

Wenn wir uns in erster Linie um Gottes Angelegenheiten kümmern, kümmert er sich um unser Wohlergehen. Das können wir im Alltag erleben und davon lernen. Schulden zu machen kann uns dieses Lernfeld nehmen. Und das würde unserem geistlichen Wachstum schaden.

 

Beim Schuldenmachen ist es wichtig fünf Arten von Schulden zu unterscheiden:

1.     Hausfinanzierung: Ohne sie geht es heute praktisch nicht. Wer hat schon mehrere 100.000 € auf der hohen Kante.

2.     Autofinanzierung: Für Privatleute das Auto über Leasing zu finanzieren lohnt nicht. Das haben wir Dienstag im Kurs gelernt.

3.     Geschäftskredite: Ohne sie läuft die gesamte Wirtschaft nicht, wie uns die Finanzkrise zeigt. Stichwort: „Kreditklemme“.

4.     Aus- und Fortbildungskredite: Auch Bafög-Darlehen sind Schulden, die zurückzuzahlen sind.

5.     Konsumentenkredite: Zur Finanzierung von Alltagsgegenständen. Warum den neuen Flachbildschirmfernseher für 1000 € auf einen Schlag bezahlen, wenn es auch in kleinen Raten geht? Hierzu gehört auch das Zahlen mit Kreditkarte, die nur einmal im Monat abgerechnet wird im Gegensatz zur EC-Karte, die das Lastschriftabbuchungsverfahren benutzt und gleich abbucht. Die Kreditkarte verführt zum Mehrausgeben, mehr als ich gerade auf dem Konto habe. Das Erwachen kommt dann erst am Monatsende.

 

Wer mit Kreditkarte zahlt, sollte darüber nachdenken, ob es nicht auch eine EC-Karte tut.

Gerade wenn sich die ersten vier Arten von Schulden nicht immer vermeiden lassen, sollten wir unbedingt versuchen, Konsumentenkredite zu vermeiden. Niemand braucht beispielsweise den modernen HD-Flachbildschirmfernseher von heut auf morgen. Für solche Anschaffungen können wir auch sparen.

 

Zum Abschluss des Schuldenthemas ein paar Tipps zum Abbauen der Schulden:

1.     Mit dem Rückzahlen des niedrigsten Kredits anfangen. Das gibt einem das gute Gefühl, schon einen guten Schritt weitergekommen zu sein.

2.     Den für die Tilgung des ersten Kredits geleiteten Betrag gleich zur Tilgung des nächsten Kredits dazugeben. Das beschleunigt die Tilgung des zweiten Kredits deutlich.

3.     Keine neuen Schulden machen.

 

Am Dienstagabend beim Finanzkurs gab es wieder einmal die Gelegenheit, dass wir uns zu je 4-5 Personen zusammensetzten und uns austauschten zu einem Thema, das die Referenten gerade behandelt haben. Und da erzählte eine Frau in unserem kleinen Kreis von einer Begebenheit bei Aldi. Vermutlich an einem Mittwoch, wenn die neuen Angebote da sind, sah sie eine Bekannte, die mit weit aufgerissenen Augen auf eine Auslage mit Blusen stürzte. In kurzer Zeit hatte sie zwei Blusen in ihrer Größe ergattert, eine in rot und eine in gelb. Da sagte die Frau aus unserer Gruppe zu ihrer Bekannten: „Sag mal, brauchst du die Bluse wirklich in doppelter Ausführung?“ – Am Abend erhielt sie dann einen Anruf. Und erstaunlicherweise keinen Protestanruf nach dem Motto „Was fällt dir ein, dich in meine Kaufangelegenheiten einzumischen!“ Sondern die Anruferin sagte: „Gut, dass du mich darauf hingewiesen hast. Ich habe es mir noch einmal überlegt. Ich habe beide Blusen wieder zurückgelegt.“

 

Ich vermute, dass einige von ihnen dieses Phänomen „Kaufrausch“ kennen: „Bei so günstigen Angeboten kann ich einfach nicht widerstehen!“ So wünscht sich das der Einzelhandel. Und ein gutes Gewissen bekommen wir gratis dazu, weil wir mit unserem Kaufen die Wirtschaft ankurbeln. Damit sind wir beim zweiten Thema: Was das Ausgeben unseres Geldes betrifft, stehen wir unter enormen Zwängen unserer Gesellschaft. Diese Zwänge lauten:

 

1.      „Dinge machen glücklich“ – je mehr du besitzt, desto glücklicher bist du.

2.     „Du bist was du hast“ – unser Wert wird durch unseren Besitz bestimmt.

3.     „Je mehr du hast, desto mehr solltest du ausgeben“

4.     „Du befindest dich in einem Konkurrenzkampf mit deinen Nachbarn, Freunden, Arbeits- oder Schulkollegen und musst mehr und bessere Dinge besitzen als sie“

 

Was die Konkurrenz betrifft reicht manchmal schon das Gleichziehen mit anderen è Story der Deutz-DX in Grumby vor 30 Jahren (Einführung der DX-Reihe 1978)

Ich bin mir sicher, sie kennen solche unausgesprochenen Zwänge im Verhältnis zu anderen Menschen.

Von einem vernünftigen Verbraucher können wir sagen:

 

Ein vernünftiger Verbraucher ist jemand, der die Früchte seiner Arbeit genießen kann, ohne dem Materialismus zum Opfer zu fallen.

Mit anderen Worten jemand, der sein gut verdientes Geld wohlüberlegt ausgibt und es so schafft, den gesellschaftlichen Zwängen die Stirn zu bieten. Ja, ich bin sicher: Nur wenn wir unsere Vernunft gebrauchen, können wir den Zwängen ein Schnippchen schlagen und vernünftige Verbraucher werden.

 

Wie in den anderen Finanzbereichen, die wir schon behandelt haben, sieht Gottes Sicht zum Thema „Ausgeben bzw. Verbrauchen“ ebenfalls anders aus. Er möchte, dass wir uns davor hüten, habgierig zu werden:

 

Jesus sagt: "Nehmt euch in Acht! Begehrt nicht das, was ihr nicht habt. Das wahre Leben wird nicht daran gemessen, wie viel wir besitzen." (Lk 12,15)

 

Und von Paulus lernen wir, dass es uns gut ansteht, genügsam zu sein:

Ich habe gelernt, mit dem zufrieden zu sein, was ich habe. Ob ich nun wenig oder viel habe, ich habe gelernt, mit jeder Situation fertig zu werden: Ich kann einen vollen oder einen leeren Magen haben, Überfluss erleben oder Mangel leiden. Denn alles ist mir möglich durch Christus, der mir die Kraft gibt, die ich brauche. (Phil 4,11b-13)

 

Zufriedenheit mit dem, was wir haben, und Dankbarkeit für diese Dinge sind die besten Mittel gegen Habgier und Neid. Wenn es uns gelingt, angemessen, vernünftig und genügsam zu leben, haben wir gute Chancen frei zu werden von den gesellschaftlichen Zwängen. Und wie Paulus es schreibt: Jesus möchte uns die Kraft dazu geben.

 

Soviel zur Theorie. Wie kann ich nun ganz praktisch ein vernünftiger Verbraucher werden? Dazu möchte ich einige Positionen durchgehen, für die wir normalerweise eine Menge Geld ausgeben:

1. Posten: Die Ausgaben fürs Wohnen: Sie sind im Allgemeinen der größte Posten (25-40% des Einkommens). Als Mieter muss ich sorgfältig abwägen, weiterhin Miete zu zahlen oder für einen ähnlichen Betrag wie für die Miete ein Haus abzuzahlen. Da spielt der Arbeitsplatz eine große Rolle: Bin ich sicher, meinen Job bis zur Rente zu behalten (Hausbau) oder muss ich noch das eine oder andere Mal umziehen (lieber Miete)? Die richtige Entscheidung an dieser Stelle hilft mir viel Geld zu sparen. Als Pastor hat sich für mich die Frage erübrigt. Ich habe eine Residenzpflicht, sprich ich muss vor Ort wohnen, was ja sinnvoll ist und muss deshalb das Pastorat zur Miete bewohnen.

 

2. Posten: Die Ausgaben fürs Auto: Frage an alle die nicht am Kurs teilnehmen: Welches ist das preiswerteste Auto, das wir besitzen können? – Richtig: Das ist das, das wir haben. Jede Anschaffung eines neuen kostet viel Geld. Geld sparen können wir dann, wenn wir den geeigneten Zeitpunkt für einen Wagenwechsel wählen. Die meisten Autos werden in Deutschland nach 4-5 Jahren gewechselt bei 80-100.000 Km. Deutlich günstiger und damit vernünftiger ist es, sie erst nach der doppelten Anzahl Jahren auszutauschen.

 

3. Posten: Die Ausgaben für Lebensmittel: Ein paar Tipps, wie wir die Ausgaben für Lebensmittel reduzieren können.

Erster Tipp: Einen Kochplan aufstellen: Ich bin schon vor einiger Zeit dazu übergegangen, mir zu überlegen, was ich eine Woche im Voraus kochen will.

Und dazu gehört der zweite Tipp: Mit Einkaufsliste einkaufen gehen und möglichst nur das kaufen, was darauf steht. Ich nehme sogar noch einen Kuli mit, um die Dinge wegzustreichen, die ich gerade in den Einkaufswagen lege. Manchmal komme ich mir dabei ein bisschen komisch vor, habe aber beschlossen, dieses Gefühl zu unterdrücken.

Und dann gehören in diesen Lebenshaltungsposten ja auch noch die Ausgaben für die Suchtmittel Alkohol und Zigaretten. Durch gute Aufklärung weiß heute jedes Kind, dass wir diese Dinge zum Leben nicht wirklich brauchen. Sie sind eigentlich überflüssig und fördern auch nicht unsere Gesundheit. Und doch geben viele viel Geld dafür aus. Ich wünsche allen, die viel Geld für Alkohol und Zigaretten ausgeben, dass ihr Verstand die Oberhand gewinnen möge über das Gefühl, diese Dinge zu sich nehmen zu müssen. Und ich bin mir sicher, dass wir auch Jesus bitten dürfen, uns in dieser Angelegenheit zu helfen.

 

4. Posten: Die Ausgaben für Computer, Laptop, Handy und Co. Muss ich immer das neuste vom neuen besitzen? Muss es gleich ein i-phone sein oder tut’s nicht auch ein schlichteres Handy bzw. smartphone? Nutze ich all das, was das Gerät kann oder reicht mir nicht auch eine einfachere Ausführung?

 

5. Posten: Die Ausgaben für Kleidung: Die Statistik sagt: 90 % der Kleidung wird nur in 10 % der Zeit getragen. Ein Drittel der Kleidung wird niemals getragen. Ich habe letztens ein gut erhaltenes Jackett in die Bethel-Altkleidersammlung gegeben. Das hab ich nicht getragen, weil es nicht richtig saß. Ein echter Fehlkauf.

Wie viel Kleidung brauchen wir wirklich? Und wie viele Paare Schuhe brauchen wir wirklich? Eine Bekannte erzählte, dass sie in ihrem Haus ein eigenes Zimmer nur für Schuhe hätte.

Ich glaube es wäre mal einen Versuch wert, wenn wir – ich schließ mich da ein – versuchen einen Saisonwechsel durchzustehen ohne neue Kleidung zu kaufen.

 

Zusammenfassend können wir von den heutigen beiden Themen lernen: Wenn wir versuchen, vorsichtige Schuldner und vernünftige Verbraucher zu werden, dann schont das nicht nur unser Portemonnaie, sondern wir erweisen uns als gute Treuhänder der Finanzen, die Gott uns anvertraut. Der Segen, der darauf liegt, den werden wir hautnah erleben und unser geistliches Leben wird einen deutlichen Wachstumsschub erhalten. AMEN.

 

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Predigt am 20.09.2009 in Großenaspe über Mit-Gott-Rechnen, Teil 2

 

In Jesu Namen, Amen.

Vor 14 Tagen hatten wir uns damit beschäftigt, dass wir im Glauben deutlich wachsen können, wenn wir uns auch in der Art und Weise, wie wir mit unserem Geld umgehen, nach Gottes Maßstäben richten. Dabei ruht Gottes Sicht zum Thema „Geld und Finanzen“ auf drei entscheidenden Grundsätzen:

 

1. Grundsatz: Gott ist der Schöpfer, er hat alles geschaffen.

2. Grundsatz: Gott ist der Schöpfer, deshalb gehört ihm alles.

3. Grundsatz: Gott ist der Eigentümer von allem und wir sind Treuhänder / Verwalter der Güter, mit denen wir umgehen.

 

Gute Treuhänder werden wir, indem wir uns in fünf zentralen Finanzbereichen als zuverlässig und treu erweisen. Dann werden wir laut Aussage der Bibel…

 

zuverlässige Verdiener,

großzügige Spender,

weise Sparer,

vorsichtige Schuldner

und vernünftige Verbraucher.

 

Das ist doch ein tolles Ziel oder? Ich möchte das werden! Wir wollen uns jetzt die Bereiche Verdienen und Sparen ansehen.

Ich denke, die meisten von ihnen kennen den Werbespot, wo zwei Freunde in einem Restaurant aufeinandertreffen, die sich jahrelang nicht mehr gesehen haben. „Hallo Martin. Man, wie lange haben wir uns nicht gesehen. Ich zeig dir mal was!“ Er greift in seine Jacketasche und zieht einen Stapel Bilder heraus: „Mein Haus, mein Auto, meine Jacht, mein Motorrad, meine Frau, meine Kinder!“

Bei Jugendlichen wäre das die Variante mit: „Mein Handy, mein i-pod, meine Ed-Hardy-Jeans!“

 

Unsere Gesellschaft misst uns unseren Wert zu durch die Arbeit, die wir haben, und was wir uns dementsprechend leisten können.

Gottes Sicht sieht ganz anders aus: Unser Wert wird nicht an dem gemessen, was wir tun und wie viel wir verdienen, sondern an dem, was wir sind: Geliebte Kinder Gottes! Am Anfang des Johannesevangeliums heißt es:

All denen aber, die Jesus aufnahmen und an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden. (Joh 1,12)

Wenn wir nachher das Abendmahl miteinander feiern, vergewissern wir uns dieser Sicht Gottes: Als seine geliebten Kinder denken wir an das, was Jesus für uns am Kreuz getan hat. Wir spüren die Stärkung durch Brot und Saft, die und zeigt, dass Jesus unter uns ist. Und wissen gleichzeitig, dass die Feier des Abendmahls ein Stück vom Himmel vorwegnimmt, wo wir einmal unserem himmlischen Vater von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen werden.

Als Kinder Gottes haben wir von Gott den Auftrag, seine Erde zu bebauen und zu bewahren:

Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. (1.Mose 2,15) Das bedeutet: Gott hat Arbeit für uns. Arbeit ist ein Segen und weder Fluch noch Strafe. Und so schreibt Paulus an die Christen im griechischen Thessaloniki:

Wir haben nämlich gehört, dass einige von euch ein untätiges Leben führen, nicht arbeiten wollen und ihre Zeit nutzlos vertun. Im Namen von Jesus Christus, dem Herrn, appellieren wir an diese Leute und ermahnen sie, dass sie regelmäßig arbeiten und sich ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen sollen. (2. Thess 3,11+12)

 

Und was unsere Arbeit betrifft, schreibt fährt Paulus fort im Brief an die Kolosser:

Tut eure Arbeit mit Eifer und Freude, als würdet ihr Gott dienen und nicht Menschen. (Kol 3,23)

 

Soweit ein kurzer Blick auf die christlichen Arbeitsethik, die uns ermutigt, zuverlässige Verdiener zu sein oder zu werden.

 

Das Geld, das wir als Gehalt, als Rente, als Pension, aus staatlichen Leistungen, aus Miet-, aus Pacht- oder aus Zinseinnahmen auf unser Konto bekommen, können wir auf mehrerlei Weise einsetzen. Und auch hier ist sehr erhellend, welche Prioritäten unsere Gesellschaft uns vorgibt und wie Gottes Perspektive aussieht.

 

Prioritäten unserer Gesellschaft

1.     Gib aus, was du brauchst für deinen großzügigen Lebensstil.

2.     Schulden machen ist etwas völlig Normales. Mache Schulden, wenn es deinem Lebensstil dient.

3.     Von dem Geld, das du noch übrig hast, spare etwas für schlechte Zeiten.

4.     Sollte noch Geld auf dem Konto sein, spende etwas, wenn du dich moralisch dazu verpflichtet fühlst.

 

Gottes Prioritäten

1.     Gib Gott etwas zurück von dem, was ihm gehört als Zeichen deiner Dankbarkeit und deines Vertrauens, dass Gott dich mit dem versorgen wird, was du zum Leben brauchst. (Abhängig vom Einkommen; Richtwert: 10 %)

2.     Lege fest, was du sparen willst und was sinnvoll ist.

3.     Mache nur dann Schulden, wenn es unumgänglich ist und versuche sie so rasch wie möglich zu tilgen.

4.     Passe deinen Lebensstil dem an, was nach Abzug des Spendenbetrags, des Sparbetrags und des Schuldentilgungsbetrags auf deinem Konto verbleibt.

 

Unschwer zu erkennen ist: Gottes Prioritäten haben die umgekehrte Reihenfolge dessen, was unsere Gesellschaft vorgibt. Ich bin davon überzeugt: Wenn wir geistlich wachsen wollen, müssen wir Gottes Prioritäten beachten. Deshalb lohnt es sich, sie im Hinterkopf zu behalten. Weil sie so wichtig sind, werde ich sie auch in den kommenden Gottesdiensten mit einbauen.

 

Gottes erste Priorität beim Einsetzen unseres Geldes, das Geben bzw. Spenden, möchte ich wie schon angedeutet, am Erntedankgottesdienst behandeln. Ich denke, da passt es gut hin. Deshalb schauen wir uns jetzt die Nummer zwei an, das Sparen.

Unsere Gesellschaft ermutigt uns an zahlreichen Stellen, auf das Sparen zu verzichten und unser Geld auszugeben. Sie signalisiert uns: »Gib das Geld aus, du hast es dir verdient. Genieße es jetzt!«

Sparen vermittelt uns oftmals das Gefühl des Verzichts, weil uns das Geld, das gespart wird, nicht direkt zur Verfügung, steht. Es ist, als ob einem das Geld genommen würde, besonders wenn es in langfristige Sparverträge fließt. Doch Sparen ist eine Investition in die Zukunft. Das Geld steht uns zwar heute nicht zur Verfügung, um Dinge zu erwerben, aber dafür später. Und wenn wir mit der richtigen Strategie sparen, dann arbeitet das Geld für uns und kommt uns zu einem späteren Zeitpunkt zugute. Manche Menschen tun sich schwer damit, den richtigen Zeitpunkt zum Sparen zu finden:

Im Alter von 15-25 Jahren

»Ich bin noch jung, ich befinde mich in der Ausbildung! Später kann ich immer noch sparen, ich hab noch so viel Zeit, außerdem verdiene ich noch nicht so viel.«

Im Alter von 25-30 Jahren

»Ich soll jetzt sparen? Ich fange doch gerade erst an, richtig Geld zu verdienen. Nun werde ich erst einmal das Leben genießen. Ein neues Auto, eine neue Wohnungseinrichtung und tolle Urlaubsreisen sind jetzt dran. Ich bin noch jung und jetzt kann und will ich es genießen.«

Im Alter von 30-45 Jahren

»Sparen! Jetzt? Wo denken Sie hin. Jetzt sind die Kinder da. Wissen Sie, was Kinder kosten? Die Kosten für die Miete oder das Eigenheim sind auch nicht ohne. Es reicht kaum zum Leben, ich kann jetzt doch nicht sparen.«

Im Alter von 45-55 Jahren

»Ich müsste jetzt endlich sparen, aber es geht nicht. Die Ausbildung und das Studium der Kinder kosten viel Geld. Es bleibt einfach nichts übrig.«

Im Alter von 55-65 Jahren

»So, nun geht es endlich los mit dem Sparen. Aber das bringt nun nicht mehr viel. Die Zeit, in der das Geld noch für mich arbeiten kann, ist viel zu kurz. Ich hätte vor mindestens 20 Jahren anfangen sollen.«

 

Diese etwas vereinfachte Darstellung macht deutlicht, dass Sparen sich meistens nicht von selbst ergibt. Wenn man nur das zurücklegt, was von selbst übrig bleibt, dann wird man nie richtig sparen. Irgendwas kommt immer dazwischen. Deshalb ist klar: Sparen ist eine bewusste Entscheidung. Und darum steht es auch in der Prioritätenliste an zweiter Stelle.

 

Sparen bedeutet, Geld für sinnvolle Ziele zur Seite zu legen. Das finden wir schon in den Sprüchen. Da heißt es:

Ein weiser Mensch bewahrt seinen Reichtum und Wohlstand, ein Narr aber verschwendet gleich wieder alles. (Spr 21,20)

 

Sparen ist allerdings nicht gleich Sparen. Man kann es auch übertreiben und das nennt sich Horten. Es bedeutet immer noch weiter Dinge bei Seite zu legen, auch wenn die gesetzten Ziele bereits erreicht sind. Dass Gott Horten für Unsinn, ja für Sünde hält, kennen wir aus dem Gleichnis vom reichen Kornbauern. Er setzte sein Vertrauen allein auf seine gehortete Ernte und nicht auf Gott.

 

Was mich am Dienstag in der Kurseinheit „Sparen“ am meisten beeindruckt hat, ist der enorme Effekt, der von langfristigem Sparen ausgeht. Je länger gespart wird, desto größer ist der Effekt von Zins und Zinseszins. Dazu ein einfaches Beispiel. Ich lege jeden Tag nur einen Euro zurück, also 365 im Jahr. Modell „Spardose“ sozusagen.

 

Jahre

Spardoseninhalt

Anlage mit 10%

5

1.825

2.329

10

3.650

6.080

15

5.475

12.121

25

9.125

37.518

35

12.775

103.391

45

16.425

274.250

 

Das Fazit zum Sparen lautet entsprechend: Je früher wir damit anfangen desto besser und ergiebiger!

 

Für uns als zuverlässige Verdiener bleibt wichtig zu wissen: Um weise Sparer zu werden, müssen wir das Sparen ganz bewusst einplanen. Und zwar noch bevor wir festlegen, wie viel wir für unseren Lebensstil ausgeben wollen.

 

Und mit Blick aufs Abendmahl dürfen wir geliebte Kinder Gottes sicher sein: Unser himmlischer Vater kümmert sich um uns in allen Belangen unseres Lebens. Er versogt uns gut, ja gibt uns oft sogar im Überfluss. Und für unser Seelenheil hat er wahrlich nicht gespart, als er seinen Sohn ans Kreuz gehen ließ. AMEN.

 

 

Predigt am 6.09.2009 über Mit-Gott-Rechnen, Teil 1

 

In Jesu Namen, Amen.

Wer von ihnen möchte gerne im Glauben wachsen? – Danke.

Eigentlich ist das ja mehr eine rhetorische Frage. Für Christen ist es selbstverständlich, dass sie im Glauben wachsen möchten. Wir möchten Jesus ja immer ähnlicher werden und das ist ein lebenslanger Wachstumsprozess. Für unser Glaubenswachstum gibt es zwei Antriebskräfte: Zum einen arbeitet Gott an uns und das müssen wir ihm lediglich erlauben. Und zum anderen können wir selbst aktiv zu unserem geistlichen Wachstum beitragen. Ich hätte gerne ein paar Vorschläge: è Was können wir tun, um unser geistliches Wachstum zu fördern?

 

Bibel lesen

Die Stille mit Gott suchen

Beten

Mit Jesus den Tagen beginnen und abschließen

Mir im Alltag und d.h. auch auf der Arbeit bewusst machen, dass Jesus mit dabei ist

Mit meinem Geld nach Gottes Maßstäben umgehen

 

Dazu ein kleiner Tipp am Rande: Wenn unser geistliches Leben nur vor sich hin plätschert, wenn das Bibellesen nichts Inspirierendes zutage fördert, wenn unsere Gebete hohl und leer klingen, dann ist möglicherweise fröhliches, überschwängliches Geben angesagt. Abgeben von unserem Besitz wirkt oft wie eine Wellness-Kur für unser geistliches Leben.

In dem nicht so bekannten, dafür aber umso spannenderen Gleichnis vom unehrlichen Verwalter zeigt Jesus ganz deutlich auf: Es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen unserem geistlichen Leben und unserem Umgang mit den materiellen Gütern, dem Geld im speziellen. In Lukas 16 heißt es im Abschluss des Gleichnisses:

 

Wer in kleinen Dingen treu ist, wird auch in großen treu sein. Und wer schon in geringen Angelegenheiten betrügt, wird auch bei größerer Verantwortung nicht ehrlich sein. Wenn ihr bei weltlichem Besitz nicht vertrauenswürdig seid, wer wird euch die wahren Reichtümer des Himmels verwalten lassen? Und wenn ihr mit dem Geld anderer Leute nicht treu seid, warum sollte man euch eigenes Geld anvertrauen? (Lk 16,10-12)

 

Aus der Erziehung unserer Kinder kennen wir das: Zuerst vertrauen wir ihnen, sich um kleine Angelegenheiten zu kümmern. Sprich wir lassen sie kleine Aufgaben im Haushalt übernehmen: Müll raus bringen, Spüler ausräumen, Zimmer aufräumen usw. Wenn sie sich darin als zuverlässig erweisen, können wir ihnen größere Dinge anvertrauen. Ganz einfache Pädagogik. So sieht Jesus das auch für uns Erwachsene. Und er weitet die Verantwortung noch aus: Wenn wir vertrauenswürdig mit Gut und Geld umgehen, hat das zusätzlich eine direkte Auswirkung darauf, welche geistlichen Aufgaben Jesus uns anvertrauen kann.

 

Damit unser Umgang mit Hab und Gut auch tatsächlich unser geistliches Leben voranbringt, ist es nötig, dass wir eine Entscheidung treffen. Deshalb fährt Jesus fort:

 

Niemand kann zwei Herren dienen. Denn man wird immer den einen hassen und den anderen lieben oder dem einen gehorchen, den anderen aber verachten. Ihr könnt nicht Gott und dem Geld zugleich dienen. (Lk 16,13)

 

Das Spannende oder auch Beklemmende an diesem steilen Satz ist: Wir entscheiden nicht, ob wir Gott oder dem Geld, dem Mammon, dienen, sondern nur wem wir dienen. Es gibt keinen neutralen Standpunkt dazwischen nach dem Motto: Gott lass ich nicht in meine Geldangelegenheiten hineinreden, aber das Geld bestimmt mein leben auch nicht. Es gilt nur entweder oder. Jesu ist da in seiner Analyse ganz scharf: Entweder ich entscheide mich, Gottes Maßstäbe auch im Bereich der Finanzen zu leben. Oder ich lebe nach den Finanzmaßstäben, die meine Umwelt mir vorgeben. Und das sind die Maßstäbe Mammons, des Geldes.

 

Zusammenfassend können wir sagen:

Wollen wir geistlich wachsen, bietet der Umgang mit unseren Finanzen nach biblischen Maßstäben eine Möglichkeit für kräftiges Wachstum.

 

Gott lädt uns alle ein, ja er fordert uns heraus, diese Wachstumsmöglichkeit für unseren Glauben nicht links liegen zu lassen, sondern sie zu nutzen.

 

Um die biblischen Finanzmaßstäbe auch beherzigen zu können, müssen wir sie zunächst einmal verstehen. Darum soll es jetzt im Weiteren gehen.

Gottes Sicht zum Thema Geld ruht auf drei entscheidenden Grundsätzen. Von diesen lassen sich dann alle weiteren Entscheidungen ableiten. Deshalb ist es von enormer Bedeutung, dass wir diese drei Grundsätze begreifen.

 

1. Grundsatz: Gott ist der Schöpfer, er hat alles geschaffen.

 

Wenn wir das hören, haben wir sofort den ersten Satz der Bibel im Ohr: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. (Gen 1,1) Für viele von uns ist das ein Allgemeinplatz. So is’es! Für viele unserer Mitmenschen ist das aber überhaupt nicht so. Durch die intensive Verbreitung der Evolutionstheorie, nach der alles Sichtbare ohne Gottes Wirken entstanden sein soll, hat sich dieses Denken besonders in den Köpfen der Menschen aus den Industrieländern festgesetzt. In Fernsehbeiträgen treffen wir es häufig an: Gott als Schöpfer der Welt ist nicht unmittelbar einsichtig. Als Chemiker habe ich es jahrelang erlebt, dass Gott in der Wissenschaft keine Rolle spielt.

 

Dass ich jetzt weiß: Gott ist der Schöpfer, er hat alles geschaffen, hängt damit zusammen, dass er sich mir bekanntgemacht hat. Seit ich Gott persönlich kenne, weiß ich dass es ihn wirklich gibt und dass das, was die Bibel über ihn sagt, stimmt. Er ist tatsächlich der Schöpfer der Erde und des Universums. Bevor ich zu Bett gehe und Haus und Schuppen abschließe, guck ich nachts in den in oft klaren Sternenhimmel über Großenaspe und denke: Das gesamte Universum, die Milchstraße, die Erde und ich kleiner Mensch: Alles steht in deiner Hand, Herr! Wahnsinn! Mein Hirn reicht nicht, das zu verstehen! Aber es ist wahr!

 

Erst wenn wir Gott persönlich kennen lernen, begreifen wir nicht nur im Kopf, sondern auch im Herzen, dass Gott wirklich der Schöpfer ist, der alles geschaffen hat und die Welt in seiner Hand hält.

 

2. Grundsatz: Gott ist der Schöpfer, deshalb gehört ihm alles.

 

Eigentlich nur logisch weitergedacht oder? Dass Gott der Schöpfer ist, damit können sich viele anfreunden. Aber, dass ihm alles gehört: Das ist eine Einsicht, die - da bin ich mir sicher - uns allen schwer fällt. Die Bibel sieht das ganz cool so:

 

Gott spricht zu den Israeliten: Wenn ihr mir nun gehorcht und den Bund haltet, den ich mit euch schließen werde, sollt ihr vor allen anderen Völkern der Erde mein besonderes Eigentum sein, denn die ganze Erde gehört mir. (Ex 19,5)

Die Erde und alles, was darauf ist, gehört dem Herrn. Die Welt und die Menschen sind sein. (Ps 24,1)

Diese biblische Grundeinsicht fällt uns modernen Menschen schwer, weil unser Verständnis vom Eigentum dem römischen Recht entstammt. Jurastudenten behandeln gleich in den ersten Semestern das Recht, das bei den Römern galt. Und zwar deshalb, weil unser heutiges Recht dort seine Wurzeln hat. Nach römischem Verständnis ist Eigentum ein „natürliches Recht“: Was ich geerbt oder mir erworben habe, das gehört mir. Punkt! Und wenn mir jemand meinen Besitz streitig macht, kann ich dagegen rechtlich vorgehen.

 

Kaddi und Simon haben es gerade mit ihrem kleinen Mattis life erlebt: Wir Menschen kommen splitternackt, ohne alles, auf die Welt. Mensch pur. Und später wenn unser irdisches Leben zu Ende geht, gilt die Weisheit: Das letzte Hemd hat keine Taschen. Wenn wir sterben, können wir nichts in das Leben danach mitnehmen. Alles, was wir zwischen Geburt und Tod an Gütern besitzen, gehört Gott. Das klingt logisch, ist aber im Einzelnen schwer durchzubuchstabieren:

Mein Grund und Boden, meine Hektar, die ich geerbt habe oder die ich mir erarbeitet habe – sie gehören Gott.

Mein Haus, für das ich lange gespart habe und noch etliche Jahre den Abtrag zahle – auch das gehört Gott.

Meine Hose, meine Bluse, mein Anzug, mein Brautkleid – alles Gottes Klamotten.

Mein Handy, meine Schulsachen, mein Fußball, mein Fahrrad, mein Auto – alles Gottes Eigentum.

 

Kennen sie diesen Bulldog (Bild vom Trecker)?

Jeden Abend bevor ich meinen Rechner ausschalte, gucke ich mir dieses Bild an: Ist es nicht ein Schmuckstück! Das ist mein Trecker, in den ich und andere viele Stunden Arbeit gesteckt haben und der in wenigen Wochen abholbereit ist. Ich kann es kaum erwarten! Und auch hier gilt: Es ist nicht mein Trecker. Eigentümer nach biblischem Verständnis ist Gott. Ich merke, dass ich Zeit brauche, diese Tatsache zu verinnerlichen. Zum Üben spreche ich es deshalb immer mal wieder laut aus, wenn kein anderer zuhört: Herr, dass ist dein Sahnestück!

 

Frage: Wer hat sich schon mal von Verwandten, von Freunden oder von Nachbarn ein Auto ausgeliehen? – Danke.

 

Und was ist da beim Fahren des geliehenen Autos anders als beim Fahren des eigenen Wagens? è behutsamerer Umgang, Verantwortung, dass der Wagen so zurückkommt, wie geliehen

 

Damit sind wir beim dritten Grundsatz zur biblischen Sicht der Finanzen:

 

3. Grundsatz: Gott ist der Eigentümer von allem und wir sind Treuhänder / Verwalter der Güter, mit denen wir umgehen.

 

Am Dienstagabend bei unserem Auftakt zum Kurs „Mit-Gott-Rechnen“ erzählte Kai-Uwe Modlich von Finanztreuhändern. Das sind Menschen, denen Gelder zu treuen Händen gegeben werden, damit sie mit ihnen wirtschaften. Und wenn sie über einen bestimmten Zeitraum mit dem Treuhandgeld keinen Gewinn erwirtschaften, dann können sie dafür belangt werden.

Dieses Finanzgebaren aus unseren Tagen kommt uns doch bekannt vor. Es entspricht dem, was Jesus in dem Gleichnis von den anvertrauten Zentnern oder Talenten sagt, das wir vorhin gehört haben. Und das Gleichnis macht deutlich: Als von Gott eingesetzte Treuhänder sind auch wir rechenschaftspflichtig. Gott wird uns einmal fragen, was wir mit dem Hab und Gut, das er uns zu treuen Händen anvertraut hat, gemacht haben. Und das beinhaltet selbstverständlich auch, wie wir mit unserem Geld umgegangen sind.

 

Gucken wir uns das Gleichnis noch mal näher an. Der Mensch, der außer Landes ging, vertraute seinen Dienern fünf, zwei und ein Talent an. Die Geldeinheit „ein Talent“ entspräche heute - nach Faustregel der Historiker - einer guten halben Million. Der Mensch hatte also reichlich Vermögen und ein Riesenvertrauen zu jedem seiner Mitarbeiter. Die ersten beiden werden sofort unternehmerisch tätig. Zeit ist Geld. Bei der Rückkehr ihres Herrn können sie dann mit Stolz auf ihre großartigen Erfolge verweisen. Lob und Belohnung des Herrn bleiben nicht aus: »Recht so, du tüchtiger und treuer Diener, du bist über Wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude.«

Der dritte ist ein »böser und fauler Diener«. Entsprechend unproduktiv geht er mit seiner halben Million um. Er geht zwar auf Nummer sicher, aber das ist auch schon alles. Nach damaligem Recht befreit ihn das sofortige Vergraben des Geldes von der Haftpflicht im Falle eines Diebstahls. Ihm schwant dann aber bei der Rückkehr des Herrn, dass das zu wenig war. So versucht er sich rauszureden, er hätte sich gefürchtet. Dabei kommt ihm aber ein beleidigender Unterton über die Lippe: »Ich kenne dich, du bist ein verhärteter Mensch.« Entsprechend hart fällt dann das Urteil des brüskierten Herrn aus.

 

Aus unserer Sicht vielleicht zu hart. Man könnte dem »unnützen Diener«, der in die Finsternis geworfen wird, doch unterstellen, dass er es zumindest gut gemeint hat, als er das Geld vergrub. Denn im Blick auf die derzeitige Finanzkrise haben wir verstanden: Mit fremdem Geld Geschäfte zu machen ist zwar durchaus üblich, gleichwohl ist es eine riskante Sache. Bei allem Mitgefühl, das wir für den dritten Diener hegen, trotz allem Verständnis, das wir für sein Handeln entwickeln können: Wir dürfen das strenge Urteil seines Herrn nicht »weichspülen«. Er belohnt und er richtet. Und doch ist bei allem seine Barmherzigkeit nicht zu übersehen. Denn dieser Herr richtet nicht nach der Anzahl der Talente, nicht nach Leistung oder Erfolg, sondern nach der Treue.

Jesus will uns mit dieser Geschichte zeigen: Gott vertraut uns unseren Fähigkeiten entsprechend Hab und Gut an. Ob wir nun viel besitzen oder wenig - darauf kommt es nicht an. Entscheidend ist, wie wir die anvertrauten Güter verwalten. Dafür werden wir vor Gott am Lebensende Rechenschaft ablegen. Und Gott wünscht sich, dass er dann auch zu uns sagen kann: Gut gemacht, mein guter und treuer Diener! Gut gemacht, meine gute und treue Dienerin!

 

Lasst uns – ich schließe mich ganz bewusst ein – lasst uns ehrgeizig sein und unserem geistlichen Wachstum einen kräftigen Schub verpassen. Indem wir uns Gottes Sicht der Finanzen zu eigen machen und sie umsetzen. Daraus ergibt sich sofort die Frage: Wie gehe ich denn heutzutage verantwortungsvoll mit meinem Geld um? Wie sieht das konkret aus? Die Antwort lautet: Indem ich mir für fünf wichtige Finanzbereiche anschaue, was die Bibel zu ihnen zu sagen hat.

 

Erster Bereich ist das Verdienen: Wie komme ich zu Geld?

Zweiter bis fünfter Bereich zeigen, wie ich das Geld einsetze. Und dazu gehören das Spenden, das Sparen, das Schulden machen und das Ausgeben.

 

Wenn wir in den fünf Finanzbereichen zuverlässig und treu sind, dann werden wir laut Aussage der Bibel

 

zuverlässige Verdiener,

großzügige Spender,

weise Sparer,

vorsichtige Schuldner

und vernünftige Verbraucher.

 

Dieses Ziel anzupeilen und dann auch erfolgreich umzusetzen, das wünsche ich uns allen AMEN.

 

Predigt am 3.05.2009 in Großenaspe und Heidmühlen über Joh 15,1-8 In Jesu Namen, Amen. Ich habe ihnen ein Bild mitgebracht. Weinrebe vor Pastoratsmauer Wer weiß, was da zu sehen ist und wo das ist? Eine Weinrebe an der Südlage des Pastorats Laut Schild sollen da irgendwann solche Trauben zu ernten sein: Schild in Traubenform Muscat bleu, blauer Muskat ist das und ich bin gespannt darauf, wann ich das erste Mal solche tollen Trauben ernten darf. In der Zeitung war es vor ein paar Wochen zu lesen: Von den staatlich limitierten Anbauflächen für Wein hat das Bundesland Rheinland-Pfalz uns Schleswig-Holsteinern 10 ha vertraglich überlassen. Und sieben Landwirte aus Nordfriesland und Ostholstein haben sich um diese Anbauflächen beworben. Damit bekommen dann auch wir Norddeutschen ein tieferes Verständnis von der Kunst des Weinanbaus. Einige Grundkenntnisse des Weinanbaus brauchen wir auch heute schon für unseren Predigttext. Und deshalb hier das Bild von einem klassischen, alten Weinstock: Weinstock Rechts im Bild erkennen wir den Weinstock, den Stamm der Weinpflanze. Aus diesem Weinstock treiben die Äste, Reben genannt, aus. An diesen Reben hängen die Trauben und von diesen Reben gehen auch neue Triebe und wilde Zweige aus. Soviel zur Erklärung der wichtigsten Zusammenhänge. Die heutige Predigt habe ich unter die Überschrift gestellt: Bleiben in Jesus – der Weinstock und die Reben - Das größte Geheimnis des christlichen Lebens - Wir viele schon ahnen, steht der Predigttext im Johannesevangelium, Kapitel 15, die ersten acht Verse: Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Weingärtner. Er schneidet jede Rebe ab, die keine Frucht bringt, und beschneidet auch die Reben, die bereits Früchte tragen, damit sie noch mehr Frucht bringen. Ihr seid schon durch die Botschaft, die ich euch gegeben habe, beschnitten. Bleibt in mir, und ich werde in euch bleiben. Denn eine Rebe kann keine Frucht tragen, wenn sie vom Weinstock abgetrennt wird, und auch ihr könnt nicht, wenn ihr von mir getrennt seid, Frucht hervorbringen. Ich bin der Weinstock; ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt, und ich in ihm, wird viel Frucht bringen. Denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, wird fortgeworfen wie eine nutzlose Rebe und verdorrt. Solche Reben werden auf einen Haufen geworfen und verbrannt. Doch wenn ihr mit mir verbunden bleibt und meine Worte in euch bleiben, könnt ihr bitten, um was ihr wollt, und es wird euch gewährt werden! Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht hervorbringt und meine Jünger werdet. (Joh 15,1-8) Im Zentrum des Textes steht eins der berühmten »Ich-bin-Worte« Jesu: »Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.« Das ist so ein klassischer Jesus-Satz mit einem hohen Anspruch, der auch ziemlich absolut klingt: Besonders das »Ohne mich könnt ihr nichts tun.« Denn so absolut stimmt der Satz auch gar nicht. Wir tun doch andauernd etwas ohne Jesus, ohne dass wir ihn um etwas bitten, ohne dass wir ihn um Rat fragen. Wie geht es euch Schülern, euch Konfirmanden mit diesem Satz? Die Englischarbeit schreibt ihr ohne ihn, das Internetsurfen geht auch gut ohne ihn, und selbst im Gottesdienst und im Konfirmandenunterricht habt ihr Jesus vielleicht auch noch nicht entdeckt. Dauernd machen wir etwas, ohne dass wir das Gefühl haben, wir tun es mit Jesus. Wie wäre das aber, etwas mit ihm zu tun - ja mit IHM zu leben? Mit Jesus aufzustehen und schlafen zu gehen, mit ihm zu lernen, mit ihm auf die Arbeit oder zur Schule zu gehen, mit ihm Sport zu machen, mit ihm in der Familie zu leben? Was wäre dann anders? Und gäbe es Vorteile, wenn Jesus mit dabei ist? Bestimmt den Vorteil, dass wir immer jemanden bei uns hätten, der uns begleitet. Und dazu auch jemanden, der uns durch und durch kennt, weil er der Erfinder unseres Lebens ist. Das ist das Schöne, aber vielleicht ja auch etwas Beängstigende: Er kennt mich besser, als ich mich selbst kenne. Er weiß genau, wie es mir geht, wie es in mir aussieht, was meine geheimsten Sehnsüchte, Wünsche und Träume sind. Dazu muss ich aber unbedingt wissen: Er liebt mich, und deshalb wird er mich niemals bloßstellen oder sein Wissen über mich ausnutzen. Und genau seine Liebe ist es, die ihn treibt, mit mir in Kontakt zu kommen. Anders ausgedrückt: Die Sehnsucht Gottes ist es, bei seinen Menschen zu sein. »Wer in mir bleibt, der bringt viel Frucht ...« Das ist das Versprechen, das Jesus gibt. Dass wir mit ihm kein fruchtloses, nutzloses Leben führen werden, sondern ein Leben, das erfüllt ist, voller guter Gaben und Möglichkeiten, die er uns schenken will. Jesus lädt uns ein. Er möchte Gemeinschaft mit uns haben. »Wer in mir bleibt und ich in ihm ...« Er sagt nicht: »Wer bei mir bleibt ...« Er sagt auch nicht: »Wer in meiner Nähe bleibt ...« Oder: »Wer ab und an mal in den Gottesdienst kommt ...« Er sagt auch nicht: »Wer sich nach meinem Namen nennt ... « (Der Name „Christen“ kommt von „Christus“), oder: »Wer täglich das Vaterunser betet ...«, oder: »Wer getauft und konfirmiert ist«. Nein, es geht Jesus um mehr: »Wer in mir bleibt und ich in ihm ...« Er in uns, wir in ihm - geht das überhaupt? Wie können wir in Jesus sein, und er zugleich in uns? Das ist etwas, das wir uns mit unseren grauen Zellen nur schwer vorstellen können. Vielleicht kann uns ein kleines Experiment helfen, einen Vergleich zu finden, wie wir das Bleiben in Jesus verstehen können. Ich bitte alle, sich jetzt eine Minute lang den Altar anzuschauen. Nichts anderes ansehen, nur den Altar. Ich sag, wann eine Minute um ist. Nach einer Minute: Jetzt schließen wir alle die Augen und gucken, was für ein Bild wir vor unserem inneren Auge haben. Was haben sie vor ihrem inneren Auge gesehen? Den Altar. Wenn wir etwas intensiv angesehen haben, stellen sich davon Bilder vor unserem inneren Auge ein. Obwohl wir die Augen geschlossen haben, ist etwas von dem Betrachteten dann in uns, weil wir es in uns aufgenommen haben. Das mag als Vergleich dienen. »Wer in mir bleibt und ich in ihm ...« Jesus hofft darauf, dass wir ihm den Raum unseres Herzens schenken, damit er dort leben kann und uns mit seiner Kraft erfüllt. Dazu brauchen wir zu allererst die Gemeinschaft mit ihm. Von der Weinrebe wissen wir: Die Nährstoffe und das Wasser aus dem Boden bekommt sie nur, wenn sie am Weinstock bleibt. Wird sie abgeschnitten oder abgebrochen, dann muss sie vertrocknen. Deshalb sind wir gefragt: Wollen wir diese Gemeinschaft mit Jesus überhaupt? Wollen wir es zulassen, dass Jesus in uns leben darf? Damit sind wir beim Zentrum des christlichen Glaubens: Wollen Sie mit Gott leben? In eine Beziehung zu ihm eintreten, die bestimmt ist von Nähe und Gemeinschaft? Oder wollen Sie lieber religiös bleiben und Gott etwas geben: einige Gebete, ein Stück Zeit im Gottesdienst, ein paar Rituale während der Dauer unseres Lebens, damit Gott auch uns etwas gibt? Ich frage noch anders, damit uns der Unterschied klar wird: Was ist, wenn wir mit unserem Christsein eigentlich nicht Gott selbst meinen, sondern nur seine Gaben haben möchten? Überprüfen Sie sich einmal selbst: Lieben Sie Gott um seiner selbst willen - einfach weil er Gott ist und ihm die Ehre gebührt -, oder weil Sie hoffen, dass er Ihnen etwas schenkt? Wenn wir ein kleines Kind zu Weihnachten fragen: Was ist dir wichtiger: die Geschenke, oder dass dein Papa da ist und Zeit für dich hat - dann wählt es vermutlich die Geschenke. Es erfordert schon Reife, die Gegenwart des anderen höher zu schätzen als seine Geschenke. Religiöses Denken über Gott besteht darin, dass wir uns innerlich sagen: »Gott, ich glaube an dich, ich beachte deine Gebote, ich mache, was du von mir verlangst oder was ich denke, was Gott von mir verlangen würde - und dafür bekomme ich, was ich brauche: Segen, ein gutes Leben, Frieden oder wenigstens Zufriedenheit. Und du, Gott, sorgst bitteschön dafür, dass es klappt in der Familie, im Beruf, dass die Kinder halbwegs ordentlich werden, dass keine Krankheiten kommen, dass mein Leben schön wird, dass ich das Haus abbezahlen kann ...« Das entspricht einem Versicherungsdenken: Ich gebe eine religiöse Leistung, und Gott versichert mich und verhilft mir zu einem schönen Leben. Das Denken von Jesus her wie wir es in der Bibel finden ist anders: »Gott, ich gebe mich in deine Hand. Ich möchte nicht bloß deine Gaben, sondern deine Nähe. Ich will bei dir sein, im Vertrauen zu dir leben, egal was ich dafür bekomme, egal wie es um mich steht.« Vielleicht ist es nötig, dass wir unser Bild von Gott noch mal überdenken müssen. Ja, vielleicht auch gerade in einem ganz besonderen Aspekt unseres Textes, über den nur wenig gelehrt wird. Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Weingärtner. Er schneidet jede Rebe ab, die keine Frucht bringt, und beschneidet auch die Reben, die bereits Früchte tragen, damit sie noch mehr Frucht bringen. (Joh 15,1+2) Beim Beschneiden der Reben geht es um ihre Veredelung.Weil die Weinrebe sehr stark wuchert, ist es nötig die sogenannten wilden Triebe und die Wassertriebe abzuschneiden. Dieses Zurückschneiden führt dazu, dass die Rebe noch mehr Trauben ansetzt, also noch mehr Frucht bringt. Etwas abzuschneiden bedeutet ja einen schmerzhaften Eingriff vorzunehmen. Wir neigen dazu das Schmerzhafte, Leidvolle unseres Lebens eher als Strafe und Prüfung zu deuten. Oder wir reden von Anfechtung und Versuchung. Von Gottes Pädagogik oder notwendigen Veredelungsmaßnahmen reden wir selten bis gar nicht. Was ist nämlich, wenn Gott, der Gärtner meines Lebens, mich auch mal schmerzhaft beschneidet mit dem Ziel, dass ich kultiviert werde, sprich: mehr Frucht bringe? Was ist, wenn das, was ich erst einmal ablehne als Leid und Unglück in meinem Leben, etwas mit meiner Zukunft zu tun hat? Damit ich ein besseres, erfülltes Leben führen kann. Ein Leben, das sich im Herrschaftsbereich Gottes so entwickelt, wie der Planer und Gestalter meines Lebens es gerne möchte. Dann gehören auch die Dinge meines Lebens, die ich innerlich ablehne, zu den notwendigen Veredelungsmaßnahmen dessen, der das wirklich Beste für mich will. Lassen Sie uns heute eine ehrliche Bestandsaufnahme machen, jede und jeder für sich. Fragen Sie sich: »Was ist mir wichtiger? Will ich in der Liebe Gottes leben, in Gottes Hand sein, oder will ich, dass Gott tut, was ich denke?« Anders ausgedrückt: »Will ich Gott oder nur seine Gaben?« Wenn ich Gott will bedeutet das einen großen Verzicht - auf die Kontrolle meines eigenen Lebens. Ich gebe mich ganz aus der Hand. Ich versuche nicht mehr, alles selbst zu tun, alles in meinem Leben selbst zu gestalten. Sondern ich sage mir: »Das Wichtigste ist, dass ich bei dir bleibe, Gott, im Raum deiner Liebe, in deiner Gemeinschaft, in deiner Nähe, Und dann sehe und erlebe, was du aus meinem Leben machst.« Zum Schluss möchte ich ihnen noch ein Bild zeigen: Weinstockkreuz Das größte Geheimnis des christlichen Lebens, das Bleiben in Jesus, wurde schon in den ersten christlichen Jahrhunderten mit dem Symbol vom Weinstockkreuz ausgedrückt. So wie die Reben ihren Saft aus dem Weinstock kriegen, so sind die Christen als Reben an den Blutkreislauf Jesu angeschlossen: Wenn uns im Abendmahl zugesprochen wird „Christi Blut für dich vergossen“, dann verbindet uns das mit Jesu Tod am Kreuz, hier am Weinstockkreuz. »Bleibt in mir und ich bleibe in euch. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht. Denn ohne mich könnt ihr nichts tun.« Wir werden vielleicht nicht immer das an Früchten unseres Lebens bekommen, was wir uns gedacht haben. Aber wir dürfen sicher sein: Gott wird aus unserem Leben etwas machen. Wir dürfen Frucht bringen, denn in ihm verbunden gibt es kein sinnloses Leben, sondern ein mit Gnade und Segen erfülltes Leben. Ich bin gespannt, was Jesus aus meinem Leben noch alles machen wird, wenn ich in seiner Gemeinschaft bleibe. Und ich bin genauso gespannt, was er aus dem Leben jedes einzelnen von ihnen machen möchte. AMEN.
Predigt zu den Konfirmationen am 25.+26.04.2009 in Großenaspe über Joh 14,6: Der beste Kurs in die Zukunft Liebe Konfirmanden, liebe Gäste, mit dem heutigen Fest der Konfirmation ist es geschafft: Nach knapp zwei Jahren Konfirmandenunterricht haben die Konfirmanden ein erstes, wichtiges Lebensziel in ihrem jungen Leben erreicht. Dazu mein Glückwunsch an euch! Vor vier Wochen auf unserer Konfirmandenwochenendfreizeit im Schloss Ascheberg habe ich mich mit einigen von euch unterhalten, die gerade Berufspraktika gemacht haben. Das heißt, für manche von euch rückt schon das Ende der Schulzeit in greifbare Nähe und damit stellt sich die Frage: Was dann? Wie geht’s weiter nach der Schule? Beim Reinschnuppern in einzelne Berufe konntet ihr unterschiedliche Erfahrungen sammeln. Von „Jetzt weiß ich, was ich auf keinen Fall werden will“ bis hin zu „Der Chef fragte mich, ob ich nicht gleich hier bleiben wollte“. Mit anderen Worten: Nach Konfirmation und Schulabschluss wartet ein weiteres großes Lebensziel drauf von euch angepackt zu werden: Eure berufliche Ausbildung. Mit ihr verbindet sich Zweierlei. Zum einen der Wunsch: „Welchen Beruf möchte ich gerne erlernen?“ Und zum anderen die ganz nüchterne Erwägung: „Welchen Ausbildungsplatz kann ich derzeit überhaupt bekommen?“ In der Segeberger Zeitung von Donnerstag stand die fette Schlagzeile: Wirtschaft vor einer langen Durststrecke. Institute erwarten Absturz um sechs Prozent - Keine Erholung im nächsten Jahr. Die schwache Hoffnung, dass die Wirtschaftskrise womöglich nicht länger als ein Jahr dauern könnte, scheint ein Wunschtraum zu sein. Wir müssen uns wohl auf längere schwierige Zeiten einstellen. Und das bedeutet automatisch, dass es auch für eure Ausbildungsplätze nicht rosig aussieht, sondern zunehmend schwieriger werden dürfte. Der Kommentator in der Zeitung schreibt zur Situation: „In jeder Krise liegt eine Chance, heißt es. … Den Bundesbürgern bleibt gar nichts anderes übrig, als sich in Geduld und Bescheidenheit zu üben. Für eine Gesellschaft, die in sechs Jahrzehnten nur wachsenden Wohlstand erlebt hat, ist das möglicherweise auch eine wertvolle Erfahrung.“ Ihr, liebe Konfis, eure Eltern und ich natürlich auch – wir alle sind es nicht anders gewöhnt, als das unser Wohlstand bislang Stückchen für Stückchen weiter gewachsen ist. So gut wie heute ging’s den meisten noch nie. Und jetzt stecken wir in der schwersten Wirtschaftskrise seit dem zweiten Weltkrieg. Die ersten Großenasper spüren das schon am eigenen Leibe, wo im Betrieb Kurzarbeit angesagt ist. Ein Bekannter von mir hatte bei einer großen Neumünsteraner Firma nur einen Zeitvertrag: Damit gehörte er zu den ersten, denen gekündigt wurde. „In jeder Krise liegt eine Chance, heißt es.“ Welche Chance könnte das für uns heute sein? Ich hab da eine Idee! Und die lautet: Wir sollten die Krise nutzen darüber nachdenken, ob unser - im weltweiten Vergleich - enormer Wohlstand wirklich alles im Leben ist. Dass ihr Konfis gerne eine Ausbildung machen möchtet, um damit einmal euren Lebensunterhalt zu verdienen, das ist völlig in Ordnung. Das wollen wir alle. Was aber zu überdenken ist, ist dies „immer noch mehr Wollen“ – wie es uns die Werbung nahelegt. Mit einem Mann aus meinem Hauskreis, der früher in der Werbebranche gearbeitet hat, kam ich darüber ins Gespräch. Und er erzählte mir, dass das Ziel der Werbung folgendes ist: Werbung versucht mit allen Tricks uns einzureden, dass wir mit dem, was wir schon haben, nicht zufrieden sein dürfen. Werbung will uns unzufrieden machen, damit wir uns auch dies und das und jenes noch anschaffen. Wenn du anständig Fernsehen willst brauchst du eben unbedingt einen Flachbildschirm. Am besten möglichst groß und mit der Möglichkeit Bilder auch in Blue-ray Qualität zu sehen. Wenn du keinen hast bist du von gestern. Richtig cool bist du überhaupt erst, wenn du Markenklamotten trägst. Und was deine Schuhe angeht, müssen es jetzt am liebsten Chucks sein - lerne ich gerade von meiner Tochter. Damit ich mir viel leisten kann, muss ich na klar genug Geld haben und das bedeutet: Karriere machen. In einem Aufsatzwettbewerb zum Thema „Eltern“ schreibt ein 17-Jähriger: „Ein dickes Bankkonto, zwei Autos, ein Landhaus und eine Jacht … Mein Vater ist die Leiter des Erfolgs hochgeklettert und musste erkennen, dass sie nirgendwohin führt – man muss nur immer weiter klettern. Jetzt bekommt er Angst. Er leidet unter Depressionen und sein Alter macht sich bemerkbar. Auf dem Gipfelpunkt des Ruhmes ist er ein gebeugter, verbrauchter, alter Mann. - Ich will nicht so werden wie mein Vater!“ Karriere machen oder doch lieber nicht? Ist das Streben nach Besitz und Wohlstand das wahre Lebensziel oder kann man auch anders glücklich sein? Geht es im Leben allein um mich und meine Selbstverwirklichung? Und was ist mit den anderen? Ich habe den Eindruck, dass unter uns – und das heißt bei den Jungen wie bei den Alten - heute eine große Orientierungslosigkeit herrscht. Was gilt eigentlich im Leben? Wo soll’s langgehen, damit unser Leben richtig gelingt? Ihr habt sicherlich schon das schöne Bild hier oben an der Empore gesehen. Was ist das für ein Objekt? – Richtig, eine Windrose oder Kompassrose Wofür braucht man die? – Richtig, um sich zu orientieren Pappkompass zeigen Ihr kennt alle einen Kompass. Egal in welche Richtung ich mich bewege oder drehe: die Kompassnadel richtet sich nach dem Erdmagnetfeld aus und zeigt nach Norden. Drehe ich die Kompassrose dann so hin, dass die Nadel auf „N“ wie Norden steht, weiß ich sofort auch alle anderen Himmelsrichtungen, selbst wenn mal die Sonne nicht scheint. Spätestens wenn der Strom ausfällt fürs GPS-Gerät ist der Kompass auf Schiffen unentbehrlich, um den richtigen Kurs zu steuern. So ein Kompass hilft mir, mich zu orientieren und den richtigen Weg einzuschlagen. In unserer gesellschaftlichen Orientierungslosigkeit wäre es doch super, solch einen Kompass fürs Leben zu haben. Einen Lebenskompass sozusagen, der uns zeigt welcher Kurs, welcher Weg in die Zukunft der richtige ist. Und diesen Kompass gibt es. Der hat einen Namen: Jesus Christus. Liebe Konfis, ihr erinnert euch – hoffentlich – noch an eure Konfirmandenprüfung. Da wurdet ihr unter anderem nach den berühmten „Ich bin Worten“ gefragt. In einem dieser Worte sagt Jesus von sich: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Wie ein Kompass will uns Jesus mit diesem Wort den besten Kurs in die Zukunft weisen. Unabhängig davon, ob wir gerade in einer wirtschaftlichen Krise stecken oder in einem Konjunkturhoch. Auf den Kurs, den Jesus uns anbietet, ist seit 2000 Jahren absoluter Verlass. Was er mit den drei Begriffen „Weg“, „Wahrheit“ und „Leben“ meint, dass möchte ich gerne deutlich machen. 1. Jesus sagt: Ich bin der Weg Ein Wirtschaftsprofessor aus den USA bat seine Studenten, eine Woche lang mit folgender Übung zu leben: „Nehmen sie an, sie hätten nur noch dieses eine Semester, d.h. ein halbes Jahr, hier an der Uni zu leben. Führen sie Tagebuch, wie sie es verbringen.“ Es tauchten plötzlich Werte auf, die vorher unbekannt waren. Die Studenten schrieben und besuchten ihre Eltern, versöhnten sich mit ihren Geschwistern und Freunden, hatten einen völlig veränderten Umgang miteinander. Werte wie Liebe und Dankbarkeit und das, was ein Leben wirklich reich macht, wurden zur Hauptsache. Alles bekam einen neuen Wert, weil man die Dinge plötzlich vom Ende her betrachtete. Diese veränderte Sichtweise vom Ende her kennen wir aus dem Sport: Wenn – wie jetzt der THW Kiel – eine Fußballbundesligamannschaft oder ein Formel eins Pilot sehr gut ist, dann steht oftmals schon vor dem Ende der Spielsaison fest, wer Meister, bzw. Weltmeister wird. Der Topfavorit kann dann die letzten noch ausstehenden Spiele ganz entspannt gehen, weil er weiß: Der Sieg gehört mir jetzt schon, den kann mir keiner mehr nehmen. Jesus sagt, dass das mit unserem Leben genauso sein kann. Gott hat für unser Leben ein Ziel festgesetzt: Das können wir erreichen oder auch verfehlen. Als Jesus schon wusste, was am Karfreitag auf ihn zukam, da zeigte er seinen Jüngern das Ziel ihres Lebens auf und sprach: Habt keine Angst. Ihr vertraut auf Gott, nun vertraut auch auf mich! Es gibt viele Wohnungen im Haus meines Vaters, und ich gehe voraus, um euch einen Platz vorzubereiten. Wenn es nicht so wäre, hätte ich es euch dann so gesagt? Wenn dann alles bereit ist, werde ich kommen und euch holen, damit ihr immer bei mir seid, dort, wo ich bin. Ihr wisst ja, wohin ich gehe und wie ihr dorthin kommen könnt." "Nein, Herr, das wissen wir nicht", sagte Thomas. "Wir haben keine Ahnung, wo du hingehst; wie können wir da den Weg kennen?" Jesus sagte zu ihm: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich. (Joh 14,1-6) Gottes Ziel für unser Leben ist, dass wir die Ewigkeit mit ihm verbringen. Und der Weg in den Himmel führt über Jesus. Da gibt es keinen Umweg über andere Religionen. Wir kommen auch nicht durch Taufe oder Konfirmation in den Himmel, nur Jesus kann uns dahin bringen. Und das bedeutet: Wer heute schon in einer persönlichen Beziehung mit Jesus lebt, den nimmt er – wie seine Jünger damals – mit in die vorbereiteten himmlischen Wohnungen. Wer mit Jesus auf du und du lebt, der kann das Leben vom Ende her betrachten und dann sein Leben entspannt leben. Wenn klar ist, dass ich die Ewigkeit mit Gott verbringen werde, was kann mir da noch passieren? Mit dem Sieg in der Tasche kann ich alle noch ausstehenden Spiele meines Lebens vor dem Lebenssaisonende vertrauensvoll angehen. 2. Jesus sagt: Ich bin die Wahrheit Damit meint er: Alles, was er gesagt und was er vorgelebt hat, das erweist sich als sinnvolle Wahrheit, nach der wir uns richten dürfen. Ein Beispiel nur möchte ich rausgreifen. Auf die Frage nach dem höchsten Gebot antwortete Jesus…? Na, wer von euch Konfis kriegt das Doppelgebot der Liebe hin? – Danke. Du sollst Gott von ganzem Herzen lieben und deinen nächsten wie dich selbst. Wir nehmen mal nur den zweiten Teil, das Gebot der Nächstenliebe: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Das wir uns selbst lieben ist wichtig für unser Selbstwertgefühl. Wer von sich denkt „ich bin nichts wert“, dem fällt es verständlicherweise auch schwer sich zu lieben. Aber wenn es nur noch um mich geht: Meine Klamotten, mein Handy, meine Playstation, mein Computer - und meine Mitmenschen mir egal werden, dann läuft etwas gefährlich schief. Meinen Nächsten zu lieben heißt nicht jeden in den Arm zu nehmen. Meinen Nächsten lieben, heißt dass ich in ihm genauso ein Geschöpf Gott sehe wie mich. Ich habe ihm da nichts voraus und er mir auch nicht. Er ist nicht besser als ich und ich bin nicht besser als er. Daraus folgt, dass ich meinem Nächsten höflich und mit Respekt begegne. Das kann ich auch mit jemandem, der mir unsympathisch ist. Und nicht zuletzt heißt Nächstenliebe auch, dass ich anderen zuhöre, sie für voll nehme und bereit bin mit ihnen zu teilen. Dass das Gebot der Nächstenliebe absolut keine Nebensächlichkeit ist, werdet ihr, liebe Konfis, bei der Suche nach Ausbildungsplätzen feststellen. Neben euren Schulnoten und eurem handwerklichen Geschick wird immer mehr Wert darauf gelegt, wie gut ihr im Umgang mit Menschen seid: Stichwort „Soziale Kompetenz“. Da wird von euch praktische Nächstenliebe erwartet, weil die entscheidend ist für das Betriebsklima. Fragt mal eure Eltern: Wo ein gutes Betriebsklima herrscht, da arbeitet man gerne. 3. Jesus sagt: Ich bin das Leben Wir werden geboren, wachsen auf, gründen eventuell eine Familie und pflanzen uns fort und irgendwann sterben wir. Das ist das biologische Leben. Das haben wir gemeinsam mit Kaninchen wie mit Elefanten. Das Leben, das Jesus uns mit seiner Person anbietet, ist weit mehr als das biologische Leben. Mit Jesus gewinnt unser Leben ein Ziel über den biologischen Tod hinaus, eben die Ewigkeit beim himmlischen Vater. Und mit Jesus wird schon das jetzige Leben so spannend, weil er für unser Leben einen Plan hat, den wir mit ihm zusammen entfalten dürfen. Ich muss da an Anna und Julien denken, die ab September für zwei Jahre auf das Missionsschiff „Logos Hope“ gehen. Ich bin sicher, dass die beiden in dieser besonderen Zeit dem Plan, den Jesus für ihr Leben hat, ein entscheidendes Stück näher kommen. Ja, manchmal gehört es sogar zu Jesus Plänen, das aus Chemikern Pastoren werden. Spannend! Pappkompass zeigen Mit Jesus bekomme ich einen Kompass fürs Leben. Einen Kompass, der egal was ich beruflich mache, egal was ich verdiene, egal wo ich wohne, egal ob ich gerade in guten oder in schlechten Zeiten stecke, mir immer den besten Kurs in die Zukunft zeigt. Und das ist der Kurs mit ihm selbst an meiner Seite. Denn Jesus allein ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. AMEN.

Predigt zum Gemeindeleitbild über Anbetung (Lennart und Bastian) Was ist Anbetung? (Bastian) Ich möchte euch zu Beginn der Predigt ein paar Fragen stellen: Wer von euch hat schon mal einen Liebesbrief geschrieben? Was steht denn so typischerweise in einem Liebesbrief? - Liebesbekundungen - Bilder und Umschreibungen für die Schönheit der Frau/des Mannes - Komplimente - Man/Frau schwärmt von der Schönheit (innerlich und äußerlich) der Frau/des Mannes Die Dinge, die man in einem Liebesbrief schreibt, ähneln schon sehr stark dem, was es bedeutet, Gott zu anbeten. Diese Sachen sind erstmal unabhängig von der Form. Anbetung kann sich ausdrücken in einer Herzenshaltung, guten Taten, Musik, Tanz, gesprochenem Gebet oder, oder, oder. Anbetung ist aber nicht einfach nur Gebet. Gebet, also das Reden mit Gott, hat ganz viele Aspekte, von dem einer Anbetung ist. Damit wir noch besser verstehen, was die Bibel mit Anbetung meint, wird uns Lennart jetzt ein bisschen etwas über die Worte erzählen, die die Bibel für Anbetung verwendet. Biblische Begriffe (Lennart) 1. NT - proskyneo o sich vor jemandem niederwerfen und den Boden, die Füße oder den Kleidersaum küssen o jemandem niederkniend huldigen o anbeten o fußfällig verehren  sich vor Gott beugen - latreuo o dienen, verehren  Mt.4,10: "Da spricht Jesus zu ihm: Weiche, Satan! Denn es steht geschrieben: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen!«"  Gott dienen, ihn verehren 2. AT - halal o lobpreisen o prahlen, feiern, lautstark töricht sein, strahlen, etwas darstellen, wild sein, singen, toben  Gott feiern - towdah o Dank, Dankopfer  Gott danken - shabach o Lobpreis, Triumph, Herrlichkeit, lautstarke Verehrung o mit lauter Stimme unerschrocken Herrlichkeit verkünden  proklamieren, Gottes Größe und seinen Sieg ausrufen (Gott feiern) Warum Gott anbeten? (Lennart) Warum sollen wir Gott eigentlich anbeten? Ich hab drei Gründe gefunden. Bestimmt gibt es noch mehr. Wenn jemandem noch welche einfallen, darf er die gerne nachher beim Kirchkäffchen allen erzählen. 1.Gott selbst (nach oben zeigen) 2.Unser Herz (Hand aufs Herz) 3.Gottes Wort (mit den Händen ein Buch formen) 1. Gott selbst Gott ist unserer Anbetung würdig. Er verdient es, angebetet zu werden. Warum? Da gibt es so viele Gründe. Ich sag mal ein paar davon. a) Gott ist gut - Gott ist gnädig, gütig, treu, liebevoll und gerecht o Menschen: immer wieder gesündigt und gegen Gott gestellt o Gott: für uns gestorben, um uns zu vergeben - erhört Gebete o Erzählung: Bein gebrochen - sorgt für uns - Jakobus 1,17: "Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist, noch ein Schatten infolge von Wechsel." o Aktion: Dinge überlegen, wofür ich Gott dankbar sein kann, Nachbarn sagen - vieles mehr b) Gott ist heilig, herrlich, groß, mächtig - Gott ist allmächtig o Wäre Gott nur gut, aber nicht allmächtig: keine große Hilfe o Wäre Gott nur allmächtig, aber nicht gut: ein schrecklicher, willkürlicher Gott, dem wir schutzlos ausgeliefert wären  Die perfekte Kombination, es könnte gar keinen besseren Gott für uns geben - In Hebräer 1,3 steht über Jesus: "Durch die Kraft seines Wortes trägt er das ganze Universum." o Veranschaulichung: Was Schweres heben: Ich gerade so mit Händen/Jesus Universum mit seinem Wort c) Gott hat das ganze Universum geschaffen - unglaubliche Vielfalt - Schönheit - genial - stellt die Wissenschaft immer wieder vor Rätsel - die Schöpfung hat Leute immer wieder so fasziniert, dass sie Dinge daraus angebetet haben, z.B. die Sonne o aber Gott hat all diese Dinge geschaffen und hält sie in seiner Hand o er ist viel größer und eindrucksvoller als das alles o er sagt uns, dass wir nur ihn anbeten sollen und nicht seine Schöpfung - Beispiele für geniale und schöne Sachen in der Natur (Bakterienmotor, Wiesensalbei) 2. Unser Herz Lobpreis/Anbetung ist Ausdruck unserer Liebe zu Gott - Er liebt uns und wünscht sich, dass wir ihn zurücklieben o Wie sehr er uns liebt, hat er ein für allemal bewiesen, als er am Kreuz für uns gestorben ist (Bild bei Timmi und Birte) o Er wünscht sich, dass wir ihn genauso lieben: Mit unserem ganzen Herzen, ganzer Seele, ganzer Kraft (5.Mose 6,5) 3. Gottes Wort Die Bibel weist uns darauf hin, dass wir Gott anbeten sollen. - z.B. Eph.5,19.20: „redet zueinander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern; singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen; sagt allezeit Gott, dem Vater, Dank für alles, in dem Namen unseres Herrn Jesus Christus“ - Joh.4,23: „Aber die Stunde kommt und ist schon da, wo die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden; denn der Vater sucht solche Anbeter.“ o der Vater sucht Leute, die ihn wirklich anbeten o Das führt uns zu der Frage: Wie sollen wir Gott anbeten? Wie anbeten? (Bastian) Und dazu bleiben wir mal gleich bei diesem Bibelvers. Jesus sagt etwas ganz Grundlegendes über Anbetung. Jesus erwiderte: "Glaube mir, es kommt die Zeit, in der es keine Rolle mehr spielt, ob ihr den Vater hier oder in Jerusalem anbetet. Ihr Samaritaner wisst wenig über den, den ihr anbetet - wir Juden dagegen kennen ihn, denn die Erlösung kommt durch die Juden. Aber die Zeit kommt, ja sie ist schon da, in der die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten. Der Vater sucht Menschen, die ihn so anbeten. Denn Gott ist Geist; deshalb müssen die, die ihn anbeten wollen, ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten." (Johannes 4, 23-24) Jesus sagt hier ganz deutlich, dass es egal ist, wo wir Gott anbeten, denn wir haben den heiligen Geist. Kein Ort ist besser geeignet als ein anderer. Wenn wir glauben würden, dass wir beispielsweise nur in der Kirche Gott anbeten könnten, dann wäre das so, als wenn wir zwar ein Handy haben, mit dem wir überall telefonieren könnten, aber dennoch zum Telefonieren in eine Telefonzelle gehen würden. Wir können und sollen Gott überall anbeten. Der zweite Punkt, den Jesus anspricht ist, dass wir Gott in Wahrheit anbeten. An einer anderen Stelle in der Bibel macht Gott deutlich, dass es ihm auf unser Herz ankommt. Der Prophet Samuel sagt: „Der Mensch urteilt nach dem, was er sieht, doch der Herr sieht ins Herz.“ (1.Samuel 16,7) Gott möchte, dass wir ehrlich zu ihm kommen. Das ist ihm wichtig. Er möchte keine Heuchelei. Das sagt er zum Beispiel durch den Propheten Amos. Zu der Zeit hatten sich die Israeliten gerade wieder von Gott abgewendet. Sie brachten zwar immer noch Opfer dar und hielten religiöse Feste ab, aber in ihrem Leben spielten Gott und seine Gebote keine Rolle mehr. Deshalb hat Gott gesagt: „Ich hasse und verachte eure religiösen Feste und kann eure feierlichen Zusammenkünfte nicht riechen. Ich will eure Brand- und Speiseopfer nicht haben; Die Friedensopfer eurer Mastkälber will ich nicht sehen! Hört auf mit dem Lärm eures Lobpreises! Eure Anbetungsmusik werde ich mir nicht anhören. Stattdessen will ich Recht fließen sehen wie Wasser und Gerechtigkeit wie ein Fluss, der niemals austrocknet.“ (Amos 5, 21-24) Diese Verse bedeuten nicht, dass wir Gott nicht anbeten sollen oder ihm keine Lieder singen dürfen. Hier macht Gott aber deutlich, dass sich unsere Anbetung auch in unserem Leben widerspiegeln soll. Gott hält nichts davon, wenn wir ihm im Gottesdienst die tollsten Lieder singen und ihm große Versprechungen machen, nichts davon aber in unserem Alltag tun. Es ist toll, wenn wir Gott mit Musik anbeten, aber wenn wir Anbetung nicht mit unserem ganzen Leben praktizieren, dann hat es keinen Wert. Anbetung mit unserem Leben ist, wenn wir liebevoll mit unseren Mitmenschen umgehen und uns an Gottes Weisungen halten, denn damit machen wir deutlich, dass Gottes Gebote gut sind. Ein anderer Aspekt betrifft den Zeitpunkt von Anbetung. Zu Beginn hatten wir festgestellt, dass wir nicht an einem besonderen Ort sein müssen, um Gott anzubeten. Gibt es denn eine bestimmte Zeit? Die Antwort lautet nein. Denn Gott gebührt immer unsere Anbetung. Das bezieht sich nicht nur auf die Uhrzeit und den Wochentag, sondern auch auf unsere Lebenssituation. Das ist wohl einer der schwierigsten Punkte in Bezug auf Anbetung. Gott möchte nämlich, dass wir ihn anbeten, auch wenn es uns nicht so gut geht und wenn wir Probleme haben. Wenn es uns gut geht und wir Gottes Segen in unserem Leben sehen können, dann fällt es uns meist leicht, Gott anzubeten und ihn dafür zu loben, dass er gut ist. Was ist aber in Zeiten der Trauer, des Schmerzes, der Krankheit und der Verzweiflung? Wie kann Gott in solchen Situationen verlangen, dass wir ihm die Ehre geben? Es gibt in der Bibel viele Beispiele für Menschen, die Gott auch in schweren Zeiten angebetet haben. Einige von euch kennen vielleicht die Geschichte von Hiob, der alles verloren hat – seine Familie, seinen Besitz und seine Gesundheit – der aber dennoch an Gott festgehalten hat. Auch David wurde lange Zeit verfolgt hat aber dennoch Gott angebetet, wie wir in den Psalmen lesen können. Auch als Paulus mit Silas im Gefängnis war, haben sie Gott Lieder gesungen, obwohl sie kurz davor noch verprügelt wurden sind. Was hat sie veranlasst in diesen scheinbar aussichtslosen Situationen an Gott festzuhalten und ihn sogar anzubeten? Die Antwort ist, all diese Menschen hatten eine enge Beziehung zu Gott. Sie kannten Gott und wussten, dass er wirklich gut ist, auch wenn es gerade nicht so aussah. Deshalb kann der Psalmist in Psalm 13 auch schreiben: Herr, wie lange willst du mich noch vergessen? Wie lange willst du dich noch von mir abwenden? Wie lange soll meine Seele noch sorgen und mein Herz täglich aufs Neue trauern? Wie lange wird mein Feind noch die Oberhand behalten? Wende dich mir zu und erhöre mich, Herr, mein Gott! Mach es wieder hell vor meinen Augen, damit ich nicht sterbe. Lass nicht zu, dass meine Feinde triumphieren und sagen: „Wir haben ihn besiegt!“ Lass nicht zu, dass sie jubeln, weil ich unterliege. Ich vertraue auf deine Gnade. Ich freue mich, dass du mich retten wirst. Ich will dem Herrn ein Loblied singen, weil er so gut zu mir war. (Psalm 13) Vor ein paar Tagen haben Anni und Silvia mich darauf hingewiesen, dass ich beim Musikertreffen einige Gesten gemacht habe, die ich anscheinend von Cake und Lennart abgeguckt hab. Ich hab mich im ersten Moment etwas darüber geärgert, weil ich ja nicht andere Leute nachmachen will. Dann ist mir aber aufgefallen, wie toll das zum Thema Anbetung passt. Wie kam es denn dazu, dass ich ganz unbewusst Lennart und Cake nachgemacht hab? Ich habe die beiden so oft gesehen und kenne sie so gut, dass ich die Bewegungen irgendwie übernommen hab. Und genauso ist das auch bei uns und Gott. Die Quelle für wahre Anbetung ist die Beziehung und Liebe zu Gott. Um Gott mehr kennen zu lernen, muss ich ihn anschauen und Zeit mit ihm verbringen. Dann wird mein Vertrauen in Gott so tief und meine Freude über ihn so groß, dass ich Gott auch in schweren Zeiten anbeten kann. Das heißt nicht, dass man sich immer danach fühlt, Gott anzubeten. Gerade in schweren Zeiten, müssen wir uns oft bewusst dafür entscheiden das zu tun. Paulus und Silas haben sich im Gefängnis im ersten Moment sicherlich nicht danach gefühlt, Gott Lieder zu singen, aber sie wussten aus der Vergangenheit, so wie es auch in Psalm 13 heißt, dass Gott gut ist und sie retten wird. Das Ende der Geschichte ist, dass Gott dann in der Nacht ein Erdbeben geschickt hat, wodurch die beiden befreit wurden. Ich möchte nochmal kurz zusammenfasse, was wir heute gehört haben. 1. Gott gebührt unsere Anbetung als Antwort auf das, was er ist und was er getan hat. 2. Anbetung bedeutet, dass wir uns vor Gott beugen, ihn verehren und ihm unsere Liebe zeigen 3. Gott möchte, dass wir ihn immer anbeten. Dabei sind der Ort und die Form völlig egal. Es kommt allein auf unser Herz an. 4. Die Quelle unserer Anbetung ist die Beziehung zu Gott, unserem liebenden Vater. Am Ende möchte ich euch jetzt fragen, wie es bei euch mit diesen Punkten aussieht. Seid ihr bereit, Gott mit euerm Leben anzubeten? Ich möchte euch ermutigen euer Lobpreisfeuer immer wieder neu anzufachen und euch bewusst zu machen wie Gott ist. Wir haben allen Grund zur Freude. Ihr habt jetzt die Möglichkeit, das im Lobpreisteil umzusetzen.

Predigt am 1.02.2009 in Großenaspe und Heidmühlen über Mt 17,1-9 In Jesu Namen, Amen.

Gehe ich richtig in der Annahme, dass sie alle schon mal eine Theatervorstellung besucht haben? Danke.

Dann wissen sie, wie so eine Vorstellung im Theater abläuft: Der Vorhang geht auf und der erste Teil der Vorstellung, der erste Akt beginnt. Bei Theaterstücken mit mehreren Akten gibt es auch noch eine Vorstellungspause. Mit dieser Sichtweise vom Theater wollen wir jetzt an unseren heutigen - und wie ich finde überaus spannenden - Predigttext herangehen aus Mt 17,1-9. Deshalb Vorhang auf zur dreiteiligen Vorstellung mit dem Titel: Die Verklärung von Jesus.

Und nach sechs Tagen nimmt Jesus Petrus und Jakobus und Johannes, seinen Bruder, mit und führt sie abseits auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihnen verwandelt (Metamorphose). Und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, seine Kleider aber wurden weiß wie das Licht; und siehe, Mose und Elia erschienen ihnen und unterredeten sich mit ihm. Petrus aber begann und sprach zu Jesus: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten machen, dir eine und Mose eine und Elia eine. Während er noch redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke, und siehe, eine Stimme kam aus der Wolke, welche sprach: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe. Ihn hört! Und als die Jünger es hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. Und Jesus trat herbei, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht! Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als ihn, Jesus, allein. Und als sie von dem Berg herabstiegen, gebot ihnen Jesus und sprach: Sagt niemandem die Erscheinung weiter, bis der Sohn des Menschen aus den Toten auferweckt worden ist. (Mt 17,1-9)

Petrus, Jakobus und Johannes bekommen hier eine beeindruckende Person vorgestellt - Jesus. Und diese Vorstellung verändert jede Vorstellung, die sie sich bisher von ihm gemacht haben.

1. Teil der Vorstellung: Jesus wird vorgestellt Gott stellt den drei Jüngern seinen Sohn vor und sagt zu Schluss der Vorstellung: Das – was ihr jetzt gesehen habt –, »das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören.« Aber was soll diese Vorstellung, was soll diese Verwandlung? Weshalb ist es nötig, Jesus Gesicht und Kleider wie die Sonne leuchten zu lassen? Was will Gott den Jüngern und uns mit dieser Verwandlung von Jesus zeigen? Aufschlussreiche Antworten geben uns die beteiligten Personen. Da ist zunächst die Auswahl der Jünger: Petrus, Jakobus und Johannes. Matthäus nennt nur zwei Ereignisse, bei denen genau diese Dreiergruppe mit Jesus unterwegs ist: Beim Highlight der Verwandlung von Jesus und demgegenüber am absoluten Tiefpunkt bei der Verhaftung Jesu im Garten Gethsemane. Die Auswahl der Jünger macht diese Hocherfahrung, das Highlight der Verwandlung von Jesus, zu einem Hinweis auf den Tiefpunkt im Leben von Jesus, zu einem Hinweis auf sein Leiden und Sterben.

Dann bietet Gott noch zwei weitere Akteure auf für die Vorstellung: Mose und Elia. Weshalb gerade diese beiden? Mose, Elia und Jesus verbindet das Thema Tod und Leben miteinander und zwar in einer Art Steigerung: Am Schluss des 5. Buch Mose heißt es, dass Moses letzte Ruhestätte nie gefunden wurde. Das ist etwas Besonderes. Elia wird demgegenüber direkt in den Himmel aufgenommen, was schon außergewöhnlich ist. Aber Jesus erst: Von ihm wissen wir, dass er zwar gestorben ist, dann aber auferweckt und schließlich in den Himmel aufgenommen wurde.

Das ist einmalig. Lukas unterstreicht diesen Punkt, indem er – im Gegensatz zu Matthäus – berichtet, worüber sich Mose, Elia und Jesus unterhalten: »Sie sprachen darüber, wie er bald in Jerusalem sterben würde, um damit seinen Auftrag zu erfüllen.« (Lk 9,31) Die Auswahl der drei Jünger, Mose und Elia, auch das leuchtende Gesicht von Jesus und seine weißen Kleider: Alles zusammen ist ein deutlicher Hinweis auf seinen Tod und seine Auferstehung.

Und wie Mose und Elia die Vertreter des Alten Bundes, des Alten Testamentes sind, so tritt nun Jesus an ihre Stelle und führt ihr Werk zum Ziel.

Zusammengefasst können wir also sagen: In der Verklärung von Jesus sollen seine Jünger und auch wir sehen: Hier ist der Sohn Gottes, der das Leid dieser Welt und schließlich den Tod überwindet. Hier ist der Sohn Gottes, der unsere Schuld, unsere Krankheit und unsere Nöte am Kreuz getragen und in seiner Auferstehung überwunden hat. Deshalb tröstet Jesus uns damit, wenn er bei Johannes sagt: »In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost: ich habe die Welt überwunden.« (Joh 16,33) Und übrigens hängt auch das Schweigegebot damit zusammen: Die Verklärung von Jesus, seine Verwandlung in diese Auferstehungsherrlichkeit, lässt sich erst von Ostern her verstehen und soll deshalb auch erst dann verkündet werden.

2. Teil der Vorstellung: Gottes Vorstellung von mir Gottes Vorstellung von Jesus hat sehr viel mit Gottes Vorstellung von uns zu tun, d.h. damit, wie Gott sich uns vorstellt. Deutlich wird dies am Begriff der »Verklärung« bzw. der »Verwandlung«. Dieser Begriff kommt im Neuen Testament außer in der Verklärungsgeschichte nur noch zweimal bei Paulus vor, u. a. im 2. Kor 3,18: Wir alle spiegeln mit enthülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider und werden so in sein eigenes Bild verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, durch den Geist des Herrn. (2. Kor 3,18) Wie die Verwandlung von Jesus eine Vorwegnahme seiner Auferstehungswirklichkeit ist, so ist sie genauso eine Vorwegnahme unserer Auferstehungswirklichkeit.

Denn wer auf Jesus schaut – so Paulus –, wer an Jesus glaubt, der wird gleichermaßen verwandelt in dasselbe Bild. Interessanterweise steht für das Verwandeln im griechischen Urtext der Begriff »Metamorphose«. Wofür verwenden wir den Begriff? Wir verwenden den Begriff»Metamorphose« für die Verwandlung einer Raupe in einen Schmetterling. Eine Raupe ist wenig attraktiv, kriecht auf der Erde herum und frisst sich durchs Leben. Durch die Metamorphose wird solch eine Raupe zum Schmetterling verwandelt, bekommt einen neuen wunderschönen Leib und braucht auch nicht mehr auf der Erde herumzukriechen. Und so wie eine Raupe dazu bestimmt ist, zum Schmetterling zu werden, sind auch wir zur Auferstehung mit einem neuen Leib bestimmt.

3. Teil: Die Vorstellungspause Wie jede gute Vorstellung hat auch unsere Vorstellung eine Vorstellungspause. Der erste Teil der Vorstellung war grandios. Jetzt ist Vorstellungspause. Die Jünger haben damals live einen Vorgeschmack bekommen auf ein Leben jenseits von Krankheit, Leid und Tod. Im Lesen der Bibel, im Beten und im Glauben an Jesus Christus leben wir ebenso von diesem Vorgeschmack. Denn er will unser Vertrauen stärken und uns motivieren zum Gebet und zum Glauben an das, was Jesus am Kreuz für uns getan hat. Und trotzdem bleibt es ein Vorgeschmack. Für die Jünger und für uns heißt es nun zu warten. Zu warten auf die eigene Auferstehung und damit auf ein Leben in Gottes liebevoller Nähe, fern von allem, was unser Leben manchmal so schwer macht. Und was macht man in der Vorstellungspause im Theater? Man studiert das Programmheft und nimmt vielleicht einen Drink und einen Snack. Man spricht miteinander über das Gesehene und freut sich auf die Fortsetzung. Christen machen es nicht anders in ihrer Vorstellungspause: Sie studieren das Programmheft, sprich die Bibel. Sie stärken sich bei Brot und Wein im Abendmahl. Christen sprechen miteinander über Gottes Wohltaten in ihrem Leben, erzählen z.B. von ihren Gebetserhörungen und erinnern sich an Gottes Verheißungen. Und schließlich freuen sich Christen in ihrer Vorstellungspause ebenso auf die Fortsetzung des Programms: Nämlich die Vorstellung von der Wiederkunft Jesu und von dem Wissen, dann zu schauen, was wir bislang geglaubt haben.

Deshalb rät uns Paulus mit Blick auf das Abendmahl dieses: Sooft ihr von diesem Brot esst und aus diesem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er wiederkommt. (1. Kor 11,26) Noch leben wir in der Vorstellungspause und können deshalb nichts Besseres tun, als Paulus Rat zu befolgen. Und das wollen wir heute machen. AMEN.